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Advent

"Die Damen hier gefallen mir gut"

"Denkt dran: Ihr müsst 300 Gläser füllen." Sagt die Küsterin. "Aha. Wir sollen besser einteilen." Erspürt eine Frau die sanfte Ermahnung. Ja, bestätigt die Küsterin. "Nicht in jedes Gläschen ein Glöckchen." Adventsvorbereitungen in einer Kirchengemeinde.

Stricken für einen sozialen Zweck: Die Handarbeitsgruppe in Moers-Scherpenberg verkauft ihre Produkte zum Wohl der Gemeinde. LupeStricken für einen sozialen Zweck: Die Handarbeitsgruppe in Moers-Scherpenberg verkauft ihre Produkte zum Wohl der Gemeinde.

 

Eine Traube von Glöckchen, die dekorativ verteilt werden: Mitglieder der Handarbeitsgruppe in Moers-Scherpenberg und ihre Leiterin Marga Ueltgesforth (2.v.r.). LupeEine Traube von Glöckchen, die dekorativ verteilt werden: Mitglieder der Handarbeitsgruppe in Moers-Scherpenberg und ihre Leiterin Marga Ueltgesforth (2.v.r.).

Wenn Mitte nächster Woche die beiden Adventsfeiern für die Seniorinnen und Senioren in der Evangelischen Kirchengemeinde Moers-Scherpenberg sind, wird die Handarbeitsgruppe längst alles parat haben: 300 dekorative Gläser, verziert mit Tannennadeln, roten und goldenen Bändern, und dann eben mal ein Glöckchen, mal Walnüsse, mal ein anderes Extra. Gläser, die zunächst die Tische bei der Feier zieren und die die Eingeladenen dann als Geschenk mit nach Hause bekommen.

Neun Tage vor den Feiern. Neun Uhr morgens. 14 Frauen haben sich im Gemeindehaus versammelt, bremsen zunächst noch ihren Elan, weil ein Geburtstag mit Häppchen nachgefeiert wird. Aber dann. Dann beginnt die gemeinsame Arbeit. Glocke oder Kugel oder Nuss. An diesem Morgen helfen die meisten aus der Handarbeitsgruppe mit bei den Deko-Gläsern. Die anderen fahren mit Handarbeiten fort. Schließlich sind die Seniorenfeiern auch der nächste Verkaufstermin für ihre Pullover und Pullunder, Socken, Puppen und Tischdecken, die die Gruppe (nicht nur) in der Adventszeit verkauft.

 

 

Mehrere Frauen aus der Handarbeitsgruppe häkeln und sticken mit großer Erfahrung. LupeMehrere Frauen aus der Handarbeitsgruppe häkeln und sticken mit großer Erfahrung.

Änne Eckert strickt an einem Kinderpullunder, hellblau wie ihr eigener Pulli. "Die Gemeinschaft, die wir hier haben, ist sehr schön", sagt die 72-Jährige. Die 14 Frauen sitzen um sechs Tische. In den Regalen stapeln sich ihre Materialien: Wolle, Garn, "Teddy-Stoff", "Trödel" und "Stricknadeln gerade" - die Kisten und Kästen sind ordentlich beschriftet.  

Elsbeth Heyermann ist 70 und erklärt, was sie an dieser Gruppe mag: "Die Damen hier gefallen mir gut." Und weil mehrdeutige Antworten einfach mehr Spaß machen, fährt sie fort: "Wissen Sie, ich war 45 Jahre im Kindergarten." Die Rentnerin ist gelernte Kinderpflegerin, hat ab dem 18. Lebensjahr immer gearbeitet, immer in Nachbarorten, und findet es heute schön, dass sie endlich mal Kontakt in ihrer eigenen Gemeinde hat.

Neben ihr sitzt... "Barbara Zorn wie Zorn und ich wohne auf der Ernststraße. Bei uns gibts nichts zu lachen". Die 64-jährige Büro-Kauffrau liebt den Kreuzstich, verziert damit Tischdecken, Läufer, Deko-Bänder. Nur an diesem Morgen macht sie eine Ausnahme und hilft bei den Deko-Gläsern für die Seniorenfeiern.

Sozialer Zweck

"Ich handarbeite auch zu Hause. Hierher komme ich für den sozialen Zweck", erläutert Barbara Zorn. Denn: Der Verkaufserträge aus den Geschenkedöschen, Topflappen und Weihnachtskarten, die in der Gruppe entstehen, fließen in die Gemeindearbeit. 10 Euro kostet ein  Paar ausgefallene Bett-Socken, 45 Euro die grüne Tischdecke mit einem gestickten Stern in der Mitte und gehäkelten Rändern.

Nicht jeden Dienstag wird so viel geflachst. Änne Eckert: "Wir sind nicht immer so aufgedreht." Außerdem findet, wer persönlich Sorgen hat, hier immer eine, die zuhört. Und: "Wer mal nicht ganz so gut drauf ist, findet Trost."

Sogar mit Logo

Gaby Loogen, eine von zwei Frauen, die mit Rollator hierher kommen, verwurstet erst Wollreste in Babysöckchen und klebt dann Etiketten auf Marmeladengläser. Die Gruppe besteht zwei Jahrzehnte und wird immer professioneller. Etiketten und Preisschilder kommen mittlerweile aus Loogens PC - mit Logo der Handarbeitsgruppe.

Viele liturgische Gegenstände in Moers-Scherpenberg sind "gestrickt". Damit meint Gemeindepfarrer Martin Gres, dass sie nur mit Hilfe der Erlöse aus der Handarbeitsgruppe finanzierbar waren. Antependien aus der Werkstatt für Paramentik in Kaiserswerth besitzt die Gemeinde. Erlöse in vierstelliger Höhe erzielt die Gruppe jährlich. Sie verkauft zu Advent und Weihnachten, aber auch zu Ostern und im Herbst. Im kleinen Gemeindesaal sind die Produkte in offenen Schränken ausgestellt.

Zur Ehre Gottes und für den Kontakt

Ein Aufzug für die Kirche, eine behindertengerechte Toilette im Gemeindehaus - ihren Beitrag gibt die Handarbeitsgruppe auch zu anderen Vorhaben. "Wir hätten es nicht geschafft ohne Spenden", so Pfarrer Gres. Die Handarbeitsgruppe nennt er eine unverzichtbare Gruppe in der Gemeinde. Und eine "Gruppe zur Ehre Gottes und um Kontakt zu haben". 

"Jetzt arbeiten wir für eine neue Küche. Dem eifern jetzt alle entgegen", erklärt Marga Ueltgesforth. Die gelernte Damenschneiderin leitet die Gruppe. Die sich nun, nach knapp zwei Stunden, langsam auflöst. Einige sind spülen gegangen. Eine Frau kehrt. Und Gaby Loogen erzählt, dass die Entdeckung dieser Saison Hundertwasserwolle ist, farbenfrohe, an den Maler Hundertwasser erinnernde Wolle. Die Gruppe hat im November beim Martinsmarkt zum aller ersten Mal Stricksocken aus Hunderwasserwolle angeboten. "Die sind weggegangen wie nichts."

 

 

neu / 28.11.2007

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 28. November 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 30. November 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.