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10. Asylrechtstagung

Migration ist ein Menschenrecht

Ein weiteres wichtiges Thema der Tagung: Die internationale Arbeit der CIMADE - eine Organisation, die sich in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes in Frankreich gegründet hat - und heute weltweit agiert.

Die Rechte der Frauen - ein wichtges Thema der 10. Europäischen Asylrechtstagung Die Rechte der Frauen - ein wichtges Thema der 10. Europäischen Asylrechtstagung

Mitarbeitende der CIMADE stellten ihre internationale Arbeit vor, die auf Erfahrungen aus der Zeit der Besetzung Frankreichs durch das nationalsozialistische Regime basiert und zunächst Flüchtlingen half, aus dem besetzten Gebiet des Vichy-Regimes zu fliehen. Heute arbeitet die CIMADE in ganz Frankreich in der Flüchtlings- und Migrationsarbeit und hat sich hohes Ansehen erworben – auch auf staatlicher Ebene.

Anne Sophie Wender berichtete über die internationale Arbeit der CIMADE. In ihrem Beitrag ging sie besonders auf die Gesetzgebung in der EU und deren Auswirkungen auf Länder in Afrika ein. Ihr Plädoyer richtete sich an die Europäische Kommission, Möglichkeiten zur legalen Migration zu schaffen, damit Menschen nicht gezwungen sind unter Einsatz ihres Lebens nach Europa zu gelangen.

David Brown erzählte von derArbeit der internationalen Gemeinde und von der konkreten Hilfestellung für Flüchtlinge. Sie kommen zu Fuß, auf Pick-Ups, per Boot und suchen nur eines: Arbeit und Brot. Wenn es über Jahre nicht geregnet hat, subventionierte Nahrungsmittel aus dem Eu-Bereich die eigene Produktion unverkäuflich machen oder die großen Fangflotten vor den Küsten West-Afrikas den nationalen Fischern die Lebensgrundlage entziehen, bleibt nur eins: der Marsch nach Norden. Sie kommen unangemeldet und unerwünscht nach Marokko oder Mauretanien oder Tunesien und suchen nach einer Möglichkeit, das Mittelmeer oder den Atlantik zu überwinden und in Europa Unterschlupf zu finden.

Viele stranden, und ihr Traum von Europa zerplatzt an den Realitäten der Fluchtwege. Ein Drittel von ihnen stirbt auf dem Weg durch die Sahara, in dem großen „Gottesacker“ Mittelmeer oder im Atlantik zwischen dem afrikanischen Festland und den spanischen Kanaren. Sie gelangen irgendwie in die Beratung der internationalen Gemeinde, für die David Brown und seine Frau Julie seit einigen Jahren Verantwortung tragen. Sie erhalten als Allererstes etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf, und es sind Menschen da, die ihnen zuhören. Die Geschichten lassen in Abgründe blicken, die sich niemand, der ein geregeltes Leben führt, vorstellen kann. Die Beratung setzt deshalb bei den Fähigkeiten an, die die Menschen mitbringen. Es gibt keine Berufsgruppe, die nicht in der Lage wäre, durch Gelegenheitsarbeiten das tägliche Brot zu verdienen. Andere haben ein abgebrochenes oder nicht beendetes Studium vorzuweisen, das sie mit Hilfe von Stipendien zu Ende führen können. Die kleine Gemeinde hat in den zurückliegenden Jahren mit vergleichsweise geringen Mitteln mehr als 50 Stipendiaten gefördert, die nach Abschluss ihres Studiums in ihre Herkunftsländer zurückkehren und dort am Aufbau ihrer Gesellschaft mitwirken. Langfristig soll so ein Selbsthilfenetzwerk entstehen, das wanderungswillige Menschen ermutigt, sich nicht auf den unsicheren Weg der illegalen Migration zu begeben.

Das Engagement von David Brown ist seinem christlichen und amerikanischen Hintergrund geschuldet. Er versteht es, sein Gegenüber für die Sache der Migrantinnen und Migranten zu gewinnen. Die Tagung wird deshalb durch eine Theater- und Musikgruppe bereichert werden, bei der Flüchtlinge und Migranten ihr Schicksal in Szene setzen. Für viele ist diese Form des Ausdrucks leichter und überzeugender als ein mündlicher Vortrag. David Brown wäre nicht David Brown, wenn er nicht versuchen würde, die
Tagungsteilnehmenden aufzufordern, durch einen eigenen Beitrag das Studienprogramm zu unterstützen.

 

 

Frauenhandel in die Prostitution ist ein Verbrechen

Auf eindrückliche Weise schilderte Andrea Hitzke von der „Dortmunder Mitternachtsmission“, ein höchst erfolgreiches Projekt aufsuchender Sozialarbeit. Ihr Beitrag umfasste den Bereich „Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung“. Der Zusammenbruch der politischen Strukturen und ökonomischen Systeme in Ost-Europa, aber auch die Öffnung der EU-Grenzen haben auch im Bereich der Prostitution gravierende Auswirkungen. Frauen, die durch die organisierte Kriminalität nach West-Europa „gehandelt werden“, sind oft Gesprächspartnerinnen in den Beratungsstellen, die von der evangelischen Kirche getragen werden.

Über Streetwork und persönliche Ansprache werden Vertrauenslinien aufgebaut, um den Frauen Hilfen anbieten zu können. Exemplarisch und höchst erfolgreich wurde mit Unterstützung von EU-Geldern das Projekt „profrida“ durchgeführt, in dem Frauen in der Prostitution Qualifizierung für den ersten Arbeitsmarkt angeboten wurde. Zunehmend lässt sich in der Beratungsarbeit feststellen, dass insbesondere Minderjährige aus Afrika in die Prostitution geschleust werden. Die Kontaktaufnahme und Unterstützung gestaltet sich zunehmend schwierig, da die Prostitution von Minderjährigen vorrangig in Hinterzimmern von Gaststätten und in Wohnungen angeboten wird. Dieser Personenkreis benötigt auf Grund des Alters besondere Hilfsangebote. Dass die Arbeit der „Dortmunder Mitternachsmission“ in vielerlei Hinsicht vorbildlich ist, zeigte sich angesichts der vielfältigen Verbindungen und Netzwerke, die dazu beitragen, die Anliegen von Opfern der Zwangsprostitution wirksam zu unterstützen.

Prävention beginnt in den Herkunftsländern

Die Ukraine gehört zu den Ländern, aus denen eine große Zahl von Frauen, Mädchen und Jungen nach West-Europa gehandelt wird. Für eine regionale NGO aus Zhytomyr ergriffen Olga Antonyuk und Veronika Myshkivska das Wort. Sie versuchen, in ihrer Präventionsarbeit mit dem Medium der Comedia dell´Arte die Fallen der Anwerbung und die Vorgehensweise von Schleppernetzen sowie die sich daraus ergebenden Folgen für Mädchen und Frauen öffentlich sichtbar zu machen. Ihre Haupttätigkeitsfelder sind deshalb Schulen und Universitäten, in denen gezielt unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Frauen und Mädchen für die Zwangsprostitution rekrutiert werden. Dass dieses Bemühen ein dorniger Weg ist, zeigt sich allein schon daran, dass es in der Ukraine zwar gesetzliche Bestimmungen  gegen Menschenhandel und Prostitution gibt, aber in der Realität immer wieder Behörden und Polizei mit den Netzwerken internationaler Schlepper kooperieren. Die NGO in Zhytomyr ist Teil des im Februar in Paris gegründeten Netzwerks „Le Pont“, das sich zum Ziel gesetzt hat, NGOs in West- und Ost-Europa miteinander zu verbinden, die in der Arbeit mit Opfern sexueller Gewalt und der Präventionsarbeit tätig sind. Ein weiteres Ergebnis der Tagung in Paris war es, den Kontakt zu entsprechenden NGOs in Afrika zu suchen, was im Verlauf der Tagung zu gelingen scheint. Die Teilnahme am 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln im Juni 2007 hat diese Absicht weiter verstärkt und notwendige Kontakte in die Arbeitsfelder der evangelischen Kirche vertieft.

Das Internetteam

Maike Lüdeke-Braun, Rita Kühn, Jörn-Erik Gutheil und Martin Horzella

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Sonntag, 9. September 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 10. September 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.