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Ökumenischer Kirchentag

Sie hören "Liebe" und denken "Scheidung"

Die Kirche sollte integrativer sein, meinte ein junger Mann. "Ja, sie muss es", pflichtete ihm der rheinische Präses und amtierende Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider ohne Wenn und Aber bei.

Podium Zukunft der jungen Generation, u.a. mit Präses Nikolaus Schneider

Podium Zukunft der jungen Generation, u.a. mit Präses Nikolaus Schneider

"...weil wir Hoffnung haben" lautete der Titel des Podiums auf dem Messegelände - das "Zentrum Jugend" spielte sich im Olympiapark ab. Zunächst hatte Prof. Dr. Matthias Sellmann Entwicklungslinien wie die "Entstandardisierung der Lebensläufe" skizziert. Als Beispiel für nahezu auf den Kopf gestellte Situationen zeigte er ein Video, in dem ein Vater sich beim Sohn das Auto leiht, um auszugehen. "Aber Du bist bis zehn zurück", mahnt der Sohn.

Jugendliche heute erlebten eine "paradoxe Wirklichkeit", erklärte der Bochumer Forscher weiter: Der Papst ist Popstar. Der Doktor fährt Taxi. Jugendliche hören "Rind" und denken "BSE". Sie hören "Liebe" und denken "Scheidung". 

Dann also mündete die anschließende Diskussion in die Integrationsdebatte - und meinte damit nicht nur Menschen mit verschiedenen Geburtsorten und/oder Pässen, sondern auch verschiedenen sozialen Milieus. Selbstverständlich müssten Gottesdienste in einer Sprache gehalten werden, die nicht nur Akademiker anspricht, sondern auch Hartz-IV-Bezieher, so Präses Schneider.

Die verschiedenen Milieus erreichen

Bei Jugendfreizeiten müssten die Angebote so geschnürt werden, dass die verschiedenen Fähigkeiten gefragt werden, so der leitende Geistliche. Wie schwierig das sein kann, räumte eine Katholikin ein: Eine Studie habe belegt, dass es eben nicht gelinge, milieuübergreifend zu wirken. "Das hat uns betroffen gemacht, denn wir haben ja einen anderen Anspruch."

Aus der Runde, zu der Jugendliche, ein Politiker und Vertreter kirchlicher Verbände gehörten, kam dazu auch Entwarnung: Misslingende Integration dürfe nicht den Ehrenamtlichen in der kirchlichen Jugendarbeit angelastet werden - Beifall. Für soziale Ungleichheit, etwa auch im Bereich Schule, dürfe nicht die Pfadfindergruppe verantwortlich gemacht werden.

Sprachwerber zentral

Gefragt nach seinen Vorstellungen zur Migration, betonte Präses Schneider, nötig seien Inklusion und Integration. Zweiter wichtiger Faktor sei Bildung. Zentral sei der Spracherwerb. "Entscheidend ist auf dem Platz", formulierte er in Fußballersprache und bekam für dies Zustimmung per Beifall: "Für wie viele Kinder ist eine Lehrerin zuständig?"

Schließlich komme es auf ein Klima der Zusammengehörigkeit an. Im Blick auf Arbeitsplätze müssten Wettbewerb und Solidarität neu ins Lot gebracht werden. "Das ist eine Aufgabe von Politik und Kirchen." 

ekir.de / neu / 17.05.2010