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Zwangsarbeiter

Begegnung und Versöhnung konkret

Schätzungsweise 1.200 ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gab es zwischen 1939 und 1945 in Einrichtungen der Evangelischen Kirchen im Rheinland (EKiR). Betroffen waren vor allem Frauen und junge Mädchen.

Im Evangelischen Krankenhaus in Mülheim / Ruhr einst Zwangsarbeiter, jetzt dort medizinisch behandelt: Demjan Saborotnev. LupeIm Evangelischen Krankenhaus in Mülheim / Ruhr einst Zwangsarbeiter, jetzt dort medizinisch behandelt: Demjan Saborotnev.

Sie mussten in der Landwirtschaft, in der Hauswirtschaft, in Krankenhäusern bzw. Heimen und in Haushalten einzelner Pfarrfamilien arbeiten. Auch Demjan Saborotnev aus der Ukraine gehörte zu ihnen. 1942 war er als 19-jähriger nach Mülheim/Ruhr deportiert worden und musste zunächst als Hilfsarbeiter in der Mechanikerwerkstatt von Thyssen arbeiten, danach im Arbeitslager Hunswinkel. Von 1944 bis 1945 arbeitete er als Hilfspfleger im Evangelischen Krankenhaus in Mülheim/Ruhr.

Vor wenigen Tagen erhielt der schwer Erkrankte in eben diesem Krankenhaus medizinische Hilfe, die ihn vor der Amputation eines Beins bewahrte. Das Krankenhaus übernahm die kostenlose Behandlung für sein Gefäßleiden. Außerdem erhielt er ein Hörgerät, und seine Frau wurde am Grauen Star operiert.

Dank an das Krankenhaus

Die rheinische Kirche organisiert als einzige evangelische Landeskirche seit 2001 ein eigenes Begegnungs- und Versöhnungsprojekt mit ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern. Es umfasst kostenlose medizinische Hilfen für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, aber auch Projekte der Erinnerungskultur und des zivilgesellschaftlichen Engagements in Deutschland und den Heimatländern der alt gewordenen Männer und Frauen. Das Projekt wurde auch immer wieder von der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ unterstützt.

„Wir freuen uns sehr, dass die Operation von Herrn Saborotnev so gut gelungen ist und er heute wieder nach Hause reisen kann“, so Landeskirchenrat Jörn-Erik Gutheil, der das Begegnungs- und Versöhnungsprojekt der rheinischen Kirche initiierte und begleitet. Er sprach dem Krankenhaus seinen Dank aus, den ehemaligen Zwangsarbeiter aufgenommen und behandelt zu haben. Dies sei ein Zeichen hoher Wertschätzung, heißt es in einem Schreiben an den Geschäftsführer der Klinik, Volker Feldkamp.

Wanderausstellung zur Erinnerung

Zur Geschichte des Begegnungs- und Versöhnungsprojekts der rheinischen Kirche gibt es eine Ausstellung und eine Dokumentation mit dem Titel „Dass Sie sich an uns erinnern und nach uns gesucht haben...“. Die Dokumentation gibt einen Überblick über die Erforschung der Zwangsarbeit in Kirche und Diakonie im Rheinland und schildert ebenso die Situation der heimkehrenden ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in die Sowjetunion - auch das Schicksal von Demjan Saborotnev. Die 70-seitige Dokumentation ist über den Buchhandel und beim Landeskirchenamt zu beziehen (Preis 12 Euro). Die Ausstellung ist eine Wanderausstellung. Sie wird gerade im Kirchenkreis Koblenz gezeigt. Eine Schautafel ist Demjan Saborotnev gewidmet.

"Dienen unter Zwang" heißt die wissenschaftliche Aufarbeitung von Verstrickungen der rheinischen Kirche in das System der Zwangsarbeit während der NS-Zeit. Der Historiker Dr. Uwe Kaminsky hat in dem Buch nachgezeichnet, wie ausländische Arbeitskräfte in evangelischer Kirche und Diakonie während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurden.

Ein Porträt von Demjan Saborotnev veröffentlicht das evangelische Magazin chrismon plus rheinland in seiner Dezember-Ausgabe. Das Heft ist ab dem 7. Dezember erhältlich im Medienverband der EKiR, Telefon 0211/43690-150; www.chrismon-rheinland.de

 

 

 

es, Foto: Markus J. Feger /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 26. Oktober 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 26. Oktober 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.