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Seit 13 Jahren überzeugter Autofaster: Frank Schulte, Pfarrer in Ratingen, fährt mittlerweile 5000 Kilometer pro Jahr mit dem Fahrrad.

Seit 13 Jahren überzeugter Autofaster: Frank Schulte, Pfarrer in Ratingen, fährt mittlerweile 5000 Kilometer pro Jahr mit dem Fahrrad.

Autofasten

„Klimaschutz wurde Christinnen und Christen in die Wiege gelegt“

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Die rheinische Kirche ruft dazu auf, vier Wochen lang das Auto so oft wie möglich stehen zu lassen, um die Schöpfung Gottes zu bewahren. Zwei Pfarrer und eine Küsterin erzählen, warum sie „Autofasten“ und weshalb Klimaschutz zum christlichen Glauben gehört.

Pfarrer Josef Ladislav Jirasek

Pfarrer Josef Ladislav Jirasek

„Die Fastenzeit ist ein wichtiger Teil der Kirche, eine Zeit, in der man über sich selbst und sein Handeln nachdenkt“, sagt Josef Ladislav Jirasek, der seit sechs Jahren Pfarrer in der saarländischen Kirchengemeinde Brebach-Fechingen-Bliesransbach ist. Eine ebenfalls lange Tradition in der Kirche habe der Klima- und Umweltschutz. „Im Grunde genommen weisen schon die ersten Worte der Bibel darauf hin“, erklärt der 61-Jährige.

So stehe in der Schöpfungsgeschichte, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen wurde. „Damit hat Gott uns den Auftrag gegeben, seine Schöpfung zu bewahren. Das ökologische Denken wurde uns in die Wiege gelegt.“ Die Aktion „Autofasten“ sieht er deshalb als eine gute Möglichkeit, den eigenen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu hinterfragen.

Kampf gegen die Bequemlichkeit

Jirasek selbst hat das „Autofasten“ im vergangenen Jahr für sich entdeckt. Dabei war er vor seinem Wechsel in die Gemeinde als Berufsschulpfarrer am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum Halberg durchaus ein passionierter Radfahrer. Denn zur Arbeit fuhr er stets mit dem Rad. „Als Pfarrer für drei Gemeindeteile ist das mit dem Fahrrad aber bei den zahlreichen Terminen schwierig“, sagt er – und erwischt sich sogleich bei einer Sache, die viele Menschen aus Bequemlichkeit machen würden: Ausreden suchen.

„Mit Gewohnheiten zu brechen, ist schwer.“ Er selbst aber möchte genau das tun. Und so nimmt er die Herausforderung an, vom 4. März bis zum 4. April das Auto so oft wie möglich stehen zu lassen. „Mein Ziel ist es, mindestens eine Fahrt am Tag mit meinem E-Bike zu machen.“ Damit das gelingt, will er es am Gemeindebüro griffbereit abstellen.

Nahverkehr auf Land kaum eine Alternative

12.000 bis 13.000 Kilometer pro Jahr ist Jirasek dienstlich mit dem Auto unterwegs. Häufig seien es weite und bergige Strecken, die mit dem Drahtesel deutlich länger dauerten. Der öffentliche Nahverkehr sei aufgrund schlechter Anbindungen keine wirkliche Alternative. „Mir ist vor Jahren mal mein Auto kaputt gegangen. Mit dem Bus habe ich dann zirka eineinhalb Stunden nach Hause gebraucht, obwohl es eigentlich nur zehn Minuten Fahrt sind“, verdeutlicht er das Problem an einem persönlichen Erlebnis.  „Aber klar, vor allem bei kurzen Strecken ist man mit dem Fahrrad meist sogar schneller“, nimmt er sich selbst in die Pflicht, gerade hier das Verkehrsverhalten zu verändern.

„Ich bin deutlich entspannter“

Küsterin Birgit Ferrier

Küsterin Birgit Ferrier

Etwas zu ändern, daran arbeitet auch Birgit Ferrier, Küsterin in der Evangelischen Mirjam Kirchengemeinde Düsseldorf. „Ich gehe schon lange mit der Idee schwanger, das Auto öfter stehen zu lassen“, berichtet sie. Das habe auch ganz praktische Gründe. Mit dem Auto müsse sie einen Umweg zur Kirche fahren, außerdem befinde sich unweit ihres Hauses eine Straßenbahnhaltestelle. „Ich dachte irgendwann: ,Ach, mach doch mal und lass das Auto öfter stehen‘.“

Gelegen kam ihr dabei das Angebot des örtlichen Verkehrsbundes für ein Drei-Monats-Abo. „Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit kann ich damit das schlechte Wetter meiden.“ Sie sieht aber noch weitere, für sie nach eigenen Worten durchaus überraschende Vorteile im „Autofasten“: „Ich bin deutlich entspannter, weil ich nicht auf den hektischen Verkehr achten muss.“ Häufig lasse sie die Gedanken schweifen, beobachte die Umwelt. „Mit dieser innerlichen Ruhe, die dadurch entsteht, habe ich gar nicht gerechnet.“

Manchmal muss es aber doch das Auto sein

15 bis 25 Autokilometer spart Ferrier nach eigenen Worten wöchentlich ein, „ganz zu schweigen von den Spritkosten“. Dabei ist ihr aber auch bewusst, dass sie als Düsseldorferin Vorteile durch den gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr genieße, die auf dem Land nicht existierten. Zudem wohne sie nicht weit von der Kirche entfernt.

Ob es dennoch Momente gebe, in denen sie nicht aufs Auto verzichten kann? „Ja, zum Großeinkauf fahre ich dann doch. Oder wenn ich etwas Schweres für die Kirche transportieren muss“, antwortet Ferrier. Allerdings organisiere sie sich mittlerweile anders als früher. „Ich versuche, mehrere Erledigungen während einer Autofahrt zu kombinieren.“

5000 Kilometer jährlich mit dem Rad unterwegs

Bereits seit 13 Jahren überzeugter „Autofaster“ ist Frank Schulte, Pfarrer des Bezirks Mitte/Süd der Evangelischen Kirchengemeinde Ratingen. „Während der Passionszeit 2007 habe ich mir gedacht, ich hole mal das Fahrrad aus der Garage und lasse das Auto so oft es geht stehen“, berichtet Schulte. Nach und nach habe er immer mehr Strecken damit zurückgelegt.

Mittlerweile fährt Schulte gar 5000 Kilometer pro Jahr mit dem Drahtesel, sei es innerhalb Ratingens oder aber nach Essen, Mettmann, Hilden sowie Wuppertal. „Ich habe schnell gute Erfahrungen damit gemacht“, ist er von den Vorteilen überzeugt. So sei er mittlerweile deutlich weniger krank. Und mehr Zeit als mit dem Auto benötige er ebenfalls nicht. „Es sind ja vor allem kurze Strecken im Stadtgebiet. Da bin ich mit Blick auf Verkehr, Streckenlänge und Parkplatzsuche oft schneller“, rechnet er vor. Über das Jahr gesehen komme dies auf Null heraus.

Schulte ermutigt und gibt Tipps

Auf das Auto zu verzichten und möglichst viel Rad zu fahren, hat für Schulte immer etwas mit dem Glauben zu tun, allem voran mit der Bewahrung der Schöpfung. Diesbezüglich ist er überzeugt, dass jeder noch so kleine Beitrag hilft.

„Wenn nicht jeder sein Bestes gibt, dann werden wir die Welt garantiert gar nicht retten.“
Dabei sei es höchste Zeit dafür. Denn der Klimawandel ist laut Schulte bereits allgegenwärtig. „Es fällt einem als Radfahrer auf, dass es tatsächlich viel zu trocken ist. Viele Regenfahrten hat man das Jahr über gar nicht.“ Und wenn doch, helfe die richtige Kleidung, ermutigt er die Zweifelnden.

Für diejenigen, die in bergigen Gegenden wohnen und ungerne verschwitzt ankommen wollen, hat Schulte ebenfalls einen Tipp parat: „Ein E-Bike ist immer besser als das Auto.“ Er selbst will seinem unmotorisierten Zweirad aber weiter treu bleiben. „Ich strampel mich noch viel zu gerne ab.“ Für sein Wohlbefinden, das Klima und die Schöpfung.

 

ekir.de / Andreas Attinger, Fotos: Marcel Kuß, Thomas Seeber, Mirjam Kirchengemeinde Düsseldorf / 25.02.2020


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