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Email aus Namibia

Vergangenheit in Stein bewahrt

Die Spuren deutscher kolonialer Vergangenheit finden wir mitten in der Wüste, wo weit und breit absolut nichts ist. Dort stehen wir plötzlich vor einem neoromanischen Schlösschen, Duwisib heißt die kleine Burg aus wilhelminischen Zeit.

Burg aus wilhelminischer Zeit: Schloss Duwisib in der namibischen Wüste. Burg aus wilhelminischer Zeit: Schloss Duwisib in der namibischen Wüste.

Der Schutztruppler von Wolf hat sie sich nach seinem militärischen Einsatz zwischen 1904 und 1907 gebaut. Er kam mit seiner Frau zurück nach “Südwest” und baute sich nicht nur dieses zinnengekrönte Haus, das er ausschließlich mit Mobiliar aus Deutschland einrichten ließ, sondern erwarb in krankhafter Raffgier Land.

Weil es bereits damals auch schon Restriktionen gab, wieviel Land Ausländer im südlichen Afrika erwerben durften, setzte von Wolf Strohmänner ein, die für ihn eine Farm nach der anderen aufkauften. Als der erste Weltkrieg ausbrach, ging von Wolf zurück in die Heimat, um dort für sein Vaterland zu kämpfen. Er fiel in einer Schlacht.

"Interessantes Experiment”

Seine Witwe bezeichnete die Jahre in “Südwest” später als "interessantes Experiment”. Auf jeden Fall findet man in der Burg deutsche Badewannen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Unglaublich, aber (leider) wahr.

Später besuchen wir in Maltahöhe einen Friedhof, auf dem deutsche Schutztruppler beerdigt sind. “Unser Kamerad Reiter XY …”, so und ähnlich lesen wir. Und dann immer wieder die Jahreszahlen von Geburts- und Todesjahr, in dem sie in Afrika gefallen sind. Die Jungs waren kaum älter als die Jugendlichen, die jetzt hier stehen. Wir kommen miteinander ins Gespräch über den Kolonialkrieg. Die namibischen Jugendlichen versichern, dass das für sie ein abgeschlossenes Kapitel sei. Lange her. „Deutschland und Namibia sind Freunde – und wir sind Freunde.“

 

 

Alle waren schon gespannt auf das Kind: Laurenz in den Armen von zwei Besucherinnen aus Düsseldorf. Alle waren schon gespannt auf das Kind: Laurenz in den Armen von zwei Besucherinnen aus Düsseldorf.

In Gibeon freuen wir uns riesig über das Wiedersehen mit Christa. Christa war im vergangenen Jahr mit der namibischen Jugendgruppe in Deutschland. Sie leitet ehrenamtlich die Jugendgruppe in Gibeon. Im März hat sie ein Kind zur Welt gebracht. Laurenz!

Er wird uns als erstes vorgestellt. Wir waren schon die ganze Zeit gespannt auf Laurenz! Jetzt halten wir ihn nacheinander in unseren Armen. Der Kleine versteht die Welt nicht mehr, was da mit ihm passiert. Christa ist glücklich mit ihrem kleinen Sohn. Der Vater auch. Aber weil beide nicht verheiratet sind und nicht zusammen leben (wollen), musste sie ihre hauptamtliche Arbeit im Kindergarten der Kirchengemeinde aufgeben. Eine Mutter mit nichtehelichem Kind wird nicht geduldet.

Aber Christa hat (zum Glück) nichts von ihrer fröhlichen Ausstrahlung verloren. Sie ist einfach happy über Laurenz. Sie wohnt bei ihren Eltern. Die haben Verständnis für ihre Situation. Im Moment hat sie eh genug mit dem Kleinen zu tun.

Eine Kirche nur für sonntags

Die Jugendlichen der lutherischen Kirche haben uns ein kleines Willkommensprogramm in ihrer Filialkirche “oben” im Ort  vorbereitet. Die alte Missionskirche, “unten” auf der Insel im Fischfluss gelegen, ist nur für sonntags!

Die Jugendlichen leiden darunter, dass der Pfarrer der Gemeinde kein Interesse an ihrer Arbeit hat und ihnen wenig Unterstützung zukommen lässt. Abends nach einer Abendandacht setzt der Pfarrer sich allerdings dazu und schaut sich das Musikprogramm für und mit “den Deutschen” an.

Im Singen immer besser

Wir sind schon richtig gut im Singen von Nama-Liedern. Mittlerweile trauen wir uns mit viel Selbstbewusstsein einfach unter die namibischen Jugendchöre… und singen mit. Natürlich nur, wenn wir so gut wie von Joseph, dem Jugendleiter des Kirchenkreises, angeleitet werden.

Wir sind todmüde und fallen mit den Klängen von namibischen und deutschen Liedern in unsere Schlafsäcke und auf unsere Isomatten.

 

 

 

CK&Jugendliche / 04.07.2006

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 7. Juli 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 7. Juli 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.