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Fake Facts

Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen

 

Quadriga Verlag
Köln 2020

352 Seiten

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Rezension / Buchempfehlung

Peter Neumann, Die neuen Dschihadisten. IS, Europa und die nächste Welle des Terrorismus, Berlin 2015

Peter Neumann, den meisten von uns aus (besseren) Talkshows und Nachrichtensendungen als Extremismus- und Terrorismus-Experte bekannt, hat ein wichtiges Buch zum Thema geschrieben. Zusammen mit seinen Mitarbeitern am International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR) am Londoner King´s College hat er umfassend recherchiert, ausgewertet und eine eigene stringente und überzeugende Deutung von Dschihadismus und "Islamischem Staat" erarbeitet: Neumann stellt die Ereignisse von Paris, Brüssel usw. in einen historischen Kontext, ordnet sie ein in das Wellenkonzept des amerikanischen Historikers David Rapoport, demzufolge Terrorismus nicht singulär sei, sondern als zyklisches Phänomen, je eine Generation andauernd und sich dann neu konstituierend, als Produkt radikaler, sozialer und politischer Bewegungen, je neu darstelle.

Die Charakteristika des "Islamischen Staates" seien nicht neu (und - ich ergänze aus eigener beruflicher Perspektive - für den mit religiösem / weltanschaulichen Fanatismus Vertrautem leider Teil des Tagesgeschäftes): eine höhere Idee, deren totalitärer Anspruch, das exklusiv-avangardistische Selbstverständnis, die vermeintlichen Märtyrer, die Gräuel: all das zeichnet keineswegs den "IS" besonders aus. Was den "IS" letztlich aus- und zu einer neuen, der fünften Welle des modernen Terrorismus mache, sei, dass die "neuen Dschihadisten" sich in der Folge des Afghanistankonfliktes letztlich zu einer globalen Bewegung entwickelt hätten, die in Europa eine Polarisierung von Politik und Gesellschaften bewirkten, die mit einer Eskalation des Extremen einhergingen und die Demokratie selbst in Gefahr brächten. Sie bekämpfen das europäische Gesellschaftsmodell – das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen. Anschlussfähig sind Haltung und Überzeugung der Terroristen in der Gegenkultur des Salafismus. Hier vor allem werden die "neuen Dschihadisten" rekrutiert. Die fast 21.000 Auslandskämpfer des "IS", die in nur wenigen Jahren nach Syrien und in den Irak gegangen seien, seien Produkte ihrer, eben auch unserer europäischen Gesellschaften, deren Radikalisierung "in Dinslaken, Portsmouth und Nantes" begonnen habe. Vor diesem Hintergrund sei unser Problembewusstsein für solche gesellschaftlichen Zusammenhänge noch immer ungenügend. Es brauche mehr internationale und nationale Koordination, mehr Pragmatismus, Kooperation, Offenheit und vor allem einen nationalen Präventionsplan zur Bekämpfung des "neuen Dschihadismus". Dazu gibt Neumann instruktive Ratschläge.

Das Buch ist höchst informativ, ausgesprochen kenntnisreich und gut zu lesen. Ich empfehle es uneingeschränkt Ihrer Lektüre.

 

 

 

Andrew Schäfer / 17.10.2016



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