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Gedenkgottesdienst

„Aber bitte keine Heldenstory“

Klaus Lohmann, einst Pastor der Bekennenden Kirche, wäre am Sonntag, 24. Januar, 100 Jahre alt geworden. Trierer Gemeinde feiert Gedenkgottesdienst.

Ebba Hagenberg-Miliu

Ebba Hagenberg-Miliu

Der 2002 in Bonn Verstorbene war einer der evangelischen Pfarrer im Rheinland, die auch während der mörderischen Nazi-Diktatur ihre Glaubensfestigkeit bewiesen. Über seinen Bonner Theologieprofessor, den legendären Karl Barth, hatte der 1910 in Koblenz geborene Pfarrerssohn Klaus Lohmann den Weg in die Bekennende Kirche gefunden. In der hart bedrängten Bekennenden Gemeinde Triers war er 1938 und 1939 als Hilfsprediger eingestiegen.

Kurz nach dem Novemberpogrom traute er sich von der Kanzel aus der Juden als „Christi Brüder und somit auch unsere Brüder“ zu gedenken. Er mahnte sogar, „dass alle Völker sich vor Gott verantworten müssen“. Die Gestapo schrieb fleißig mit. Daraufhin hatte Lohmann in endlosen Verhören für sich und seine junge Familie zu fürchten.

Lohmann als Pensionär in seinem Arbeitszimmer in Bonn-Bad Godesberg 1999

Lohmann als Pensionär in seinem Arbeitszimmer in Bonn-Bad Godesberg 1999

„Ich werde laufen gelassen – für wie lange?“, schrieb er ins Tagebuch. „Aber bitte keine Heldenstory – ich hatte oft Angst“, kommentierte er diese Zeit später. Um rückblickend mit sich selbst ins Gericht zu gehen: „Hätte ich doch mehr Zivilcourage gehabt. Aber dann wäre ich wohl nicht mehr unter den Lebenden. Und zum Märtyrer hatte ich wohl nicht das Zeug.“ Der Pastor, dem die Gestapo bald ein Dutzend Verfahren anhängte, rettete sich erst mal durch die Einberufung in die Kriegsmarine.

Wo er wiederum Traumatisches erlebte. Lohmann ist einer der Zeitzeugen, die Walter Kempowski in seinem dokumentarischen „Echolot“-Projekt zu Wort kommen ließ. Und der kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf einem Marine-Begleitboot noch Augenzeuge einer widerrechtlichen Erschießung junger Matrosen wurde und daraufhin Prozesse gegen die willkürliche Militärgerichtsbarkeit ins Rollen brachte. Lohmann als Pastor der Bekennenden Gemeinde Trier 1938.

Lohmann als Pastor der Bekennenden Gemeinde Trier 1938.

Das ließ ihn Zeit seines Lebens nicht mehr los: „Wir Lebenden sollten den Mut haben, die Dinge von damals im rechten Licht zu sehen. Nur dann hat das Wort von Vergebung seine Gültigkeit“, schrieb er 1995. Und vertrat das auch von der Kanzel aus auf seinen Pfarrstationen in Bergneustadt, Düsseldorf und Bonn-Bad Godesberg. Der große, hagere, ernste Mann mit der sonoren Stimme war Jahrzehnte ein glaubwürdiger, auch mal zweifelnder Pfarrer. Nach dem in Trier inzwischen sowohl eine Straße als auch ein Gemeindezentrum benannt wurde.

Die evangelische Gemeinde Trier gedenkt am Sonntag, 24. Januar, ab 10 Uhr im Caspar-Olevian-Saal, Willy-Brandt-Platz 3, in einem Gottesdienst ihres mutigen Pastors. Auch die Evangelische Studenten- und die Katholische Hochschulgemeinde Trier veranstalten am Dienstag, 2. Februar, um 19 Uhr Im Treff 19 einen Lohmann-Abend.

ekir.de / Ebba Hagenberg-Miliu / 05.02.2010