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Frauenversammlung

Wenn Frauen walten

Feministische Theologie, Gleichstellungsgesetz, Verbesserung der eigenen Arbeit: im Bonner Haus der Kirche tagte das zentrale frauenpolitische Gremium der EKiR, die Frauenversammlung

Rhein im Spiegel: die Frauenversammlung während ihrer Tagung im Haus der Kirche in Bonn. Rhein im Spiegel: die Frauenversammlung während ihrer Tagung im Haus der Kirche in Bonn.

"Wer nur den lieben Mann lässt walten", singen die Frauen. Nur Frauen. "Und seiner Führung blind vertraut." Na, die dürfte doch wohl verloren sein, im günstigsten Fall von Schwestern behutsam aufgefangen werden. Denkste. So geht der Liedtext weiter: "Hat keine Sorgenfalten und lange schöne Haut." Natürlich stand der Frauenversammlung in Bonn nicht nur der Sinn nach Ironie. Vielmehr arbeitete sie die Jahresberichte ihres Beirats und Frauenreferats durch, wählte zwei neue Beiratsmitglieder (Dagmar Löhr und Mechthild Walsdorf) und begab sich mit Hilfe einer Trainerin und Gestaltübungen in einen Prozess der Neuorganisierung ihrer Arbeit. Nicht ohne auflockerndes Singen. "Wer nur den lieben Mann lässt denken und folgt ihm wie dem Speck die Maus, kriegt Kinder ohne nachzudenken, dazu von Wüstenrot ein Haus."

 

Gut gesammelt: Vorschläge für künftige Handlungsfelder der Frauenversammlung. Gut gesammelt: Vorschläge für künftige Handlungsfelder der Frauenversammlung.

Feministische Theologie auch im Religionsunterricht in der Schule. Fortentwicklung der Zeitschrift "rheinweiber". Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Das sind nur drei Themen, die den Beirat des Frauenreferats der EKiR beschäftigt hat, wie Beirätin Helga Seelbach der Frauenversammlung berichtete.

Über den Stand der Dinge beim Gleichstellungsgesetz und ihr Amt als Gleichstellungsbeauftragte berichtete die juristische Frauenreferentin Petra Kelp. Ein "großer Schritt vorwärts" sei die erste Fortbildung für die neuen Gleichstellungsbeauftragten in Kirchenkreisen und Einrichtungen gewesen. Die Gruppe habe verabredet, sich zwei Mal im Jahr und zusätzlich in regionalen Gruppen zu treffen. Ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte im Landeskirchenamt werde sehr ernst genommen, berichtete Petra Kelp der Versammlung. Andererseits benötige sie in etwa ihre halbe Arbeitszeit für diese Aufgabe - Zeit, die für andere Aktivitäten einer juristischen Frauenreferentin wegfalle.

Auf die zunehmende Verankerung von Feministischer Theologie in den rheinischen Kirchengemeinden kam die theologische Frauenreferentin Mieke Korenhof zu sprechen. Der "Grundkurs Feministische Theologie" sei gefragt. Auch die Dozentur für Feministische Theologie an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal und die Arbeit an der Einflechtung der Feministischen Theologie in den Prüfstoff der theologischen Examina verbuchte sie als positive Entwicklungen.

Delegierte berichteten aus ihren Kirchenkreisen und Einrichtungen. Oberkirchenrätin Petra Bosse-Huber skizzierte die Perspektive der Frauen, auf die sie unter anderem bei der landeskirchlichen Umstrukturierung, der Förderung des Ehrenamts und der Entwicklung der künftigen Medien in der EKiR achte. Andere Frauen sprachen den Mirjam-Sonntag, vakante Stellen für Frauenbeauftragte und Fragen der Frauenförderung an.

 

 

Auftakt mit Andacht: die Frauenversammlung. Auftakt mit Andacht: die Frauenversammlung.

Die große Bandbreite der Themen führte die Organisationsentwicklerin Heidi Rosenstock den Teilnehmerinnen zu Beginn ihres Inputs zur Verbesserung der Arbeit der Frauenversammlung noch einmal vor Augen. Weniger ist mehr? Die Organisationsentwicklerin lockte die Versammlung weg von den Sitzplätzen an Tischen hin zu Gestaltübungen. Die Frauen bildeten zunächst - ganz nach persönlicher Vorliebe - Gruppen zu Themen wie Ehrenamt, Gleichstellung, Mirjam-Sonntag, Feministische Theologie, Stellen. Die nächsten Übungsschritte: Die Gruppen hatten zu ihrem jeweiligen Thema nur ein konkretes Ziel zu formulieren. Was sie ein Jahr später dann zu feiern hätten, das erzählten sich die Gruppen schließlich. Zum Beispiel: Eine Gruppe hatte erreicht, dass jede rheinische Kirchengemeinde eine Teilnahme am Grundkurs Feministische Theologie finanziert. Eine andere Gruppe hatte erreicht, dass sich alle 46 Superintendentinnen und Superintendenten das Gleichstellungsgesetz zu eigen gemacht haben und in ihren Kirchenkreisen das Gesetz angewandt wird. Eine dritte Gruppe hatte es vermocht, dass der landeskirchliche Finanzausschuss nicht nur eine Frau zur Vorsitzenden bekommen hat, sondern dass auch alle Mitglieder ein Gender-Training durchliefen.

Rosenstock hielt den Frauen die Größen der Gruppen vor Augen: einige sehr klein, andere sehr groß. Hieraus könne die Frauenversammlung den Schluss über die Prioritäten ihrer Anliegen ziehen. In einer zweiten Gruppenarbeit ging es um die Frage, ob es eine kirchenpolitische Frauenkultur in der EKiR gibt. Die Vorschläge, auf Plakaten gesammelt, waren ihrerseits vielfältig, manche strittig. "Frauen schaffen Atmosphäre" meinte eine Gruppe ("Ja, ja, sie dekorieren so schön", meckerte eine Frau). Mit "Oho" und Beifall quittierten Frauen diesen Vorschlag: "Frauenkultur ist ganzheitlich, antihierarchisch und vernetzt". Außerdem sei sie dialogisch, institutionskritisch und flexibel. Wieder andere meinten: Sie ist sach- und zugleich beziehungsorientiert.

Organisationsentwicklerin Rosenstock lenkte die Versammlung in eine Diskussion darüber, welche Frauenkultur die Versammlung wünscht und welche Verabredungen sie darüber trifft. Dafür gab es Zustimmung: "Ich wünsche mir, dass wir zielgerichteter arbeiten", meinte eine Teilnehmerin. Aber ein bisschen ihrer Anarchie soll auch bewahrt bleiben, so eine andere Frau. Ähnlich eine weitere, die den "Börsencharakter", den Austausch nicht missen will. Wieder eine andere warnte davor, Frauenanliegen in der Kirche nicht gut genug durchzusetzen. Fazit, sprich die Verabredung: Die Frauenversammlung will zwar dem Austausch untereinander weiter Raum geben, aber auch an mehreren Themen arbeiten, insbesondere am Thema Ehrenamt.

 

24.05.2003

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 27. Mai 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 27. Mai 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.