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Zeuge Jehovas „Nein“ zur Bluttransfusion führt zu milderer Strafe

Der Verursacher eines Verkehrsunfalls, in dessen Folge ein junger Mann zu Tode kam, der als Zeuge Jehovas eine angezeigte Bluttransfusion verweigert hatte und starb, wurde deswegen nun milder bestraft.

Olpe. Die von einem 22-jährigen Zeugen Jehovas aus Olpe abgelehnte Bluttransfusion nach einem schweren Motorradunfall kostete den jungen Mann im April des vorigen Jahres möglicherweise das Leben und sorgte jetzt im Strafverfahren gegen den damaligen 45-jährigen Unfallverursacher dafür, dass dessen Strafe milder ausfiel.

Am 17. April war es zu dem folgenschweren Verkehrsunfall gekommen. Der 45-Jährige hatte versucht, den 22-jährigen zu überholen, touchierte ihn dabei so heftig, dass beide Männer schwer stürzten. Während der 45-Jährige Glück hatte und unter der Leitplanke hindurch rutschte, prallte der 22-Jährige dagegen und erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Eine laut medizinischem Gutachten angezeigte Bluttransfusion wurde von den behandelnden Ärzten allerdings nicht durchgeführt. Eine schriftliche Verweigerung der Bluttransfusion, wie sie viele Zeugen Jehovas bei sich tragen, lag vor. Staatsanwalt Dr. Roth: „In solchen Fällen sind die Mediziner zwingend an den Willen des Patienten gebunden.“ Das medizinische Gutachten war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bluttransfusion medizinisch geboten gewesen sei, auch wenn nicht sicher gesagt werden konnte, dass der 22-Jährige dann den Unfall überlebt hätte. Dies wurde im Zweifel nun strafmildernd für den Angeklagten ausgelegt.

Deshalb wurde der Unfallverursacher nicht wegen fahrlässiger Tötung, sondern „nur“ wegen fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt.  

Aufgrund ihres eigentümlichen Bibelverständnisses lehnen die Zeugen Jehovas jede Bluttransfusion ab, auch wenn sie lebensnotwendig ist.  

Dies gilt zumindest in Deutschland. 1988 waren die Zeugen Jehovas zur Erlangung der Anerkennung als Religionsgemeinschaft in Bulgarien bereit, der bulgarischen Regierung verbindlich zuzusichern, vor der Europäischen Menschenrechtskommission eine Erklärung zur „Blutfrage“ abzugeben. Darin verpflichten sie sich, in ihre Satzung eine Erklärung aufzunehmen, dass ihre Mitglieder für sich selbst und ihre Kinder in der „Blutfrage“ eine freie Wahl treffen können, ohne Kontrolle oder Strafmaßnahmen seitens der Organisation der Zeugen Jehovas befürchten zu müssen. Vor diesem Hintergrund mutet die geforderte Verweigerung von Bluttransfusionen bei uns mit ihren teilweise tödlichen Folgen zynisch an.

 Andrew Schäfer / www.derwesten.de

 

27.10.2011



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