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Heimerziehung

Diakonie bedauert Geschehnisse zutiefst

„Schläge im Namen des Herrn“ heißt ein Buch, das dieser Tage erscheint und schon Wellen schlägt. Angeklagt wird auch die Diakonie: Es geht um den traumatisierenden Umgang mit Mädchen und Jungen in kirchlichen Heimen in den fünfziger und sechziger Jahren.

Der Autor des Buchs „Schläge im Namen des Herrn“, "Spiegel"-Redakteur Peter Wensierski, hat in der „Zeit“ 7/2006 seine Recherchen in einem Dossier zusammen gefasst. Der „Express“ hat mehrere Betroffene zu Wort kommen lassen, darunter einen Mann, der in der Kreuznacher Diakonie „drakonische Strafen“ über sich ergehen lassen musste, wie er erzählt.

In den evangelisch getragenen Heimen habe es Missstände und Fehler gegeben, räumt Diakonie-Präsident Pfarrer Dr. h.c. Jürgen Gohde gegenüber EKiR.de ein. „Dazu stehen wir.“ Außerdem bekennt Gohde: "Mir tun die Folgen für jeden einzelnen Menschen leid."

Diakonie Rheinland: Unmenschlich behandelt

Ergänzend zu dem Interview mit Diakonie-Präsident Gohde erklärt der Theologische Direktor und Vorstandssprecher des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Pfarrer Uwe Becker: „Der Tatbestand, dass auch in Heimen der Inneren Mission / Diakonie in den 50er bis 70er Jahren Kinder und Jugendliche unmenschlich behandelt und auch an Leib und Seele gequält wurden, lässt sich auf Grund neuerer Veröffentlichungen nicht leugnen.“ Das Diakonische Werk im Rheinland bedauere zutiefst, „was damals in Einrichtungen von Innerer Mission / Diakonie geschehen ist - auch im Bereich unseres Werkes“.

Seinen Mitgliedseinrichtungen der Kinder-, Jugend- und Erzieherischen Hilfen empfiehlt das Diakonische Werk im Rheinland, dem Beispiel des Neukirchener Erziehungsvereins zu folgen, der sich mit seiner Geschichte dieser Jahrzehnte kritisch auseinandergesetzt und die Ergebnisse jetzt veröffentlicht hat.

Geschichte aufarbeiten

Das Diakonische Werk im Rheinland regt daher an, die Geschichte der Anwendung von Gewalt auch in der diakonischen Heimerziehung sorgfältig aufzuarbeiten – „um der Opfer von damals Willen, die noch heute unter den Folgen der ,Schläge im Namen des Herrn’ leiden“.

Im Blick auf den vom "Express" zitierten Mann hat der Sprecher der kreuznacher diakonie, Georg Scheffler-Borngässer, zugesagt, den Vorwürfen nachzugehen und den Kontakt mit Geschädigten zu suchen. "So etwas kann man nicht wieder gutmachen", so Scheffler-Borngässer. Aber die kreuznacher diakonie werde mit Missständen in der Vergangenheit offensiv umgehen.

 

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 14. Februar 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 16. Februar 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.