10. Asylrechtstagung

Die schönen Seiten von Casablanca

Moschee, Medina, Ricks-Café und ein Besuch in Rabat - zum Abschluss der Tagung ging es durch Stadt und Land.

Eine wohltuende Unterbrechung des Tagungsgeschehens war der Besuch der Moschee Hassan II, die sowohl eine architektonische als auch planerische Herausforderung darstellt. Auf Betonpfeilern erhebt sich auf einem Areal von neun Hektar eine mit reichem Mosaik gestaltete Moschee, die von vielen eher als „Kathedrale“ denn in der Tradition des klassischen Moscheebaus gesehen wird. Sie ist aber für alle Besucherinnen und Besucher der Stadt eine Attraktion und deshalb stark frequentiert. Relativ nahe dabei befindet sich die Medina, der Basar von Casablanca, auf dem es (fast) alles zu kaufen gibt. So manches Souvenir fand seine Käuferin und seinen Käufer. Der kurze Ausflug wurde staatlicherseits gut begleitet, so dass zu jedem Zeitpunkt absolute Sicherheit bestand. Natürlich war es unvermeidlich, bei Ricks-Café das obligatorische Foto zu schießen, auch wenn der Kultfilm „Casablanca“ keineswegs am vermuteten Ort gedreht wurde.

The Journey

Die in den zurückliegenden Tagen ausgetauschten Informationen und Berichte fanden am Abend ihre eindrückliche Konkretion durch eine Präsentation des „International Aid Commitee“ aus Rabat, in der Migrantinnen und Migranten aus verschiedenen afrikanischen Ländern mitwirkten, die ihre konkreten Erfahrungen im Verlauf ihrer Reise aus dem Herkunftsland nach Marokko in Szene setzen. Angefangen mit den Versprechungen der Menschenhändler, sie schnell und sicher ihrem „Traum von Europa“ näher zu bringen, über
die Verstickung von organisierter Kriminalität mit staatlichen Behörden und der Polizei bis hin zu Erlebnissen unterwegs reichten die szenischen Darstellungen. Sie waren voller Entwürdigung und bestanden aus Erfahrungen von sexueller Gewalt, des Todes unterwegs und enttäuschter Hoffnungen. Die Authentizität der Darstellung, gefühlvoll unterlegt mit eigenen Melodien und Texten, fanden ihren Höhepunkt bei der „Ankunft“ in Marokko, von wo aus der endgültige und letzte Schritt in das Traumland Europa erfolgen sollte.
Für viele – so auch in der szenischen Darstellung – endet der Traum in einem seeuntüchtigen Boot, das im Mittelmeer oder Atlantik mitsamt aller Hoffnungen versinkt.

Andere, die überleben oder es nicht schaffen, die „Passage“ zu bezahlen, stranden auf Jahre hinaus in einer Welt, in der sie auf das Wohlwollen und die traditionelle Gastfreundschaft Marokkos angewiesen bleiben. Seit einiger Zeit finden die Gestrandeten Unterstützung in einer kleinen christlichen Gemeinde, die versucht, die elementaren Bedürfnisse der Flüchtlinge zu befriedigen, ihnen Essen und ein Dach über dem Kopf zu geben und gleichzeitig ihre Begabungen für Tätigkeiten zu entwickeln, mit denen sie ein bescheidenes Auskommen erwirtschaften können. Die nächste Stufe, die sich seit zwei Jahren auftut, ist die Unterstützung von Studentinnen und Studenten, die nicht länger auf finanzielle Hilfen ihres Heimatlandes oder ihrer Eltern setzen können. Mit einem Stipendienprogramm gelingt es einer wachsenden Zahl von Studentinnen und Studenten, ihr unterbrochenes Studium mit einer Förderung von 65,00 USD monatlich erfolgreich zu Ende zu führen. Die Absolventinnen und Absolventen sind die zukünftigen „Botschafter“ in ihren Herkunftsländern wenn es darum geht, junge Menschen von ihrem „Traum von Europa“ abzubringen. Bei einem gemeinsamen Abendessen und den sich dabei ergebenden Gesprächen wurden die Eindrücke weiter vertieft.

 

 

 

Brich dem Hungrigen Dein Brot…… - Der gemeinsame Gottesdienst am letzten Tag der Asylrechtstagung Brich dem Hungrigen Dein Brot…… - Der gemeinsame Gottesdienst am letzten Tag der Asylrechtstagung

Erste Ergebnisse

In einer ersten Bewertung der Ergebnisse der Konferenz wurde herausgestellt, dass in noch viel stärkerer Weise auf die Migrationspolitik der Heimatländer der Tagungsteilnehmenden und der EU einzuwirken sein wird. Vor allem die Erfahrungen, die Flüchtlinge „unterwegs“ machen und die „sexuelle Gewalt gegen Frauen“ sind Bereiche, die der weiteren Beachtung bedürfen. Ganz eindeutig stellten die Tagungsteilnehmenden die Notwendigkeit heraus, noch deutlicher als bisher in der Öffentlichkeitsarbeit auf die Situation von Flüchtlingen hinzuweisen. Deshalb sollen die gewonnenen Kontakte weiterentwickelt werden. Der gastgebenden francophonen Gemeinde galt nicht nur der Dank, sondern die Teilnehmenden verpflichteten sich, an der Weiterentwicklung von Projekten aktiv mitzuwirken. Die Anwesenheit eines Teilnehmers aus Mali erwies sich als große Hilfe für ein besseres Verständnis der Motivation und Zielsetzung von afrikanischen Flüchtlingen, die ihr Heimatland mit dem Ziel Europa verlassen. Das im Februar gegründete Netzwerk „Le Pont“ soll zukünftig auch mit NGOs in Afrika zusammenarbeiten. Mit einer Vielzahl von Vorschlägen zur Fortsetzung der Europäischen Asylrechtstagungen ging der offizielle Teil der Tagung zu Ende - von der Frage der Abschiebungspraxis über eine „burden responsibility“ bis zur Situation der Angehörigen, die zurückbleiben, wenn die Frau oder der Mann weggeht.

Brich dem Hungrigen Dein Brot

In einer überfüllten Kirche mit hauptsächlich afrikanischen Gottesdienstbesucherinnen und –besuchern feierten die Tagungsteilnehmenden einen stimmungsvollen Gottesdienst unter der Botschaft aus dem Buch des Propheten Jesaja.
Was Musik bewirken kann, erlebten die Gottesdienstbesucherinnen und –besucher durch die lautstarke Begleitung des Chors der gottesdienstlichen Gemeinde. Erneut entwickelten sich im anschließenden Gespräch nach dem Gottesdienst Möglichkeiten des Austauschs, die nicht selten von den Versprechen begleitet waren, in Kontakt zu bleiben.

Rabat

Schon im Vorfeld der Tagung hatte es sich bewährt, die Unterstützung der Deutschen Botschaft in Anspruch zu nehmen. Ein Besuch in der Hauptstadt Marokkos mit kleinen touristischen Abstechern zum Mausoleum von König Hassan II und dem Besuch der „Kasba“ war die Vorstufe zum abschließendem Höhepunkt der 10. Europäischen Asylrechtstagung mit der Einladung in die Residenz der deutschen Botschaft. Der ständige Vertreter der Botschaft, Dr. Fischbach, der bereits zu Beginn der Tagung in Casablanca ein Grußwort gesprochen hatte, begrüßte die Tagungsteilnehmenden und einen Kreis interessierter Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Einrichtungen und Institutionen im Rahmen eines Empfangs. Rita Kühn, eine der Verantwortlichen der 10. Europäischen Asylrechtstagung, antwortete für die Tagungsteilnehmenden, indem sie neben einem Dank für die freundliche Einladung auf die wesentlichen Ergebnisse der Konferenz einging, die von weiteren Teilnehmenden ergänzt wurden. Ein schöner Tag und eine ereignisreiche Tagung fanden so einen angemessenen Abschluss.

 

 

 

 

Rita Kühn, eine der Verantwortlichen der 10. Europäischen Asylrechtstagung, und der ständige Vertreter der Botschaft, Dr. Fischbach, in Rabat Rita Kühn, eine der Verantwortlichen der 10. Europäischen Asylrechtstagung, und der ständige Vertreter der Botschaft, Dr. Fischbach, in Rabat

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 10. September 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 10. September 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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