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Kirchenköpfe

Eine mutige Pionierin

Ilse Peters (1893 - 1980), erste Professorin für Religionspädagogik in Deutschland,  hat nun einen Platz im Düsseldorfer Landeskirchenamt. Ihr Porträt schmückt eine Wand in der ersten Etage. Erstellt hat es der Künstler Roman Olichowski nach einem Foto aus dem Jahr 1914. Es zeigt die damals 21-Jährige als Studentin in Berlin.

Ilse Peters war seit 1930 die erste Professorin für Religionspädagogik in Deutschland. Die Theologin, die von den Nationalsozialisten aus ihrem Lehramt verwiesen wurde, erwarb sich große Verdienste bei der Entwicklung von Lehrplänen für den evangelischen Religionsunterricht.

Oberkirchenrätin Henrike Tetz, Leiterin der Abteilung Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt, würdigte bei der Einweihung Ilse Peters Lebensweg als Pionierin und widmete sich drei Linien ihres Lebens: ihr mutiges Bibelstudium und ihre daraus resultierende Einsicht, dass Jesus als Jude wahrgenommen werden müsse,  ihre Kapitalismuskritik und die Überzeugung, dass Menschen nicht wirtschaftlichen Mächten unterworfen werden sollen, sowie ihren Einsatz für ganzheitliche Bildung und ihren grundsätzlichen Blick auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler.

Ilse Peters wurde am 10. März 1893 in Bad Kreuznach geboren. Ihr Vater war Gymnasialprofessor. Sie ging in Düsseldorf zur Schule und machte 1911 das Abitur in Moers. Danach studierte sie Germanistik und evangelische Theologie in Rostock, Marburg, Zürich und Berlin. In Marburg legte sie 1917 das erste Staatsexamen für das Lehramt ab, in Koblenz das zweite Staatsexamen.

1933 wurde Peters als Vierzigjährige in den Ruhestand versetzt

Nach einer ersten Anstellung in Essen wurde sie 1929 an die Pädagogische Akademie  Dortmund berufen. Hier unterrichtete sie als Dozentin und seit 1930 als Professorin evangelische Theologie für angehende Volksschullehrer. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Peters im März 1933 aus dem Amt entlassen und am 1. September 1933 in den Ruhestand versetzt. Aufgrund der NS-Rassengesetze galt sie als sogenannte Halbjüdin.

In der Schulkammer der Bekennenden Kirche fand sie eine neue Aufgabe und arbeitete an dem didaktischen Konzept eines „kircheneigenen Religionsunterrichts“ mit, der die Jugendlichen gegen die NS-Ideologie rüsten sollte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ilse Peters Ende 1945 wieder als Professorin für evangelische Religion und Methodik des Religionsunterrichts in die neu gegründete Pädagogische Akademie Kettwig eingestellt. Obwohl in der Geschichtsschreibung oft vergessen, gab sie wesentliche Impulse zur Ausgestaltung des Konzepts der Evangelischen Unterweisung.

Die Neugestaltung der Beziehung zwischen Christen und Juden war ihr Anliegen

Auf der Grundlage ihrer Erfahrungen in der Bekennenden Kirche arbeitete sie seit 1946 an der Entwicklung eines Lehrplans für Evangelische Unterweisung mit, der auch eine Neugestaltung der Beziehung zwischen Christen und Juden als Thema christlich verantworteter Bildung beinhaltete. Dabei setzte sie sich auch gegen den Widerstand vieler Fachkollegen durch. Mit verschiedenen Überarbeitungen galt der Lehrplan bis in die 1960er Jahre.

Von 1947 bis 1958 war Ilse Peters stellvertretendes Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Religionspädagogin gehörte außerdem zu den Gründern der Gemeinschaft evangelischer Erzieher (1947) und war Herausgeberin der Zeitschrift „Pädagogische Rundschau“. 1958, mit 65 Jahren, wurde sie pensioniert. Ilse Peters starb 87-jährig am 27. November 1980 in Hilden.

Ilse Peters Porträt im Landeskirchenamt ist der siebte von geplanten zwanzig „Kirchenköpfen“. Mit den Wandgemälden soll an Menschen erinnert werden, die die evangelische Kirche geprägt und verändert haben. „Schön, dass sie jetzt auch dabei ist“, schloss Vizepräsident Dr. Johann Weusmann die Präsentation des Peters-Porträts. Damit sei ein weiteres Stück rheinische Kirchengeschichte festgehalten.

ekir.de / uks, cs, Video: Marcel Kuß / 09.03.2018


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