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Beim Gedächtnistrainingskurs in Erkrath geht es um logisches Denken, Gesprächsführung und das gezielte Training beider Gehirnhälften.

Beim Gedächtnistrainingskurs in Erkrath geht es um logisches Denken, Gesprächsführung und das gezielte Training beider Gehirnhälften.

Bildung und evangelische Kirche 5

Das Aha-Erlebnis beim Gedächtnistraining

Einmal im Monat trifft sich in Erkrath der Gedächtnistrainingskreis. Neun Seniorinnen und Senioren zwischen 65 und 95 Jahren sitzen dann in heiterer Runde zusammen – zum Tüfteln, Entdecken und Plaudern.

Stein-Schlag. Schlag-Baum. Baum-Obst… Im Sekundentakt werfen die Damen im Gemeindezentrum am Niermannsweg in Erkrath die Begriffe in den Kreis. Als müssten sie kaum überlegen, gehen ihnen die Worte über die Lippen. Die Regeln sind den Damen längst vertraut: Den zweiten Teil eines Wortes übernimmt der Sitznachbar und setzt ein eigenes Wort zusammen. „Wir dürfen uns aber nicht einfach einen Begriff ausdenken“, sagt Christel Lobert, „da sind wir schon genau.“ Und dann geht die Runde heiter weiter. Es ist eine Art Aufwärmübung, mit der die Damen im Gedächtniskreis sich in Schwung bringen.

Gedächtnistraining und Bewegung gehören zusammen

„Wir laufen uns warm“, sagt Christel Lobert, die den Kreis seit 28 Jahren leitet, „jetzt kommt der Kopf in Bewegung“. Die Voraussetzungen dafür haben die neun Damen im Sitzkreis bereits geschaffen – als sie zu Beginn die Sorgen des Tages abgeschüttelt, den Klängen der Musik gelauscht und sich dazu bewegt haben. „Gedächtnistraining und Bewegung gehören schließlich zusammen“, sagt Christel Lobert. Und deswegen beginnt jede Stunde des heiteren Gedächtniskreises in Erkrath mit Bewegung. „Jeder so, wie er es kann“, betont die Kursleiterin. Dabei gehe es nicht um Leistungssport, sondern darum, den Kopf frei zu bekommen.

Mit Erfolg. Als die Damen schließlich zusammen am Tisch sitzen, gehen ihnen viele Rätsel und Wort-spiele leicht von der Hand. Christel Lobert hat inzwischen Rätselzettel ausgeteilt, auf denen die Hauptstädte europäischer Staaten abgefragt werden. Die Damen rätseln, graben in ihren Erinnerungen und werden fündig. „Wir freuen uns über jedes Aha-Erlebnis“, erzählt Christel Lobert.

Heitere Stimmung und gute Gemeinschaft sind wichtig

Als sie dann mit den Teilnehmerinnen ins Gespräch kommt über die Ergebnisse auf dem Rätselzettel, entspannt sich ein kleines Gespräch – über Reisen und Erinnerungen. „Wir lernen spielerisch“, erklärt Christel Lobert. Und deswegen sei es ihr so wichtig, dass die Stimmung heiter und die Gemeinschaft gut ist, dass die Damen in lockerer Runde zusammenkommen und kein Druck entsteht. Natürlich sei ein bisschen Ehrgeiz dabei, räumt sie ein. Aber jede bekomme die Zeit und den Raum, den sie brauche. Vorsagen ist verboten. Wer sich Unterstützung wünscht, der bekommt sie.

Genauso hatte sich Christel Lobert das Angebot vorgestellt, als sie vor 28 Jahren mit dem Gedächt-niskurs in der Evangelischen Kirchengemeinde in Erkrath an den Start ging. Damals arbeitete sie noch als Gemeindeschwester für die Diakoniestation und erlebte, wie Menschen etwa nach der Trauerbegleitung alleine zurückblieben.

Vor allem Frauen nehmen am Gedächtnistraining teil

Sie wünschte sich ein Angebot, das diese Menschen auffangen und raus aus der Ernsthaftigkeit des Alltags holen würde, das sich als neuer Treffpunkt in der Gemeinde entwickeln könnte. Damals bot sie den Seniorentanz an. Als sie auf einer Fortbildung dann das Gedächtnistraining nach Dr. Franziska Stengel kennenlernte, war sie begeistert. Sie knüpfte Kontakt zum Bundesverband Gedächtnistraining und war schließlich überzeugt von der Idee, mit einem regelmäßigen Training die Gehirnleistungen in Schach zu halten – auch mit Blick auf das Älterwerden. Und das Angebot überzeugte.

Vor allem Frauen zwischen 65 und 95 Jahren nehmen heute am Gedächtnistrainingskurs in Erkrath teil. Sie widmen sich dem logischen Denken, der Gesprächsführung und dem gezielten Training beider Gehirnhälften. Anderthalb Stunden sitzen die Damen zusammen, nehmen Zungenbrecher unter die Lupe, bilden Wortpaare, lauschen den Geschichten von Christel Lobert, die anschließend Fragen stellt. Manchmal widmen sich die Teilnehmerinnen auch Kindheitserinnerungen. Und hin und wieder steht Besuch an – wenn zum Beispiel Pfarrerin Gisela Kuhn zu Gast ist. Zum Abschluss gibt es Kaffee und Kekse und Geselligkeit. Und wer mag, der nimmt Hausaufgaben mit und rätselt zu Hause weiter.

Ohnehin zieht das Gedächtnistraining längst Kreise bis in den Alltag. „Durch das Training fällt es mir viel leichter, Zusammenhänge zu erkennen“, erzählt Christel Lobert. Ob bei Quizsendungen oder beim Einkaufen: Das Gehirn sei es inzwischen gewöhnt, Lösungen auch mal auf Umwegen zu finden.

Info
Die ARD-Themenwoche 2019 trägt den Titel „Zukunft Bildung“ und beschäftigt sich vom 9. bis 16 November mit den vielfältigen Aspekten dieses zentralen Aspekts des menschlichen Lebens. Eine Programmübersicht finden Sie hier.

Einen kompakten Überblick über das evangelische Verständnis von Bildung bieten die Leitlinien für die Bildungsarbeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

ekir.de / Theresa Demski, Foto: Pixabay / 13.11.2019


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