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Geldtransfers sind teuer.

Geldtransfers sind teuer.

Auslandsüberweisungen

Bank essen Hilfe auf

Pedro Morazán kennt das Problem aus eigener Erfahrung: „Wenn ich meiner Mutter Geld überweise, zahle ich 11 Euro und sie 12 Euro, gleich wie hoch der Betrag ist.“ Und der Wechselkurs von Euro zu Lempira, die Währung in Honduras, „ist nicht nachvollziehbar“, schiebt er nach. Was es bräuchte: "Geldtransfair".

Dr. Pedro Morazán vom Südwind-Institut.

Dr. Pedro Morazán vom Südwind-Institut.

Dr. Pedro Morazán arbeitet im Bonner Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene. Es setzt sich für wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit ein. Mehr als 100 seiner institutionellen und weitere persönliche Mitglieder kommen aus der Evangelischen Kirche im Rheinland. Morazán stammt aus Honduras, seine Mutter lebt in der Hauptstadt Tegucicalpa. Und ein Thema, das ihn beruflich beschäftigt, sind Heimatüberweisungen von Migrantinnen und Migranten.

Aufnahme während des Raiffeisen-Kongresses in Bonn.

Aufnahme während des Raiffeisen-Kongresses in Bonn.

Denn was innerhalb von Europa wie selbstverständlich klappt, nagt am Einkommen von Menschen aus Lateinamerika, Asien und Afrika. Wenn zum Beispiel eine der gesuchten philippinischen Krankenschwestern mit ihrem nicht gerade üppigen Gehalt 150 Euro an ihre Familie schicken will, zahlt sie dafür schnell 10 und 20 Euro.

Heimatüberweisungen in ferne Länder kosten nach Informationen der Weltbank im Schnitt um die sieben Prozent des Betrages. Richtig teuer werden sie in afrikanische Länder südlich der Sahara. „Von Südafrika nach Mosambik zahlen Sie um die 20 Prozent“, sagt Morazán. Die Lage im Land ist unsicher, das Bankennetz dünn, so dass einheimische Banken oft keine oder nur wenige Partner haben.

Das Geldwäschegesetz von 2011 legt zusätzliche Steine in den Weg. Es soll Betrug und Terrorfinanzierung verhindern, aber es macht auch private Überweisungen umständlich. Deutschland ist dadurch nach Großbritannien zum zweitteuersten Überweisungsland in Europa geworden.

Transferbank verpflichtend

Das Gesetz hat zum Beispiel dazu geführt, dass Banken, von denen aus viele Migranten Geld überweisen, keine Korrespondenzbanken in den Empfängerländer haben. So geht es auch Morazán selbst. Seine Bank muss mit einer Transferbank in den USA zusammenarbeiten, damit sein Geld nach Honduras gelangt.

Dabei ist die Unterstützung der Angehörigen für die Menschen wichtig. In Erdbebengebieten wie Haiti und Nepal macht sie um die 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Und sie bestreitet oft den größten Teil des Einkommens der Empfänger.

"Arme Menschen senden armen Menschen Unterstützung“

Die meisten Geldüberweisungen aus Deutschland gehen in den Libanon, der zugleich eins der wichtigsten Aufnahmeländer für Flüchtlinge im Nahen Osten ist. Insgesamt überweisen Menschen weltweit 466 Milliarden US-Dollar in den globalen Süden.

Die Summe liegt dreimal so hoch wie die gesamte Entwicklungshilfe der Industrieländer. „Man muss im Auge behalten: Da schicken arme Menschen armen Menschen Unterstützung“, sagt Morazán.

Digitale Überweisungen gewinnen an Bedeutung

Das Problem ist erkannt. Überweisungen sollten nach der „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen nicht mehr als drei Prozent kosten. Aber die Lösung braucht Zeit und viele Wege. Digitale Überweisungen gewinnen derzeit an Bedeutung, weil sie kein dichtes Bankennetz fordern.

Morazán setzt auch auf Lösungen, so wie sie der Genossenschaftspionier Friedrich-Wilhelm Raiffeisen initiiert hat, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Er schloss die Notleidenden erfolgreich zu Genossenschaften zusammen, damit sie ihre Notlage selbst anpackten. So können nach Morazáns Vorstellungen neue, verlässliche Partner für Banken im globalen Norden entstehen.

ekir.de / Wolfgang Thielmann, Fotos Meike Böschemeyer / 30.07.2018


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