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Literatur- empfehlung
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Andreas Fincke,
Mit Gott fertig? Konfessionslosigkeit, Atheismus und säkularer Humanismus in Deutschland

Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2017
148 Seiten
ISBN  9783865692818

1. Auflage

16,00€

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Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) / Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA)

Zwischen Meinungsfreiheit und polemischer Aktion: die atheistische Buskampagne „Schlussmachen jetzt“

Die „Giordano-Bruno-Stiftung“ (gbs) und der „Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten“ (IBKA) sowie der „Humanistische Pressedienst“ (hpd) als Medienpartner inszenieren unter dem Motto „Schlussmachen jetzt“ eine so genannte „säkulare Buskampagne“. In 26 Städten, auch im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland, nämlich in Düsseldorf, Köln, Trier und Saarbrücken, werden rund um den roten Doppeldeckerbus der Organisatoren Events veranstaltet, die zum Kirchenaustritt motivieren sollen.

Ziel ist es, vor allem gegen das gesellschaftspolitische Engagement, den religionsrechtlichen Status und die Finanzierung vor allem der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland Front zu machen.

Religiöse Gemeinschaften in Deutschland überhaupt, besonders aber die christlichen Kirchen, die im Fokus dieser Aktion stehen, sollen aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. Die Veranstalter bestreiten mit ihrer Aktion die Rechtmäßigkeit des verfassungsrechtlichen Status der beiden großen christlichen Kirchen und anderer Religionsgemeinschaften in Deutschland. Sie werfen der Politik „Verfassungsbruch“ vor, weil sie meinen, diese hielten die Vorgaben des Grundgesetztes bezüglich des Gebots der weltanschaulichen Neutralität des Staates nicht ein.

Die Veranstalter konstruieren für diesen Zweck zum wiederholten Mal das polemische Zerrbild einer vermeintlichen „Kirchenrepublik Deutschland“, in der die Politik angeblich in einer „christlichen Filterblase“ verharre und die Bürger durch kirchlich bestimmte Gesetze in ihrer Freiheit eingeschränkt und gegängelt würden.

Hintergründe

Ganz bewusst nutzen die Veranstalter die von einer Vielzahl sexueller Missbrauchsfälle bestimmte Krise vor allem der katholischen Kirche und den dadurch für alle Kirchen entstandenen enormen Vertrauensverlust, um ihrem Thema geschickt Gehör zu verschaffen: „Kein Wunder, dass die Vorfreude auf die säkulare Buskampagne ‚Schlussmanchen jetzt‘ groß ist“, heißt es dazu bei den Initiatoren der Kampagne.

Tatsächlich geht es den Initiatoren aber nicht nur darum, Missstände zu benennen, sondern Religion überhaupt zu verunglimpfen und die geltenden staats-kirchenrechtlichen Bestimmungen im Sinne eines strikten Laizismus wie zum Beispiel in Frankreich zu verändern. Eine gesellschaftspolitische Mitwirkung der Religionsgemeinschaften in Deutschland soll nicht mehr möglich sein. Beide atheistischen Organisationen fordern dies seit langer Zeit.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Kirchen und Religionsgemeinschaften vielfältige gesellschaftliche Mitwirkungsmöglichkeiten eröffnen, sind keineswegs verfassungswidrig! Vielmehr lebt der Staat gerade von unterschiedlichen religiösen, weltanschaulichen und daraus sich ergebenden ethischen Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann (Böckenförde), bzw. die auch den Bestimmungen des Grundgesetzes vorausliegen. So betont das Grundgesetz zwar zur Sicherung eines religiösen und weltanschaulichen Freiheitsraumes die religiöse und weltanschauliche Neutralität des Staates, sieht aber notwendigerweise keine strikte Trennung von Staat und Religion vor (Art. 4 und Art. 137 GG). Diese und weitere Bestimmungen des Grundgesetztes ermöglichen es dem Staat und den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, in vielen Bereichen zusammenzuarbeiten.

Ein Blick auf die atheistischen und säkularen humanistischen Organisationen zeigt zugleich eine erhebliche Heterogenität der Szenen: Den Atheismus gibt es genauso wenig wie die Religion. Innerhalb der atheistischen Verbände gibt es kontroverse Diskussionen darüber, was Atheismus, Humanismus, Konfessionsfreiheit eigentlich bedeuten. Das „Manifest des evolutionären Humanismus“, eine Art Grundschrift für ein naturalistisches Weltverständnis, verfasst für die Giordano Bruno Stiftung, wird von anderen Atheisten heftig angegriffen. Andere Humanisten und Atheisten betonen dagegen die geistige Anknüpfung an Traditionen der Aufklärung (so zum Beispiel Herbert Schnädelbach und in anderer Weise Joachim Kahl). Der Streit der „Humanisten“ spiegelt wider wie Freidenker, humanistische Verbände und überzeugte Atheisten bisher keineswegs klären konnten, welches die grundlegenden und sie verbindenden Orientierungsperspektiven ihres Welt- und Menschenverständnisses sind. Begriffe wie Humanismus oder Naturalismus reichen nicht aus, um das Charakteristische der eigenen Weltanschauung zum Ausdruck zu bringen.

Die Giordano Bruno Stiftung, die die Bezeichnung „atheistisch“ für sich ablehnt, orientiert sich gleichwohl wesentlich an Positionen des „Neuen Atheismus“. Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, der sich in seinen Veröffentlichungen um besonders religions- und kirchenfeindliche Äußerungen bemüht, bezeichnet das Christentum als die „dümmste Religion“ und religiöse Menschen überhaupt als „Religioten“ (Menschen, die unter „Religiöser Idiotie“ leiden). 

Nicht alle Weltanschauungsgemeinschaften, die im „Koordinierungsrat säkularer Organisationen e.V.“ (KORSO) zusammenarbeiten, teilen den aggressiven, oft auch polemischen Atheismus der Veranstalter der Buskampagne, den man in vieler Hinsicht als religions- und kirchenfeindlich und ans Fanatische grenzend bezeichnen kann. Vor allem säkulare humanistische Organisationen, die sich längst praktisch für eine konstruktive säkulare humanistische Lebensgestaltung einsetzen, unterstützen diese polemische Kampagne nicht.

 

Andrew Schäfer / 10.05.2019



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