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Oberkirchenrätin Barbara Rudolph

Barbara Rudolph ist hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Sie ist Leiterin der Abteilung 1 (Theologie und Ökumene).

Politikerreise nach Israel

„Kommt und seht“: Engagement in Nahost weiter gefragt

Israelis und Palästinenser brauchen nach Einschätzung von Oberkirchenrätin Barbara Rudolph weiterhin Unterstützung und Solidarität aus Deutschland. „Die Aufgabe sowohl der Politik als auch der Kirchen ist, immer wieder hierher zu kommen und auszuhalten, dass dieser Konflikt ungelöst ist“, sagte sie am Ende einer Nahost-Reise.

Kann man gleichzeitig solidarisch mit Israel und mit den Palästinensern sein?

 

Barbara Rudolph: Ich glaube, es geht nicht anders. Diese beiden Völker sind hier – ob sie es wollen oder nicht – trotz aller Trennungen so miteinander verwoben, dass man nur etwas Gutes für die Einen tun kann, wenn es auch für die Anderen gut ist. Das gilt für Unterstützung, Solidarität und das Bedürfnis von Sicherheit. Es gilt aber auch für Kritik, die Menschen auf beiden Seiten guttun kann.

 

Wie sieht das weitere Engagement der Kirchen aus?

 

Rudolph: Es gibt die schlichte Bitte der Palästinenser, die ich aber auch von jüdischen Israelis oft gehört habe: Kommt und seht! Wir müssen immer wieder kommen, immer wieder hinschauen und dürfen vor der Verwirrung keine Angst haben. „Wir schön, dass Sie gekommen sind“, haben wir oft gehört. Und zwar auf allen Seiten. Ich bedauere es, wenn Menschen in Deutschland aufgrund der Komplexität des Konflikts gleichgültig oder mürbe werden oder sich auf eine Seite schlagen in der Hoffnung, dass dies die Lösung ist. Die Aufgabe sowohl der Politik als auch der Kirchen ist, immer wieder hierher zu kommen und auch auszuhalten, dass dieser Konflikt ungelöst ist.

 

Kann aus dieser Reise eine Zusammenarbeit zwischen den evangelischen Kirchen und der nordrhein-westfälischen Landespolitik entstehen?

 

Rudolph: Wir haben ja schon an verschiedenen Stellen zusammengearbeitet, ohne es zu wissen: Wir haben beispielsweise zusammen das zweite Gästehaus von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in Jerusalem finanziert und uns für ASF eingesetzt. Das Land Nordrhein-Westfalen – das gilt parteiübergreifend – und die Landeskirchen in NRW haben sehr klare Vorstellungen, was sie fördern wollen und was ihnen wichtig ist. Wir müssen jetzt schauen, was wir künftig gemeinsam tun können. Ein zentrales Thema ist sicherlich Bildung.

 

Welche Erkenntnisse nehmen Sie für Deutschland mit?

 

Rudolph: Mich hat sehr beeindruckt, wie positiv der Direktor der Schule Talitha Kumi in Beit Dschala über religiöse Identität gesprochen hat. Die säkulare Idee, die in Deutschland mitunter als hohes Bildungsgut angesehen wird, geht vorbei an dem, was Menschen zutiefst brauchen, gerade dann, wenn es schwierig wird im Leben: nämlich eine religiöse Orientierung und einen Halt zu haben. Ich wünschte mir, dass das nicht nur Jugendliche in Palästina und in Israel sagen, sondern auch Schüler und Schülerinnen in Deutschland.

Ansonsten sollten wir den Nahost-Konflikt nicht auch in Deutschland austragen mit einer pro-palästinensischen und einer pro-israelischen Seite. Wir brauchen vielmehr Menschen, die beide Seiten verstehen und mit ihnen im Gespräch bleiben. Im Übrigen halte ich nach wie vor den Beschluss der rheinischen Kirche von 2016 für richtig, dass die Bundesregierung Palästina als Staat anerkennen sollte. Dies wäre ein ganz wichtiger erster Schritt, damit es zu ernsthaften Verhandlungen beider Seiten kommt.

 

 

Zur Person

Barbara Rudolph ist Leiterin der Abteilung 1 (Theologie und Ökumene) der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie  besuchte vom 22. bis 26. September zusammen mit NRW-Abgeordneten von CDU, SPD, FDP und Grünen sowie weiteren Vertretern der rheinischen und der westfälischen Landeskirche Projekte im Heiligen Land, die von den Kirchen unterstützt werden. Die Delegation sprach in Israel und dem Westjordanland auch mit Diplomaten, Experten und Kirchenleuten.

ekir.de / epd/Ingo Lehnick, Foto: Uwe Schinkel / 30.09.2019


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