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Neu: Literatur- empfehlung
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Katharina Nocun / Pia Lamberty


Fake Facts

Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen

 

Quadriga Verlag
Köln 2020

352 Seiten

gebundene Ausgabe 19,90€

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Kleine magische Alltagskunde

Die Magie des Niesens – in Pest- und anderen Zeiten. Hinter dem Phänomen des Niesens verbergen sich nicht nur Fragen der höflichen Etikette, sondern vor allem auch volksmagische und andere dämonistische oder sonstwie eng mit dem jeweiligen Weltbild verbundene Vorstellungen.

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Der Bruno Gröning-Freundeskreis

„Ein wundervoll kräftigender Strom durchfloß meinen Körper, der ein nie gekanntes Glücksgefühl vermittelt, begleitet von einem angenehmen Kribbeln“

Das sind für den Arzt Matthias Kamp, Leiter der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgruppe im Bruno Gröning-Freundeskreis, die spürbaren Auswirkungen des Heilsstroms, der von dem bereits 1959 verstorbenen Bruno Gröning ausgehen soll.

Wer war Bruno Gröning?
Er wurde 1906 in Danzig geboren. Bis zum Jahre 1948 verlief sein Leben unauffällig. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Fabrik- und Gelegenheitsarbeiter. Im März 1948 begann seine umstrittene Heilertätigkeit in Dillenburg und Herford. Die Kunde von Wunderheilungen verbreitete sich wie ein Lauffeuer und Tausende von Kranken suchten seine Nähe. Bereits im Mai 1949 wurde Gröning von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen ein Heilverbot auferlegt. Er versuchte, in anderen Bundesländern seine umstrittene Heilertätigkeit fortzusetzen, geriet aber auch dort immer wieder in Konflikte mit den Behörden.

In einem zeitgenössischen Bericht wird über einen Auftritt berichtet: „Wer von Ihnen spürt Schmerzen?“ ruft Gröning vom Balkon herunter. Mehr als tausend Arme recken sich zitternd in die Höhe. Sinnend blickt Gröning in die Menge hinein, dann fragt er wieder: „Wer von ihnen spürt jetzt noch Schmerzen?“ Keine fünfzig Arme bleiben oben. „Ich stelle fest, daß die meisten von Ihnen weniger Schmerzen haben als zuvor. Bitte, gehen Sie nun alle nach Hause, denn jeder wird gesund werden, der an Gott und an mich glaubt!“ (EZW Materialdienst 1956 /S.159). Immer wieder kommt es nach diesen Auftritten zu Auseinandersetzungen mit den Gesundheits- und Finanzbehörden , in die Gröning und seine Mitarbeiter verwickelt sind. Im Zusammenhang der Untersuchungen wird Prof. Dr. Alexander Mitscherlich vom Heidelberger Psychosomatischen Institut um ein Gutachten gebeten: „Er stellt fest, Gröning sei als Heilpraktiker nicht geeignet. Er sei triebhaft, haltlos ohne jede Selbstkontrolle, eine seelisch abartige Persönlichkeit von großer Stimmungslabilität und krankhaftem Geltungsbedürfnis und stelle ein psychopathologisches Phänomen dar“ (EZW-Materialdienst 1956/S.171).

Es kommt 1954 zu einem Prozeß wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz und Körperverletzung mit dem Ergebnis, dass Gröning ein bundesweites Auftrittsverbot erhält und ihm jede weitere Heilertätigkeit untersagt wird. Vom Vorwurf der Körperverletzung wird er freigesprochen. Gröning betätigt sich nun als Heilpraktikergehilfe und erfindet die sogenannten „Gröning-Kugeln“: Dies sind Stanniolpapierkugeln, die wie eine Art Akkumulator Grönings Kraft übertragen sollen. 1958 wird Gröning erneut wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz angeklagt und zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 5000,-DM verurteilt. 1959 stirbt Gröning in Paris an Krebs und wird in Dillenburg beigesetzt. Später bilden sich Freundeskreise, die von Grete Häusler, einer frühen Anhängerin Bruno Grönings, betreut werden. Heute soll es ca. 400 Gemeinschaften und ca. 30.000 Bruno-Gröning-Freunde in aller Welt geben.

Heilungsverständnis und Heilungspraxis
Krankheiten sind nach Auffassung Bruno Grönings das Werk des Teufels. Persönliche Probleme von Menschen sind allein darauf zurückzuführen, dass der Mensch nicht in der „Göttlichen Ordnung“ lebt. Deshalb gibt es, wenn die „Göttliche Ordnung“ wiederhergestellt ist, angeblich kein „unheilbar“. Bruno Gröning und seine Freunde sind der Ansicht: „Durch die von Gott ausgehende geistige Kraft kann der Mensch gesund, kraftvoll und glücklich werden, so er sie in sich aufzunehmen weiß“ (Grete Häusler Verlag, Nachf. Verlagsprospekt).

Auf Esoterik-Messen wird heutzutage eine einfache Technik vorgestellt, mit der man sich auf den Heilstrom aus dem Kosmos, der über Bruno Gröning fließen soll, einstellen kann. Es sind Übungen, die an Praktiken des autogenen Trainings erinnern, mit denen bekanntlich durch Selbstsuggestion Gefühle wie Wärme, Schwere oder Kribbeln hervorgerufen werden können. Von Gröning-Anhängern werden diese Gefühle als Heilstrom Bruno Grönings gedeutet.

Kritik und Gefahren
Die Bruno-Gröning-Freundeskreise propagieren in ihrer Werbung „Es gibt kein unheilbar“ oder „Jeder wird sein eigener Arzt. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!“ Doch Kranksein gehört zur Geschöpflichkeit des Menschen und Gesundheit ist nicht durch „Einstellungsübungen auf die göttliche Kraft“ zu erreichen. Durch die Werbung und Heilungspraxis der Freunde Bruno Grönings besteht vor allem für ernsthaft Erkrankte die Gefahr, dass notwendige Arztbesuche hinausgezögert oder sogar unterlassen werden und man sich dafür einer fragwürdigen Geistheilung anvertraut. Außerdem ist in den Freundesgruppen ein Personenkult um die Gestalt des toten Bruno Grönings zu beobachten. Dieser Kult, die täglichen Einstellungsübungen auf den Heilstrom, das Verwenden des Fotos von Bruno Gröning als Heiligen – Ikone und die gottesdienstähnlichen Feiern fördern das Entstehen von Abhängigkeiten und daß Menschen kritiklos hinnehmen, was Bruno Gröning angeblich aus einer „jenseitigen Welt“ übermittelt.

Betroffene sprechen aufgrund des Totalanspruchs eines vorgeblich aus dem Jenseits agierenden Bruno Grönings von einem Weg in die Irre, von Trostlosigkeit, wenn keine Heilung eintritt und von fortschreitender gesellschaftlicher Isolation.

 

05.10.2005



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