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Eine der Arbeiten in der Wanderaustellung 'und ... LICHT': 'Lichtzeit' des Künstlerpaars Molitor & Kuzmin.

Eine der Arbeiten in der Wanderaustellung "und ... LICHT": "Lichtzeit" des Künstlerpaars Molitor & Kuzmin.

Wanderausstellung "und ... Licht"

Hellhörig machen

245 Mal wird das Wort „Licht“ in der Bibel verwendet. Der Begriff beschreibt, beleuchtet und wirft Fragen auf. „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht“, heißt es im ersten Buch Mose. Der Prophet Jesaja schreibt: „Mache dich auf, werde Licht! “ (60,1)

Ein weiteres Bibelzitat: In Psalm 36 heißt es: „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht.“ (Ps 36,10) Nun bringt die Evangelische Kirche im Rheinland Theologie und Lichtkunst zusammen: Sie präsentiert die Wanderausstellung „und … Licht“. International renommierte Künstlerinnen und Künstler haben Werke geschaffen, die sich mit dem Thema Licht befassen. Die Ausstellung mit neun Kunstwerken ist erstmals in der Johanneskirche in Saarbrücken zu sehen.

Im Laufe dieses Jahres 2019 ist sie in sechs weiteren Städten zu sehen: in Trier, Mönchengladbach, Troisdorf, Essen, Krefeld und Düsseldorf. Die Kunstwerke treten in Beziehung zur Architektur der Kirchen und Räume, in denen sie ausgestellt sind, sowie zu den dort herrschenden Lichtverhältnissen.

„Wenn sich Licht bricht und das ganze Spektrum der Farben sichtbar wird, öffnet sich der Blick auf das facettenreiche und frohe Leben“, schreibt Präses Manfred Rekowski im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung. Für ihn hinterfragen Kunst und Kirche Gewissheiten und machen hellhörig, indem auch die dunklen Seiten sichtbar werden. Kirche wolle selbst Licht der Erde werden, um Wege aus der Dunkelzeit zu zeigen, so der Präses weiter.

Kostbar, fragil, angefochten

Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland und Mitglied im Beirat zur Ausstellung, erläutert im Katalog: „Die Kunstwerke geben eine Ahnung davon, dass Licht immer ein kostbares Gut ist, dass es fragil ist, dass es auch verschwinden kann.“ Das sei beispielsweise der Fall, „wenn dunkle Mächte die Lichtregie übernehmen und statt einer offenen Kommunikation Fake News vorziehen“. Licht erscheine in den Kunstwerken der Ausstellung immer zerbrechlich und angefochten. „Es arbeitet sich ab an den Materialien, an den Medien, die es durchdringt.“

Die Künstlerinnen und Künstler haben unterschiedliche Zugänge gewählt: Da ist zum Beispiel das Werk „Spiritus Sanctus“ der niederländischen Künstlerin Diana Ramaekers, die als Dozentin an der Akademie für Medien, Design und Technologie in Maastricht lehrt. Ihre Installation zeigt drei aus flachem Glas angedeutete Wasserlachen, die Licht bläulich und – je nach Perspektive – regenbogenfarben reflektieren. Vermittelt werden metaphorische Vorstellungen davon, was der Heilige Geist sein könnte: eine Inspirationsquelle und schöpferische Kraft.

Das Künstlerduo Siegfried Krüger und Simone Prothmann zeigt die Videoinstallation „falling lights and rising shadows“ (Dt. „Sinkende Lichter und aufsteigende Schatten“), bei der filmische Sequenzen in Endlosschleife an Wände projiziert werden. Die hellen und dunklen Formationen lassen vielfältige Assoziationen zu: Schatten wandern, steigen auf, verschwinden und machen Platz für Lichtstrahlen, die sich im bewegenden Wasser brechen und auffächern.

Weiter leuchten

Der Bonner Künstler Christoph Dahlhausen, außerplanmäßiger Professor an der RMIT-Universität im australischen Melbourne, ist mit zwei Werken vertreten. Einerseits mit der Gerüst-Licht-Installation „Shine on …“ (Dt. „Leuchte weiter …“), die aus Verstrebungen von Baugerüsten und blauen Leuchtstoffröhren besteht. Sie rahmen Eintrittspforten in eine Welt des Sakralen oder aus ihr hinaus. Die dekonstruktivistische Anordnung verweist auf Fragiles und Stabiles. Der Titel des Werkes lässt offen, ob das leuchtende Objekt oder der Betrachter mit der Aufforderung „Leuchte weiter“ gemeint ist.

Das zweite Werk von Dahlhausen trägt den Titel „Stellare Verbindungen“. Es besteht aus Fotofiltern und bunten Fotolinsen, die auf einer Aluminiumscheibe befestigt sind. Ein Lichtprojektor strahlt die sich langsam drehende Scheibe an und wirft farbiges Licht in sich verändernden Konstellationen auf Wände, Kanzeln oder andere Raumelemente – ein möglicher Hinweis auf Projektion in Religion und Psychologie.

Das Künstlerduo Molitor und Kuzmin, bestehend aus Ursula Molitor und Vladimir Kuzmin, ist mit vier Kunstwerken dabei. Das Objekt „2+1“ besteht aus drei Leuchtringen, die wie Bullaugen aus Betonwänden lugen. Die Leuchtringe verweisen auf die göttliche Dreifaltigkeit, wobei die Ringe asymmetrisch zueinander angebracht sind und leicht erhaben aus dem Beton hervortreten.

Botschaften schreiben

Bei der Installation „Welle“ ist eine Leuchtstoffröhre in eine Rahmenkonstruktion aus Aluminium gearbeitet. Eine meditative Anmutung geht von dem Objekt aus. Es vermittelt den Eindruck einer sich drehenden Lichtwelle. Das Werk „m&k-Licht-2000“ des Künstlerduos besteht aus einer Stele, auf deren oberen Ende feiner Sand auf einer Leuchtstoffröhre verstreut ist. Besucherinnen und Besucher können Botschaften in den Sand schreiben – ein partizipatorisches Element. Und die Installation „Lichtzeit“ zeigt den Titel des Werkes als Schriftzug mit einer geschwungen Leuchtstoffröhre, die über einem Untergrund aus Filz platziert ist.

Der Künstler Konstantinos Angelos Gavrias, Preisträger des Kunstwettbewerbs „reFORMation transFORMation“ der Evangelischen Kirche im Rheinland im Jahr 2017, hat mit seinem Werk „aeon“ ein Selbstporträt angefertigt. Aus der Ferne sieht es aus wie eine mattweiße Fläche, konturlos. Erst aus der Nähe, einem bestimmten Blickwinkel und unter einem besonderen Lichteinfall treten die Umrisse eines Mannes hervor, der die Betrachterin oder den Betrachter aus einer anderen Sphäre anzuschauen scheint. Als falle er aus dem Rahmen und trete vom Jenseits in die diesseitige Welt ein.

"Welle" von Molitor & Kuzmin (Ausschnitt)

"Welle" von Molitor & Kuzmin (Ausschnitt)

und ... LICHT

Vernissage: Die Eröffnung ist am 18. Januar 2019, 19 Uhr, in der Saarbrücker Johanneskirche. Dort ist die Wanderausstellung "und ... LICHT" bis 17. März 2019 zu sehen. Die Adresse: Cecilienstraße 2, 66111 Saarbrücken. Die Öffnungszeiten der Johanneskirche: dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Instagram: Auf dem Instagram-Kanal @und_Licht werden Momente der Wanderausstellung festgehalten. Er dient zudem als Plattform zum Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern. Veranstaltungen werden dort zusätzlich beworben.

ekir.de / tb, wb, neu; Fotos: Andrea Dingeldein / 18.01.2019


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