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„Ein König aus einer anderen Galaxie“(1)?

Zur Gruppe um Shalim Steed Dölger

Von Andrew Schäfer

0. Vorbemerkung

Unsere sich immer weiter ausdifferenzierende Religionskultur bringt ständig neue religiöse und religionsähnliche Erscheinungen hervor. In dieser Vielfalt wird die Orientierung selbst für die, die (noch) über religiöses Unterscheidungswissen verfügen, immer komplizierter. In diesen Kontext, genauer in den Bereich der so genannten Gebrauchsesoterik und esoterischer Lebenshilfe gehört auch Shalim Steed Dölger und die Gruppe um ihn.

Shalim Steed Dölger will sich selbst und seine "Akademie für Feng Shui und Visionäre Führung" in Troisdorf nicht als feste Gruppe mit einheitlicher Lehrbildung und ihm an der Spitze sehen (so am 22.02.2007 im Gespräch mit dem Verfasser), sondern eher als Plattform unabhängiger und selbständiger Unternehmer, die jeweils ihre Produkte vermarkten. In ökonomischer und formaler Hinsicht mag dies zutreffen und soll hier nicht bestritten werden. Gleichwohl ist gegen Dölgers Darstellung vor dem Hintergrund der vorhandenen Quellenlage (siehe unten) von einer einheitlichen inhaltlichen Ausrichtung einerseits und von einer besonders hervorgehobenen, ja geradezu verehrungsähnlichen Rolle Shalim Steed Dölgers andererseits auszugehen. Dölger konnte hier im Gespräch nicht überzeugen.

Zur Beschreibung und Einordnung der Akademie für Feng Shui und Visionäre Führung, bzw. der Gruppe um Shalim Steed Dölger konnte ich auf folgende Quellen zurückgreifen:

1. Zahlreiche Literatur aus dem Internet, die sich auf Herrn Dölger und die Gruppe um ihn bezieht, z.B. Texte einzelner Anbieter, die von ihm initiiert wurden, die nach den von ihm konzipierten Seminaren arbeiten usw.

2. Prospekte und Broschüren von der Akademie, dem Shanti Bhavan Center, bzw. aus Shanti Ritabha und von diversen Schülern Herrn Dölgers, die in diesem Umfeld aktiv sind.

3. Verschiedene Bücher, die von der Gruppe um Herrn Dölger, bzw. von ihm selbst verantwortet werden (z.B. Steed Dölger, Liebe – Die wahre Psychotherapie, Sankt Augustin 1993; Steed Dölger, Liebe – Die Bestimmung des Menschen, 2., überarbeitete Auflage, Sankt Augustin 2004; In der Herrschaft des Heiligen Geistes – Informationsschrift zum Schülerhandbuch, ohne Ort und Jahr, u.a.m.
Der Inhalt der zuletzt genannten Schrift ist identisch mit dem Schülerhandbuch. Dieses Buch ist im Handel nicht zu erwerben.).

4. Eine Reihe von Gesprächen mit ehemaligen Mitgliedern der Gruppe um Herrn Dölger und mit Menschen, die Angebote Herrn Dölgers und anderer aus der Gruppe um ihn in Anspruch nahmen und die zum Teil lange Zeit in der Gruppe waren. Diese Gespräche gehen bis ins Jahr 2002 zurück.

5. Ein ausführliches Gespräch mit Shalim Steed Dölger, Frau Dr. Ansorge von der "Akademie für Feng Shui und Visionäre Führung" und einer weiteren Person, das am 22. Februar 2007 stattfand.

6. Darüber hinaus gab es im Zuge meiner intensiven Beschäftigung mit dem umstrittenen esoterischen Religionsunternehmer Frank Agni Eickermann und der Gruppe um ihn eine Reihe von Hinweisen auf intensive inhaltliche und äußere Wechselbeziehungen bis hin zu einer persönlichen Freundschaft zwischen Shalim und Agni, was von Herrn Dölger uns gegenüber auch bestätigt wurde.

Die kirchliche Weltanschauungsarbeit, aus deren Perspektive diese Stellungnahme verfasst ist, hat eine doppelte Aufgabe zu erfüllen:

(1) Zum einen geht es um das einer Gruppe oder Gemeinschaft eigene, also für sie kennzeichnende, menschliche und soziale Konfliktpotential. Welche und wie viele Konflikte gibt es innerhalb einer Gruppe (Innenverhältnis), in ihrem unmittelbaren Umfeld (Familien, Partnerschaften, Ehen, Aussteiger etc.), bzw. im Außenverhältnis wie im Umgang mit den Medien oder anderen religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften, Organisationen und Kirchen? Auf der Grundlage dieser Beurteilung werden Betroffenen Orientierung, Seelsorge und Beratung angeboten.

(2) Zum anderen geht es um die Frage der Vereinbarkeit von ausdrücklichen oder impliziten weltanschaulichen und / oder religiösen Annahmen mit dem Bekenntnis des christlichen Glaubens, wie es in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) gelebt wird und gilt.
Dabei ist es durchaus möglich, dass eine Gemeinschaft, in deren Umfeld keine spezifischen Konflikte zu beobachten sind, zugleich eine Lehre oder Lehrfragmente vertritt, die nicht vereinbar sind mit der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel, in der die EKiR steht.

1. Zur Frage eines sozialen Konfliktpotentials

Im Folgenden geht es zunächst um die Einschätzung des Konfliktpotentials der Gruppe um Shalim Steed Dölger. In diesen Abschnitt wurden auch Beobachtungen mit einbezogen, die erste Aufschlüsse über die Struktur der Gruppe geben.

Was das Konfliktpotential der Gruppe um Herrn Dölger angeht, unterscheidet sie sich zunächst auffallend von der um Frank Agni Eickermann. Zur Gruppe um Agni Eickermann gibt es in unserer Beratungsstelle, aber auch sonst im deutschen Sprachraum, nahezu wöchentlich neue Anfragen, die auf ein erhebliches Konfliktpotential hinweisen. Inzwischen kam es u.a. zu einer Reihe von familienrechtlichen Auseinandersetzungen, deren Schwerpunkte im Sorge- und Umgangsrecht lagen. Im Umfeld von Herrn Dölger ist dies nicht in gleicher Weise der Fall. Obwohl beide Gruppen nicht nur über ihre Führungspersonen eng miteinander verbunden sind, sondern auch auf der Ebene ihrer Lehren nahezu identisch sind (das Schülerhandbuch Dölgers scheint größtenteils wörtlich bei Eickermann abgeschrieben worden zu sein), fehlen vergleichbare konfliktbelastete Berichte weitgehend.

Dieser Befund entspricht tendenziell dem Tenor einer Umfrage, die unter Angehörigen von Dölger-Schülern von der Gruppe selbst durchgeführt wurde. Sie sollte den Nachweis erbringen, dass Herr Dölger und die Akademie durch ihre Tätigkeiten niemandem geschadet hätten. Auch wenn die Umfrage durch ihre tendenziöse Fragestellung und die subjektive Auswertung, die uns bei unserem Gespräch mit Herrn Dölger bekannt wurden, wissenschaftlich üblichen Standards nicht entspricht, bestätigt ihre positive Tendenz die Beratungserfahrungen. Der Konflikt einer einzelnen Familie im Umfeld der Gruppe, der von beiden Seiten mit erheblicher Aggressivität und einigem Aufwand geschürt wurde, ist insgesamt nicht repräsentativ und wurde vom Verfasser zu keinem Zeitpunkt als maßgeblich für die Beurteilung der Dölger-Gruppe angesehen.

Allerdings muss erwähnt werden, dass es auch eine Reihe von Kontakten zu Menschen gab und gibt, die Herrn Dölger als autoritär und absolut bestimmend beschreiben und von "Gehirnwäsche", "Manipulation" und "Abhängigkeiten" von und innerhalb der Gruppe sprachen. Diese Schilderungen stammten von Personen, die sich untereinander nicht kannten. Ihre Aussagen wurden insgesamt über einen längeren Zeitraum gemacht und waren glaubhaft. Auf Vorhalt wurden konkrete Vorwürfe, die in diesen Berichten gemacht worden waren, von Herrn Dölger und Frau Dr. Ansorge allerdings zurückgewiesen. Umgekehrt wurde uns von Herrn Dölger berichtet, dass er aufgrund der Berichterstattung über seine Organisation in der Lokalpresse persönlichen Diffamierungen, bis hin zu Drohungen ausgesetzt sei, die meist mit dem Vorwurf begründet würden, es handle sich bei ihm und seinem Schülerkreis um eine Sekte.

Der Gesprächskontakt mit Herrn Dölger und Frau Dr. Ansorge ergab ebenfalls Hinweise auf eine dominante, bestimmende Rolle Herrn Dölgers in der Gruppe und Akademie. Frau Dr. Ansorge spielte nach Beginn unseres Gespräches praktisch keine Rolle mehr. Nur und erst auf Nachfrage durch uns kam sie noch zweimal zu Wort, wobei sie dabei noch einmal von Herrn Dölger unterbrochen wurde, der das Gespräch wieder an sich zog. Sie ließ sich das ohne Weiteres gefallen. Herr Dölger selbst erklärte, dass er tatsächlich sehr dominant sei und ihn Diskussionen nicht interessierten. Er räumte ein, dass Schüler immer wieder von ihm ein persönliches Photo erbitten würden, weil sie sich freuten ihn zu sehen und fügte hinzu, dass er aber nicht dafür verantwortlich sei, was seine Schüler damit machten. Einen Personenkult würde er nicht fordern.

Berichte von ehemaligen Angehörigen der Gruppe sprechen davon, dass Herrn Dölgers Bild neben den Bildern von Sathya Sai Baba, Babaji und Christus auf dem häuslichen Meditationsaltar vieler Gruppenmitglieder zu finden sei, und dass es selbstverständlich ein besonderes religiös-spirituelles Verehrungsverhältnis zu Herrn Dölger gebe.

Ich fragte Herrn Dölger, ob es zuträfe, dass bei den regelmäßigen Stammtischtreffen der Gruppe die Plätze rechts und links neben ihm tatsächlich für Sai Baba und Babaji oder Christus frei bleiben müssten. Herr Dölger bestritt dies und erklärte, dass diese Plätze für zwei amerikanische Freunde frei gehalten würden, die nur gelegentlich vorbei kämen und über deren Besuch er sich so freue, dass er ihnen stets zwei Plätze frei halte. Außerdem habe er Probleme, seine Beine auszustrecken und müsse deshalb so sitzen.
Eine Ratsuchende hatte berichtet, dass sie aggressiv angeherrscht worden sei, weil sie sich über die freien Plätze neben Herrn Dölger gebeugt hatte, um ihm etwas zu sagen. Ein anderer Ratsuchender berichtete mir, dass er von einem Mitglied der Gruppe anlässlich eines Stammtischtreffens gefragt worden sei, wie er es denn aushalte, neben Herrn Dölger zu sitzen, da doch eine ungeheure Energie von diesem ausgehe.

In Bezug auf ein mögliches Verehrungsverhältnis gegenüber Steed Dölger ist interessant, dass die Vergabe spiritueller Namen mit einem so genannten Reading (ein Text von meist wenigen Seiten) verbunden ist. Dieser Text erklärt einmal die mit dem neuen kosmischen oder spirituellen Namen für dieses irdische Leben verbundene Aufgabe, und er beschreibt die Bedeutung Shalim Steed Dölgers und die Beziehung zu ihm. So heißt es in einem solchen Reading:
"N.n. war in Verbindung von Atlantis in STEEDs Königreich dafür zuständig ...", bzw. "Unter STEED findet sie den nötigen Schutz, um ihr zartes Innerstes zu entfalten; den Schutz und das behütete Dasein, um ihre zarten Welten wieder zum Scheinen zu bringen."

Die hervorgehobene, hierarchische Position Herrn Dölgers im mythischen Reich Atlantis in einer angeblichen früheren Inkarnation wird hier deutlich. Sie korrespondiert durchweg mit den Berichten Ehemaliger und mit unseren eigenen Eindrücken. Die herausgehobene Bedeutung Herrn Dölgers wird nicht nur in der allgemeinen Literatur der Gruppe behauptet, sondern, wie hier zu sehen war, auch dort, wo die Lehre individualisiert auf das jeweilige Leben der Gruppenmitglieder angewandt wird.

Zusammenfassend lässt sich in Bezug auf spezifische Konflikte im Umfeld der Dölger-Gruppe feststellen, dass es bisher keine Besorgnis erregenden Vorfälle gab, dass die Gruppe allerdings zugleich Strukturen ausgebildet zu haben scheint, die ein latentes Konfliktpotential darstellen, das sich bei entsprechender Entwicklung der Gruppendynamik noch entfalten könnte.

2. Zum weltanschaulichen Hintergrund
2.1 Theosophie

Die Gruppe um Shalim Steed Dölger knüpft an bekannte Themen der Theosophie des 19. und 20. Jahrhunderts an. Die Theosophie stand und steht im Rahmen der Esoterik-Bewegung oder, anders ausgedrückt, des neuzeitlichen Esoterizismus. Zu dieser Bewegung gehören auch Spiritismus und Rosenkreuzertum sowie die Anthroposophie, die eine direkte Nachfolgerin der Theosophie darstellt.
Werden z.B. die Anthroposophie oder die Rosenkreuzer-Gemeinschaften zur so genannten Systemesoterik gezählt, die z.T. sehr anspruchsvolle und komplizierte Dogmatiken entwickelt haben, so ist die Gruppe um Shalim Steed Dölger eher zur so genannten Gebrauchsesoterik zu zählen, deren schriftliche Äußerungen nicht das gleiche Niveau erreichen.

Erwartungsgemäß erreichen die Darstellungen der esoterischen Themen im Umfeld des Herrn Dölger bei weitem nicht das Reflexionsniveau theosophischer oder esoterischer Entwürfe (Theosophische Gesellschaft, Anthroposophische Gesellschaft, Lectorium Rosicrucianum und andere). Die Inhalte entsprechen sich jedoch (vgl. zum Beispiel Steed Dölger: Liebe – Die Bestimmung des Menschen, St. Augustin, zweite überarbeitete Auflage 2004).

2.2 Neohinduismus

Darüber hinaus wirken bei Steed Dölger Einflüsse des so genannten Neohinduismus nach, wie sie z.B. auch kennzeichnend für die indischen Gurus Sathya Sai Baba und Babaji sind. Die Anhängerschaft dieser indischen Lehrer rekrutierte und rekrutiert sich zum erheblichen Teil im Westen, Lehre und Praxis sind an deren Erwartungen angepasst. Beide Gurus werden zusammen mit Jesus Christus im Dölger-Umfeld verehrt.
Den Eingangsbereich der Akademie in Niederkassel ziert konsequenterweise das Sarvadharma-Symbol der Sai-Baba-Religion, das sich daneben auf dem Titelphoto und auf Seite 82 in Dölgers Buch "Liebe – Die Bestimmung des Menschen" findet. Es weist auf die neohinduistische Tradition hin, in der die Gruppe u.a. steht. Der Anschluss an diese Traditionen ist typisch für gegenwärtige Angebote der Esoterik.

2.3 Monistische Kosmologie

In der Theosophie, im Neohinduismus und der von beiden stark bestimmten Esoterik wird davon ausgegangen, dass der Mensch ein Teil des ewigen, monistisch vorgestellten, göttlichen Kosmos sei. Dabei wird die Welt theosophisch-metaphysisch als Teil Gottes verstanden. Eine letzte Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf, bzw. Schöpfung wie in Christen- und Judentum gibt es hier nicht. Die Welt ist aus dieser Sicht nicht frei hervorgebrachtes Werk Gottes, sondern eines Wesens mit ihm.  Sie gilt als emanative (2)  Selbstäußerung des Göttlichen, bzw. wird als eine Art raumzeitlicher Selbstverwirklichung des Absoluten verstanden. Im Unterschied dazu wird in der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel die Welt als Schöpfung des einen Gottes gesehen. Ihre geschöpfliche Andersheit im Gegenüber zu Gott macht ihr Wesen aus. Ihr Wesen als Schöpfung Gottes wird aber in der Theosophie gerade eingeebnet und der fundamentale Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf verwischt.

"Du bist eins mit Allem. Du bist Eins mit Gott." (Dölger, Liebe – Die Bestimmung des Menschen, S.31)

Durch das neuzeitlich-naturwissenschaftlich-skeptische Denken sei, so Dölger, die ursprüngliche Einheit (Ganzheit) von Mensch und Kosmos, letztlich von Mensch und Göttlichem, verloren gegangen.

"Dann ging der Mensch aus dem Eins-Sein kommend, den Weg in die Dualität."
 
"Dies ist der Irrtum, der es ihm ermöglicht, sich im Dunkeln zu trennen von Allem, was da ist im Licht."

"Er (der Mensch; Vf.) identifiziert sich nicht mehr mit seinem Göttlichsein." (alle Zitate aus Dölger, a.a.O., S. 23-26)

Jetzt gehe es um die Rückkehr zur grundlegenden harmonischen Alleinheit und Allverbundenheit, die sich durch entsprechende Energiearbeit beschleunigen lasse.

"Erinnere Dich, als Wesen der Liebe, dass Du ein Transformator ins Licht bist. Wandle grobe Energien in lichtere um. Wandle grobe Materie in Licht um."

"Du bist der Schöpfer Deines Selbst. ... Glaube wieder an Deine Göttlichkeit."

"... reinige Dich von den Spuren, die Deine Verstrickungen mit der Materie hinterlassen haben in Dir, bevor Du zurück gehst."

"Durch das Licht und die Liebe überwindest Du das Rad der Wiedergeburt in Dir." (alle Zitate Dölger, a.a.O., S.28-32)

Um Energiearbeit geht es auch im Seminar "Licht-Arbeit" 1. Wochenende, das zugleich die enge Verschränkung von Praxis und esoterischem Weltbild zeigt. Das Seminar gehört in einen Zyklus Licht-Arbeit, der darauf zielt, dass...

"die Chakren und Energiekörper der Teilnehmer gereinigt und harmonisiert (werden).  In dem Initiationsteil werden geeigneten Kandidaten Energiekanäle geöffnet, damit sie Heilenergien durch die Hände fließen lassen können und so zum Lichtarbeiter werden. Die initiierte Heilenergie steht in der Tradition der Heiligen Dreifaltigkeit (3) unter dem Schutz des Lichts von Shambhala (4). Dieser Seminarzyklus ist von der geistigen Hierarchie freigegeben worden...
Für die Teilnahme an diesem Seminarzyklus ist eine entsprechende Vorbildung erforderlich. Sinnvoll zur Vorbereitung auf diesen Seminarzyklus ist es für die Teilnehmer, eine oder mehrere Licht-Arbeit Einzelsitzungen zur Ausrichtung und Stabilisierung des eigenen Lichtes besucht zu haben...
Der Seminarzyklus dauert insgesamt 4 Tage und ist in zwei Blöcke aufgeteilt, zwischen denen 6 zusätzliche Übungsabende stattfinden:
1. Einführungswochenende
2. Abendveranstaltungen, 6 x
3. Initiationswochenende..."
(www.spirituelles-coaching.de/docs/licht-arbeit.html; vom 05.05.2004)"

2.4 Reinkarnationsvorstellung

In diesen esoterischen Konzepten spielt die bereits in einigen Textstellen angeklungene Reinkarnationsvorstellung eine wichtige Rolle. Sie gehört in den Zusammenhang der Anthropo- und Kosmogonie, das heißt der Vorstellungen, die sich auf (mythische) Erklärungen der Entstehung von Welt und Mensch beziehen:

"Das Seminar (gemeint ist nach Auskunft von Ehemaligen der für die Feng Shui-Ausbildung konstitutive "Lichtweg nach Steed Dölger"; auch hier wird die enge Verbindung von Praxis und esoterischem Weltbild deutlich; Vf.) beginnt mit einer feierlichen Eröffnungszeremonie zur Öffnung des Herzchakras der Teilnehmer, dem Sitz der absoluten Wahrheit und Liebe, damit die "Schleier über dem Herzen" verschwinden und die Erinnerung an das eigene "Licht im Herzen" zurückkehrt. Alte Verhaltensmuster und Traumata vergangener Zeiten (gemeint sind hier auch solche aus vorhergehenden Leben; Vf.), die ihnen nicht mehr entsprechen, können sich ... auflösen ... Durch das Licht von Shambhala kommen sie wieder bewusst in Kontakt mit ihrer Sternenherkunft und ihren Beweggründen, warum sie sich als Seelenwesen entschieden haben, in die Zyklen der Erde einzutreten. Es werden dabei alle Weltenzyklen (5) durchlaufen. Sie erkennen Ihr Sternenlicht und erinnern sich an ihre Sternenheimat. ...
Weiter nehmen die Teilnehmer Kontakt auf mit Atlantis. Sie erinnern sich an jene Zeit, in der die Seelenfamilien noch um ihre meisterlichen Führer versammelt waren, und die "Einheit des Lichts" erleben konnten. Dies wiederum ruft bei ihnen die Erinnerung wach an die eigenen Seelenfamilie. Nach dem Untergang von Atlantis zogen sich alle geistigen Welten zurück und die Entwicklung der Erde tauchte in Dunkelheit. ...
... kommen die Teilnehmer auch in Kontakt mit diesen atlantischen Erschütterungen. Sie erinnern sich, wie es dazu kam und warum sie aus der Einheit heraus ins Vergessen eintauchten. ... Das Seminar weckt wieder diese Erinnerungen und die Teilnehmer erfahren wie es ist, in Einklang zu leben und es wird ihnen bewusst, dass sie dies schon gelebt haben." (Schreibfehler sind nicht korrigiert worden; alle Zitate aus Dr. Gabriele Ansorge, Das Seminar Der Lichtweg – nach Steed Dölger Teil 2, in: Haus des Erkennens 04/2003, S. 33f.)

Im Lauf unseres Gesprächs in Niederkassel versuchte Herr Dölger uns zu erklären, dass die Reinkarnationsvorstellung gut christlich sei und lediglich nachträglich auf Synoden der alten Kirche aus der Bibel entfernt worden sei. Ich widersprach dem und erklärte, dass die Reinkarnationsvorstellung weder historisch noch systematisch ins Denken der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel passe. Der Gedanke einer biblischen Reinkarnationsvorstellung ist falsch, wird aber in esoterischen Kontexten regelmäßig verbreitet.

Eine Aussteigerin erklärte, dass es im Lichtweg-Seminar praktisch und inhaltlich darum gehe, auf den Ebenen verschiedener vorheriger Existenzen und Inkarnationen zu meditieren und diese durchzuarbeiten. Hierbei sei neben dem mythischen Kontinent Lemurien Atlantis "ein großes Thema" gewesen. Alle Schüler Dölgers seien aus Atlantis gekommen und wären schon zu atlantischen Zeiten mit Herrn Dölger in Kontakt gewesen. (6) Die Teilnehmer erinnerten sich teilweise auch an Ihre früheren Aufgaben in Atlantis. Ein Teil des Lichtweg-Seminars sei die Heilung von körperlichen Leiden und alten Verletzungen gewesen, wobei – so berichtet diese Ehemalige - es auch immer wieder vorkam, dass es Teilnehmern sehr schlecht gegangen sei. Es sei dann gesagt worden, dies sei auf die starke Heilungsenergie zurück zu führen.

2.5 Jesus Christus

Es wurde bereits angeführt, dass auch Jesus Christus in diesem Konzept eine gewisse Rolle einnimmt. Allerdings wird er hier – typisch für die gegenwärtige esoterische Christus-Deutung – als eine Art kosmischer Christus verstanden, letztlich als Inkarnation kosmischer Herrscher oder Kräfte. Diese Christusvorstellung wird integriert in ein mit dem esoterischen Evolutionsdenken synthetisiertes Avatara-Modell (7). Christus wird kosmischen Entwicklungszyklen ein- und untergeordnet, die zum Teil nur der Esoterik bekannt sind. Faktisch ist diese Figur völlig losgelöst vom irdischen Jesus von Nazareth. Das Geschöpflich-Irdische wird gegenüber einem geistigen Prinzip dualistisch abgewertet:

"Dein Geist herrscht über die Materie." "... reinige Dich von den Spuren, die Deine Verstrickungen mit der Materie hinterlassen haben in Dir, bevor Du zurückgehst." (Dölger, a.a.O., S. 32)

Christus geht uns auf diesem "Lichtweg" nur voran, wir sollen und können es ihm gleichtun (Apotheose des Menschen, das heißt eine Vergöttlichung des Menschen):

"Du hast diese Fähigkeit von Jesus Christus in Dir, die körperliche Auferstehung. Jesus Christus, Meister des Lichts, war so voller Licht, dass er aus der Raum-Zeit-Dimension der Erde mit seinem Körper einging in die Himmel. Nichts anderes hast Du zu leisten. Nichts anderes hast Du zu tun. Durch sein Beispiel lautet die Botschaft der Liebe: Mensch, überwinde Deine Begrenzungen. Mensch, überwinde Deine Sterblichkeit. Du bist ein Kind des Lichts, und alle Energien des Lichts stehen Dir zu Verfügung. Du kannst Deinen Körper umwandeln in reines Licht und dadurch körperlich eingehen in das Reich Gottes. ... Du vollziehst jetzt Deine Göttlichkeit." (Dölger, a.a.O., S.33f.) 

Die Vorstellung eines kosmischen Christus, wie sie  sich in Esoterik und Theosophie entwickelt hat und wie sie bei Dölger weiter wirkt, "ist eine im Horizont neuplatonischer Emanationslogik angesiedelte Logos-Theorie, die kosmisch-pantheistisch schillert und erst sekundär mit dem Hoheitstitel der christlichen Tradition verknüpft" (Hans Werner Thiede, Wer ist der kosmische Christus, Göttingen 2001, S. 302) wurde.

Jesus von Nazareth, der von uns als der Christus bekannt wird, wird in seiner Bedeutung relativiert und zum "Avatar" einer Epoche herabgestuft. Dadurch werden schließlich  Jesus von  Nazareth, der Gekreuzigte und Christus, der Auferstandene, als zwei verschiedene Wesenheiten auseinander gerissen und getrennt. Dieser kosmische Christus wird kosmischen Entwicklungszyklen ein- und untergeordnet und der"Göttlichen Gesetzmäßigkeit" unterworfen. Dabei wird Christus u.a. auch durch das inklusivistische (8) Religionsverständnis, das wir bei Dölger im Anschluss an Sai Baba und neohinduistische Traditionen finden, relativiert. Eine theologische Anschlussfähigkeit an eine Christologie, die in der EKiR akzeptabel wäre, ist hier nicht möglich.

2.6 Feng Shui

Die esoterische Weltdeutung steht auch hinter dem Verständnis des energetischen Feng Shui nach Steed Dölger. Herr Dölger gab uns gegenüber zwar an, dass es ein "Feng Shui nach Dölger" nicht gebe, dies wird aber von Ehemaligen der Gruppe bestritten. Eine Person erklärte sogar ausdrücklich, dass einer von mehreren Gründen, die Dölger-Gruppe zu verlassen, das spezifische Verständnis von Feng Shui in dieser Gruppe gewesen sei: "Die Inhalte dieser Ausbildung basierten jedoch auf allen Ebenen auf dem Licht von Steed Dölger und unterschieden sich dadurch in jeder Weise von dem normalerweise üblichen Feng Shui." Die Person hat ihre Feng Shui-Ausbildung später bei einem anderen Anbieter nachgeholt. Feng Shui ist hier eben nicht einfach nur alte chinesische Geomantik und Einrichtungsphilosophie, sondern auch eine weltanschaulich aufgeladene Methode, bzw. in diesem Zusammenhang eine in einen größeren Heilszusammenhang eingeordnete Methode:

"Nach diesem Seminar ist nichts mehr so, wie es vorher war, denn der eigene Lichtweg ist geklärt und es ist gewiss, wohin er führt. Dadurch erhält jeder Teilnehmer seine Orientierung. Diese hilft, den Alltag in Frieden zu leben, das Bewusstsein, von der Göttlichen Allmacht getragen zu sein, erwacht. Dieses Seminar steht unter der Führung der Geistigen Hierarchie von Shambhala, die Steed Dölger gesandt hat, um Ihre Rückkehr auf die erde vorzubereiten. Seine Schülerin – Dr. Gabriele Ansorge – leitet dieses Seminar in dem Bewusstsein dieser heiligen Tradition." (Dr. Gabriele Ansorge, Der Lichtweg – nach Steed Dölger, in: Haus des Erlebens 02/2003, S. 18)

"Der Mensch stellt als Lichtwesen ein System aus materiellen
Körpern, Chakren und Lichtkörpern dar, in denen alle Erfahrungen, die
dieses Wesen gesammelt hat, auch in früheren Inkarnationen,
gespeichert sind. Somit stellt er gemäß seinem Bewusstseinszustand
ein abstrahlendes Energiefeld dar, und geht darüber mit anderen
Menschen und seiner Umgebung in Wechselbeziehung. ... Diese
Systeme gehorchen bestimmten Gesetzmäßigkeiten von Rangfolgen,
Geben und Nehmen und Bindungen. Diese Bindungen können über
viele Inkarnationen bestehen. Nicht nur aus der Arbeit des
Familienstellens zeigen zwischen Menschen Verstrickungen, sondern
auch auf der karmischen Ebene. Selbst Bindungen und Beziehungen zu Orten können das jetzige Leben beeinflussen."

"Die spirituelle Systemarbeit leite ich aus meinen Erfahrungen als Leiterin von Familien- und Organisationsstellen und aus der Theorie und Praxis des Spirituellen Feng Shui ab." (beide Zitate aus: Dr. Gabriele Ansorge, Spirituelle Systemarbeit; in: Welt der Esoterik 02/2004, S. 35)

2.7 Familienaufstellungen

Nur am Rande sei erwähnt, dass das hier von Frau Dr. Ansorge angesprochene spirituelle Familien- und Organisationsstellen, das auf den umstrittenen Bert Hellinger  zurückgeht, sowohl in psychologischer als auch weltanschaulicher Hinsicht als unseriös bzw. fragwürdig eingeschätzt wird. Alle großen systemischen Therapieverbände in Deutschland haben sich von ihm und seiner Methode abgegrenzt. Das im Dezember letzten Jahres erschienene neue Handbuch der Religiösen Gemeinschaften und Weltanschauungen, das von der Kirchenleitung der VELKD (Vereinigte Evangelische Lutherische Kirchen Deutschlands) herausgegeben wird, betont zusätzlich auch noch die weltanschauliche Unvereinbarkeit dieser Methode, die "zum christlichen Glauben und Leben in grundsätzlichem Widerspruch" (Seite 995) stehe. Eine weitere Auseinandersetzung mit dieser zurecht umstrittenen Methode kann hier nicht geführt werden.

2.8 Lehrer-Schüler-Verhältnis

Im Schülerhandbuch "In der Herrschaft des Heiligen Geistes" finden sich eindeutige Aussagen, die das Lehrer-Schüler-Verhältnis in der Gruppe um Herrn Dölger (fachlich gesprochen) als eine hierarchische Beziehung mit soteriologischer (d.h. heilsrelevanter) Qualität bestimmen. Herr Dölger ist danach für seine Anhängerschaft eine Gestalt, die Zugang zum Absoluten schafft und ihnen Heil vermittelt.

Uns gegenüber  versuchte Herr Dölger dieses Schülerhandbuch als bloße "Infoschrift" abzutun, deren Verwertung gänzlich ins Belieben der Schüler gestellt sei. Es gebe keinerlei Personenkult um ihn, die Gruppe um ihn habe einen rein freundschaftlich-partnerschaftlichen Charakter.

Gegen diese Selbsteinschätzung Herrn Dölgers sprechen allerdings Berichte ehemaliger Mitglieder der Gruppe um ihn. So berichtete eine Person von der "Einweihung durch Steed Dölger" und der Vergabe der kosmischen Namen, wodurch eine Person Schüler von Herrn Dölger werden könne: Dies geschehe im Haus von Herrn Dölger, im "Allerheiligsten". Er selbst sei in einem weißen, priesterähnlichen Gewand aufgetreten und habe die Einweihung vollzogen, bei der dem Einzuweihenden ein Meditations-Mantra mitgeteilt werde. Die Ermittlung der "kosmischen Namen" erfolgte durch eine medial begabte Person. Sie empfängt die Namen aus der so genannten Akasha-Chronik (9) und gibt sie an Herrn Dölger weiter. "Der kosmische Name birgt die Schwingungen des Wesens der Person".

Darüber hinaus beschreibt die Ehemalige Herrn Dölger "als absolut bestimmend und autoritär", "sein Wort ist Gesetz". Er treffe Entscheidungen in persönlichen und beruflichen Fragen seiner Schüler.

Es sei auch vorgekommen, dass Herr Dölger einzelne Teilnehmer des wöchentlich stattfindenden Stammtisches verbal aggressiv angegriffen und beschimpft habe, dies galt jedoch als besondere Ehre. Jeder gute Schüler habe zu Hause ein Bild von Herrn Dölger und meditiere regelmäßig vor diesem Bild. "Herr Dölger wird von seinen Schülern angebetet". Er wird unter anderem als "Sternenbuddha" verstanden. Die Bilder von Herrn Dölger und auch ein Bild, das seine Aura als Sternenbuddha darstelle, werden im Laden des Niederkasseler Seminarhauses zum Kauf angeboten.

Die Person berichtete weiter, von Herrn Dölger und anderen sei außerdem damit gedroht worden, Aussteiger von der Energie Herrn Dölgers abzuschneiden. Sie würden dann zwangsläufig in ihrem Leben scheitern. Das Selbstverständnis der Gruppe sei elitär. Wer zu dieser Gruppe gehöre, dem könne angeblich bei allen zukünftigen Geschehnissen "nichts mehr passieren", sie seien durch die Energie Herrn Dölgers geschützt.

Diese Beschreibung korrespondiert mit dem, was – freilich aus zustimmender Perspektive – eine Anhängerin auf ihrer Homepage unter der Überschrift "3. Jesus – Babaji – Sai Baba – Shalim (10)" schrieb:

"Lichtwesen wie Jesus, Babaji, Sai Baba und Shalim inkarnieren sich in ihrer tiefen Liebe zu den Menschen, um sie daran zu erinnern, dass auch sie Lichtwesen und damit Göttlichen Ursprungs sind. … 4. Teil: Shalim – Shalim ist ein spiritueller Meister, der die Menschen auf den Kontakt mit der Heiligen Dreifaltigkeit vorbereitet und ihnen die hohen Energien von Jesus, Babaji und Sai Baba vermittelt. … Er leitet die Menschen darin an, das Bewußtsein, ein Lichtwesen zu sein, wieder in die Erinnerung zu holen und den eigenen Lichtweg zu erkennen." (www.dr-sanita.de vom 20.09.2004)
 
"Die Zeit der Dunkelheit ist vorbei. Das Licht wird auf der Erde wieder sichtbar, damit sich die Menschen daran erinnern, woher sie kommen, und wohin sie gehen. Dieses Licht ermöglicht es den Menschen nun, sich wieder bewusst an ihre Lichtheimat anzubinden. Es ist das Licht, aus dem sie kommen, durch das sie geboren werden und ins menschliche Leben eintreten, um sich im Laufe von vielen Inkarnationen zu vollenden.
In der aufsteigenden Sonne des Wassermannzeitalters inkarnieren viele Wesen bewusst ihr Licht. Diese Wesen des Lichts haben sich in ihrer Liebe zur Göttlichen Führung bereit erklärt, in den planetaren Kreis der Erde einzutreten, um andere Menschen an deren eigenen Lichtweg zu erinnern.
Steed Dölger ist eines dieser Wesen. Er kommt aus den Heerscharen der kosmischen Herrscher, die die Führer des Lichts sind. Er hat seinen Platz in der Geistigen Hierarchie als weißer Lehrer Shambhalas eingenommen, um die Menschen an ihr Licht zu erinnern und sie dann auf deren Lichtweg zu führen und zu begleiten.
Dadurch erhalten sie die Möglichkeit, wieder in ihren eigenen Inkarnationszyklus einzutreten. Sie können sich erinnern, wie sie ihr eigenes Bewusstsein erschließen können, um dem Licht zu folgen, das in ihrem Innern wohnt.
Denn zur Zeit der atlantischen Kriege haben die Menschen das Bewusstsein über sich selbst, über ihr Licht, über ihre Sternenherkunft und über ihr wahres Wesen verloren. Sie leben seither in der Dunkelheit des Vergessens." (Dr. Gabriele Ansorge, Der Lichtweg – nach Steed Dölger, in: Haus des Erlebens 02/2003, S. 18)

Im Schülerhandbuch "In der Herrschaft des Heiligen Geistes" klingen die Beschreibungen Herrn Dölgers dann noch kräftiger:

"Steed als Lehrer ist ein zentrales Führungslicht, das sich in der Vollkommenheit des Friedens auf die Erde gesenkt hat." (S. 74)

"Wäre er nicht hier, würden sie (seine Schüler; Vf.) wieder im Unbewussten verschwinden." (S.5)

"Darum prüfe ein jeder, der in sich die Sehnsucht nach Vollendung spürt, ob er wirklich bereit ist, sich seinem Lehrer zu übergeben und sich Ihm bedingungslos anzuvertrauen." (S.8)

"Hat der Schüler seinen Lehrer erst einmal gefunden und die Vorbereitungsmaßnahmen abgeschlossen, beginnt für ihn ein neues Leben. Dieser Zeitpunkt ist mehr als eine zweite Geburt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Aufgehobensein in dem göttlichen Licht des Lehrers. ... Es gibt nur noch den Lehrer, das Licht, die Liebe und das Leben." (S.12)

"Der göttliche Lehrer ist der Stellvertreter Gottes hier auf Erden. Er ist von Gott mit Befugnissen ausgestattet worden, die weit über das menschliche Vorstellungsvermögen hinausgehen. Dazu gehört unter anderem die Fähigkeit, Menschen aus ihren Verstrickungen und karmischen Prozessen herauszunehmen..." (S.29)

"Am Anfang der Schülerschaft stehen drei Bedingungen: Dienen, Gehorsam und Auslieferung. Die Annahme zum Schülersein deines Meisters ist eine Zusage an die Auslieferung all deiner bewussten und unbewussten Ebenen an Seine Regentschaft. Sei dir gewiss, dein Lehrer hat die unendliche Macht, dich zu zähmen. Egal wie und wo du dich auflehnst: Er wird stärker und mächtiger sein, als du es dir jemals vorstellen kannst, denn dein Lehrer ist omnipotent und verkörpert für dich die Allmacht Gottes." (S.35)

Vor dem Hintergrund solcher öffentlicher, religiös überhöhter und machtvoller (Selbst)Aussagen ist es vielleicht nicht erstaunlich, dass Herr Dölger in unserem Gespräch Fragen, die den weltanschaulichen Bereich betrafen, trotz wiederholter Nachfragen auswich und die eigenen, der vielfältigen Literatur der Gruppe wie auch den Aussagen von allen uns bekannten Ehemaligen zu entnehmenden, weltanschaulichen Ansprüche immer wieder herunterzuspielen versuchte. Herr Dölger konnte mich hier nicht überzeugen.

3. Zusammenfassung:

(1) Im Blick auf die Konfliktträchtigkeit der Gruppe um Herrn Dölger ergibt sich ein differenziertes Bild. Vor dem Hintergrund unserer Beratungserfahrungen wie auch der positiven Tendenzen der Umfrage im Angehörigenkreis der Gruppe kann man von manifesten oder gar massiven Konflikten bisher nicht sprechen. Gleichwohl zeigen sich Gruppenstrukturen, die ein Verehrungsverhältnis gegenüber Herrn Dölger einschließen und die bei entsprechend ungünstiger gruppendynamischer Entwicklung Konfliktpotential entfalten könnten.

(2) Die Erwägungen zur weltanschaulichen Vereinbarkeit der Lehre und spirituellen Praxis der Gruppe um Herrn Dölger mit dem Glauben und der Lehre, wie er in der EKiR gelebt wird, bzw. sie in der EKiR gilt, zeigen ein eindeutiges Bild:

Das Wirklichkeitsverständnis, das Welt- und Menschenbild in der Gruppe um Herrn Dölger knüpfen an theosophische und neohinduistische Traditionen an und sind typisch für esoterische Angebote der religiösen Gegenwartskultur. Die monistische Kosmologie mit ihrer Emanationsvorstellung, die mythische Anthropo- und Kosmogonie mit ihren Zeitalterlehren und ihrer Lichtmetaphorik, der starke Dualismus von Geist und Materie, der u.a. auch im Energiekonzept der Gruppe sich niederschlägt, natürlich die Reinkarnations- und Karmavorstellung wie auch die esoterisch geprägte Christusinterpretation (als Avatar etc.) qualifizieren die Lehre der Gruppe als neuzeitlich-esoterisch.

Auch das Haus in Niederkassel mit seiner an Sai Baba orientierten Sarvadharma-Symbolik, Shiva-Figuren etc. atmet diesen Geist.

Herrn Dölger selbst als Shalim kommt in diesem Konzept eine soteriologische (d.h. heilsrelevante), in Leben und Praxis sich niederschlagende Meisterrolle zu. In besonderer Weise wird dies im Schülerhandbuch und seiner Bestimmung des spirituellen Lehrer-Schüler-Verhältnisses sichtbar.

Dass Herr Dölger und seine Anhängerschaft sich als konform mit Kirche und Christentum verstehen, hat zum einen mit dem inklusivistischen Religionsverständnis zu tun, das in der Gruppe gilt und das von einer grundsätzlichen Kompatibilität aller Religionen ohne Unterschied ausgeht (neohinduistischer Einfluss). Zum anderen wirkt sich aus, dass Herr Dölger in einer christlich geprägten Kultur aufgewachsen ist, christlich geprägte Sprachmuster übernimmt und in sein spirituelles Konzept integriert.

Dass Herr Dölger in unserem Gespräch versuchte, die weltanschaulichen Elemente seiner Lehre und Praxis zu überspielen, war nicht glaubhaft und wurde auch nicht konsequent durchgehalten (Bspl. Streit um die Reinkarnationsvorstellung). Bei einer Nachfrage zu Frank Eickermanns "Weg ins Licht" gab er an, dass eigentlich er dieses Seminar inhaltlich konzipiert habe, um gerade eine Verbindung von Therapie und Spiritualität zu schaffen.

Es bleibt festzuhalten, dass es jedes Menschen freie Entscheidung ist, einem esoterischen Wirklichkeitsverständnis, Welt- und Menschenbild zu folgen, wie es in der Gruppe um Herrn Dölger der Fall ist. Schon gar nicht ergeben sich dadurch Rechtfertigungsgründe zur Diffamierung Einzelner oder der Gruppe. Zugleich ist aber auch festzuhalten, dass dieses esoterische Wirklichkeitsverständnis und die ihm entsprechende Praxis mit dem Glauben und der Lehre, wie sie in der Evangelischen Kirche im Rheinland gelebt werden, nicht vereinbar ist!

Anmerkungen
(1) In der Herrschaft des Heiligen Geistes, S. 70
(2) Darunter versteht man das Hervorgehen aller Dingen aus dem unveränderlichen, vollkommenen, göttlichen Einen (bes. in der neuplatonischen und gnostischen Lehre).
(3) Die hier angesprochene Heilige Dreifaltigkeit darf nicht verwechselt werden mit der christlichen Trinität von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Es geht bei dieser esoterischen Dreieinigkeit um die bereits genannten Avatare Sathya Sai Baba, Babaji und Christus.
(4) Shambhala ist der Name eines mythischen Reiches, das traditionell im tibetischen Buddhismus eine Rolle spielt. Es handelt sich um eine Art irdisches Paradies oder "reines Land", wo Menschen unter Anleitung erleuchteter Könige in ihrer spirituellen Entwicklung angeblich weit vorangeschritten sind. Über die Theosophie wurden Ideen über Shambhala auch im Westen bekannt.
(5)Hinter dem Begriff Weltenzyklen verbirgt sich eine Zeitalterlehre über die gesamte Entwicklung des Universums und der Menschheit. Beide seien aus geistigen Zuständen entstanden, verändern im Lauf der Epochen sowohl ihre Physis als auch ihre Bewusstseinsmöglichkeiten und werden am Ende wieder zu einem intelligiblen Dasein zurückfinden. Die Idee eines lang vergangenen Goldenen Zeitalters und die Bewertung der eigenen Epoche als Verfallszeit (Kali Yuga genannt) sind ursprünglich Bestandteile des Hinduismus und wurden zur Quelle vieler esoterischer Zeitalterspekulationen, die am Ende die Wiederkehr der ursprünglichen Vollkommenheit erwarten.
(6) Dieser Zusammenhang war im Reading einer anderen Ratsuchenden bereits hergestellt worden und bestätigt sich hier.
(7) Der Avatar bezeichnet in der Tradition des Hinduismus die Herabkunft oder Inkarnation eines Gottes oder des Göttlichen in irdischer Gestalt; Sathya Sai Baba versteht sich z.B. als Avatar, zugleich aber auch als Inkarnation des Gottes Shiva und als Verkörperung Jesu Christi.
(8) Inklusivistisch im Sinn von einschließend: Alle anderen Religionen werden als zum Teil durchaus wertvolle Vor- und Sonderformen der eigenen, ewigen und umfassenden Wahrheit betrachtet, ihr letztlich aber untergeordnet.
(9) Mit Akasha-Chronik wird in Theosophie und Esoterik ein feinstoffliches Weltgedächtnis bezeichnet, eine Art historische Quelle, auf der die neueren esoterischen Zeitalterlehren beruhen. Alle Geschehnisse des Universums prägen sich in den Äther ein und können von Menschen mit seherischen Fähigkeiten dort abgelesen werden. Auch die kosmischen Namen, die ja zugleich die Lebensaufgabe eines Menschen beschreiben sollen, können dort angeblich seherisch ermittelt werden.
(10) Mit Shalim ist Herr Dölger gemeint.

 

06.08.2007



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