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Email aus Namibia

Im bekanntesten Nationalpark Namibias

Heute Nacht hörten wir Löwen. Zum Glück befanden wir uns auf einem sicheren, eingezäunten Gelände. Wir sind in Etoscha. Dem größten und bekanntesten Nationalpark Namibias im Norden des Landes.

Kinder von Jacqueline in Schuluniform. Kinder von Jacqueline in Schuluniform.

Vor der Unabhängigkeit war der Tierpark ausschließlich weißen Besuchern vorbehalten. Die Campanlagen sind nach früherem südafrikanischem Muster erbaut. Bungalows, Zeltplätze, Restaurant, Kiosk, Schwimmbad… mit dicken Bruchsteinen, wie eine Burganlage. Von weitem ist diese "Festung" schon an ihrem hohen Wehrturm zu erkennen. Auch heute sehen wir hier viele weiße Südafrikaner, die mit Kind und Kegel einen Kurz- und Abenteuerurlaub machen.

Wir wohnen allerdings nicht in der Bastion, sondern bei Josephs Schwester Jacqueline. Jacqueline ist hier oben Krankenschwester in der Ambulanz des Camps. Sie wohnt mit ihren zwei Kindern in einem kleinen Häuschen der Regierung vor den Toren von Okaukuejo. Hier hat sie einen kleinen Garten und eine wunderschöne Terrasse – natürlich ist auch hier alles sicher eingezäunt. Tags dürfen wir die zweihundert Meter zum Campeingang alleine zurücklegen – sobald die Dunkelheit angebrochen ist, dürfen wir diesen nicht eingezäunten Korridor nur noch im Auto benutzen.

Garten, Grill und Badezimmer

Bei Jacqueline erleben wir eine herzliche Gastfreundschaft. Sie stellt uns ihr Häuschen, ihren Garten, ihren Grill und ihr Badezimmer zur Verfügung. 15 Personen mehr für zwei Nächte! Dabei hat sie noch weiteren Besuch von Verwandten, die mit weiteren Kindern gekommen sind.

Im Garten schlagen wir unsere Zelte auf, im Haus ist eine Matratzenlager ausgebreitet. Jeder Quadratzentimeter ist belegt. Die Stimmung ist gut. Kinder, Jugendliche, Erwachsene – alle wuseln durcheinander – Klingeltöne von den verschiedensten mobilen Telefonen. Wie ein großes Familienfest. Morgens gibt es eine Schlange vom Badezimmer bis vor die Haustür.

Eigene Infrastruktur für die Angestellten

Etwa tausend Angestellte gibt es im Nationalpark. Für sie gibt es eine eigene Infrastruktur. Einige aus leitenden Funktionen wohnen „in the town“, wie Ringolette, die kleine Tochter von Jacqueline erklärt. Sie meint damit das Camp Okukauejo.  „But most of them live in the location.“ Damit ist eine kleine Ortschaft ein paar Kilometer entfernt bezeichnet, wo die „normalen“ Beschäftigten wohnen.

Morgens kommt der Schulbus und holt die Kinder ab. Zuerst sind Ringolette und Melanie dran. Dann werden die Kinder „in the town“ abgeholt. Danach fährt der Bus in die Lokation und dann in die 20 Kilometer entfernte Schule am Ombika Gate.

Längste Tafel im Lokal

Abends laden wir Jacqueline und ihre Kinder zum Essen in das Restaurant „in the town“ ein. Wir haben die längste Tafel in dem Lokal und sitzen lange und unterhalten uns. Ringolette und Melanie, die Kinder von Jacqueline, aber auch die anderen gehen immer wieder zurück, um noch etwas nach zu holen vom Buffet - bei den Nachtischen besonders oft.

Danach gehen wir noch zum Wasserloch. Da jagt gerade ein Löwe Impalas. Kurz zuvor hatten wir einen schaurig klingenden Ruf eines Vogels gehört. Bernice erklärt uns, dass ihre Großmutter ihr beigebracht habe, dass Gefahr droht, wenn ein Vogel schaurig ruft.

Beim Lagerfeuer mit Marshmallows philosophieren wir über Gott und die Welt. Es ist eine klare, helle Vollmondnacht. "Ist die Welt nicht wunderbar....!", ruft eine Jugendliche. Ich denke spontan an Psalm 8: "Wenn ich sehr das Werk deiner Hände, den Mond und die Sterne, du hast sie alle weise geordnet..."

Lionel sagt: "Gott hat alles so wunderbar gemacht!". So kommen einige von uns in ein Streitgespräch über "Wa(h)lverwandtschaften", also über Kreationismus kontra Darwinismus. Ich frage die namibischen Jugendlichen, was sie meinen. Für sie steht fest, dass Gott die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. So wie wir die Natur heute erleben ist alles geschaffen - von Anfang an. Die Zebras und die Giraffen, die Löwen und die Elefanten ... und natürlich der Mensch. Lionel versichert, dass das auch in der Kirche gelehrt werde.

Die deutschen Jugendlichen meinen, dass "man das doch so nicht sehen könne". Wir wüssten schließlich, dass der Mensch vom Affen abstamme und die Bibel keine naturwissenschaftliche Aussagen mache, sondern Sprache des Glaubens sei. Das werde im Konfirmandenunterricht vermittelt.

Ich werde nachdenklich. Ich merke, wie weit wir in unserer Partnerschaft theologisch von einander entfernt sind. Ich will diese theologischen Unterschiede gar nicht werten, aber es macht mir einen weiteren tiefen Graben zwischen den namibischen und deutschen Jugendlichen deutlich.

 

 

 

 

CK / 10.07.2006

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 11. Juli 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 13. Juli 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.