Logo EKiR
Schülerausstellung in Essen

„Evangelische Profile“ erzählen von der Glaubensvielfalt

„Man wird ja nicht jeden Tag nach seinem Glauben gefragt,“ meint die 15-jährige Rosa Kremp, „aber wenn man sich mal richtig bemüht, Antworten zu geben oder auch andere zu befragen, dann wird man sich selbst über vieles klarer“.

Projektteilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Presse-Präsentation im Altarraum der Kirche, mittlere Reihe 3. v. r. Schulreferent Dietmar Klinke, untere Reihe 3. v. r. Schülerin Rosa Kremp Projektteilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Presse-Präsentation im Altarraum der Kirche, mittlere Reihe 3. v. r. Schulreferent Dietmar Klinke, untere Reihe 3. v. r. Schülerin Rosa Kremp

Dazu hat die eloquente Gymnasiastin gerade aktuelle Erfahrungen gesammelt. Sie ist eine der Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe aus insgesamt neun Schulen, die im letzten Jahr an einem aufwendigen Interviewprojekt des Schulreferats der Evangelischen Kirche in Essen teilgenommen haben.  

Die Ergebnisse sind jetzt erstmals vom 22. Januar bis 8. Februar in der evangelischen  Marktkirche in Essen zu besichtigen: Es ist eine Schülerausstellung mit dem nüchternen Titel „Evangelische Profile – erkennbar bleiben im Dialog“, hinter der sich eine spannende und ambitionierte Schau verbirgt. Sie enthält 28 großformatige Porträts evangelischer Menschen zwischen 15 und 83 Jahren aus Essen, die ganz persönlich über ihren christlichen Glauben, ihre Zweifel und Hoffnungen Auskunft geben.  

„Christliches Leben muss man ausprobieren!“, sagt etwa die ehemalige Landessynodale Sibylle Eisele selbstkritisch, die evangelische Kirche habe auch viele Fehler. Der Schüler Tim König betont mit jugendlichem Enthusiasmus, dass evangelisch sein für ihn bedeute „einer großen Familie anzugehören“. Vom Schauspieler und „schwulen Protestanten“ Roland Riebeling erfährt man, wie wichtig ihm ein geweihter Rosenkranz beim Beten ist, den er einmal geschenkt bekommen hat. Und die geschiedene Küsterin Sabine Metin erzählt freimütig, dass sie in schwierigen Zeiten Geborgenheit in ihrer Gemeinde fand. Hier wird nicht über das „Evangelisch sein“ theoretisiert und gefachsimpelt, sondern so persönlich erzählt, als säße man gemeinsam am Kamin - das ist ein bemerkenswertes Charakteristikum dieses Projekts.

 

 

Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs mit dem von ihnen gestalteten Projektkatalog in den Händen Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs mit dem von ihnen gestalteten Projektkatalog in den Händen

Menschen Mut zum Glauben machen

Den Hintergrund dazu bildet seine Entstehungsgeschichte. Denn während sonst zumeist Experten Ausstellungen professionell vorbereiten, sind hier Schülerinnen und Schüler aus acht Gymnasien und einer Gesamtschule zu Profis geworden. Sie selbst haben ihre „Kunstwerke“, sprich: Gesprächspartnerinnen und Partner ausgewählt und interviewt. Es sind Mitschüler und Lehrerinnen, Geschäftsleute und Sozialarbeiterinnen, ganz einfach Menschen aus ihrem Umfeld, die bereit waren, ihr „evangelisches Profil“ preiszugeben und sich damit einem Dialog zu stellen.

„Nur wer sich über das Profil des eigenen Glaubens im Klaren ist, kann mit anderen Religionen in den Dialog treten,“ erläutert der Essener Schulreferent und Initiator, Pfarrer Dietmar Klinke, das Konzept. Als wichtigstes Ergebnis bezeichnet er, dass die beteiligten Schülerinnen und Schüler, darunter auch muslimische Jugendliche, sich „in eine persönliche Auseinandersetzung mit evangelischer Frömmigkeit“ begeben hätten. „Wir wollen Menschen Mut zum Glauben machen,“ betont Klinke. Es sei aber auch deutlich geworden, wie vielfältig und offen dieser Glaube sei.

Evangelische Profile als Wanderausstellung

Um den angestrebten Dialog möglichst abwechslungsreich führen zu können, ist die Schau als Wanderausstellung konzipiert, die in Schulen und Kirchengemeinden zu sehen ist und ausgeliehen werden kann. Zusätzlich gibt es für fünf Euro einen mehr als 100-seitigen Projektkatalog, der alle insgesamt 44 Interviews enthält und fachkundig von der Schüleragentur des Hugo-Kükelhaus-Berufskollegs gestaltet wurde. Die Projektmittel von knapp 8.000 Euro stammen aus Spenden und Sponsorengeldern. Wem das Plakate lesen vor Ort also zu mühsam ist, der oder die kann zu Hause in Ruhe blättern und lesen und sich nach eigenem Gusto am Dialog beteiligen. 

    

 

Öffnungszeiten Marktkirche:

Mo. – Fr. 10.30 – 13.30 und 15 – 18 Uhr, Sa. 10 – 12.30, So. 18 Uhr

Am 24. Januar findet um 11 Uhr eine Schülerdiskussion statt: Soll die Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht? Und soll es gemeinsamen Religionsunterricht für alle geben?  

Informationen zur Ausstellung:
Pfr. Dietmar Klinke, Schulreferat der Ev. Kirche in Essen
Tel. 0201/ 2205 – 241
Mail: schulreferat@evkirche-essen.de

 

Bettina v. Clausewitz /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 21. Januar 2008. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 31. Januar 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.