10. Asylrechtstagung

Dem Traum von Europa auf der Spur

Unter starker Beachtung vor Ort hat die 10. Asylrechtstagung ihr Programm aufgenommen - im Zentrum der Evangelischen Kirche von Marokko in Casablanca. Ein wichtiges Thema: Die Migrationspolitik in Marokko.

Kritische Worte: Sophie Boukhari, Journalistin aus Rabat, bei ihrem Vortrag vor der Konferenz Kritische Worte: Sophie Boukhari, Journalistin aus Rabat, bei ihrem Vortrag vor der Konferenz

Im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche in Marokko in Casablanca haben sich am 6. September Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der kirchlichen Migrationsarbeit versammelt, um mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Repräsentanten aus Marokko die EU-Migrationspolitik zu diskutieren.

Casablanca ist nicht zufällig als Tagungsort ausgewählt worden. Im Juli 2006 fand in Rabat auf Einladung der marokkanischen Regierung ein Migrationskongress statt, der die besondere Bedeutung der Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) bei der Bewältigung der Herausforderungen, die sich mit den globalen Flüchtlingsbewegungen für Marokko ergibt, betonte. Im Kontext dieses Kongresses versteht sich die 10. Europäische Asylrechtstagung, die in Verantwortung der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Église Reformée de France und der CIMADE vom 5. bis 10. September stattfindet.

In seiner Begrüßungsansprache betonte der Ständige Vertreter der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Fischbach, die Wichtigkeit sich den Fragen von Migration und Flucht auf dem afrikanischen Kontinent zu stellen. Die Kompetenz der NGOs in der Auseinandersetzung mit den politischen Programmen der EU wird auch von den marokkanischen Behörden anerkannt.

Partnerin auf Augenhöhe

Der Vertreter der marokkanischen Regierung, Aziz Schir, stellte in seinem Votum fest, dass seine Regierung eine Tagung wie sie gegenwärtig in Casablanca stattfindet, sehr begrüßt. Die marokkanische Regierung versteht sich als „Partnerin auf  Augenhöhe“ der EU und unternimmt große Anstrengungen zur Eindämmung der „illegalen Migration“. Nach Feststellung von Schir sind die Maßnahmen der marokkanischen Behörden äußerst erfolgreich. Netzwerke der organisierten Kriminalität konnten in den zurückliegenden Jahren nachhaltig aufgedeckt und zerschlagen werden. Massive Grenzkontrollen und die konsequente Rückführung von Personen ohne Aufenthaltstatus haben dazu geführt, dass die Zuwanderung nach Marokko deutlich rückläufig ist.

 

 

Vertreterinnen und Vertreter aus sechs europäischen und zwei afrikanischen Ländern: Die 10. Asylrechtstagung nimmt ihre Arbeit auf Vertreterinnen und Vertreter aus sechs europäischen und zwei afrikanischen Ländern: Die 10. Asylrechtstagung nimmt ihre Arbeit auf

Gefährlichere Wege

Die bedeutet freilich nicht, dass sich die Flüchtlingsströme verringert hätten. Sie haben sich nur neue Wege gesucht, die noch gefährlicher sind als die Route über Marokko. Mit kaum seetauglichen Booten versuchen Flüchtlinge von Mauretanien und dem Senegal aus, die spanischen Kanaren zu erreichen. Für viele wird der „Traum von Europa“ zu einer Reise in den Tod, weil viele Flüchtlinge mit ihren Booten untergehen oder auf See sterben, bevor sie von der Küstenwache aufgegriffen werden.

Deutlich kritisch äußerte sich Sophie Boukhari, Journalistin aus Rabat, zur Situation der Flüchtlinge, Migranten und Migrantinnen in Marokko. Für sie ist offenkundig, dass Marokko unter dem Druck der EU die restriktive Grenzpolitik der EU umsetzen muss. Boukhari plädiert deutlich für eine legale Zuwanderungspolitik für Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten nach Europa, um zu verhindern, dass Menschen, die Marokko verlassen wollen in die Netzwerke der organisierten Kriminalität getrieben werden. Von daher steht sie Überlegungen wie der einer „zirkulären Migration“ positiv gegenüber.

 

 

Tagungsort in Casablanca: Das Zentrum der Evangelischen Kirche in Marokko Tagungsort in Casablanca: Das Zentrum der Evangelischen Kirche in Marokko

Die Tagung in Casablanca findet starke Beachtung vor Ort. Die 10. Asylrechtstagung findet im Zentrum der Evangelischen Kirche in Marokko statt, einer Minderheitenkirche mit 11 Gemeinden und sechs Pfarrerinnen und Pfarrer. Pfarrer Jean-Luc Blanc begrüßte die Tagungsteilnehmenden aus sechs europäischen (Belarus, Ukraine, Moldawien, Rumänien, Deutschland, Frankreich) und zwei afrikanischen Ländern (Mali und Marokko). Unter den Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten, mit denen die Konferenzteilnehmer im Verlauf der Tagung zusammentreffen werden, sind Menschen aus mehreren westafrikanischen Ländern.

Die Gastfreundschaft war schon am ersten Tag überwältigend. Mehrere Gemeindeglieder helfen ehrenamtlich mit, den 30 Teilnehmenden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Besucher aus Europa erfahren eindrücklich, wozu eine kleine Gemeinde bei der Gastgeberschaft fähig ist.

Fortsetzung folgt.

Das Internetteam
Maike Lüdeke-Braun, Rita Kühn, Jörn-Erik Gutheil und Martin Horzella

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 7. September 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 10. September 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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