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Work in progress: ÖRK-Bild von Irina Krez

Work in progress: ÖRK-Bild von Irina Krez

Ökumenischer Rat der Kirchen

Lebendiger Prozess

Die Gipfel sind verdammt hoch. Kaum zu erklimmen. Die Ideale Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung zieren den Heißtluftballon. Kann der Ballon zerplatzen? Eine Rakete startet in den Himmel. Was bringt sie? Ein Wimmelbild voller sinnfälliger Szenen hat die Illustratorin Irina Krez über den ÖRK realisiert.

Parallel zum Hauptvortrag von Professor Dr. Konrad Raiser und zur anschließenden Diskussion beim Symposium "Geht und widersteht" übernahm sie das Graphic Recording, die zeichnerische Begleitung des Geschehens. Ein Angebot und Anreiz zu Gespräch, Vertiefung, Diskussion. 70 Jahre Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK) - das wurde in Bonn gefeiert. Und zu Beginn auch mit einem Geburtstagsständchen: 70 Menschen singen zum 70.. Happy Birthday!


Präses Manfred Rekowski

Präses Manfred Rekowski

Der ÖRK sei ein starkes Netzwerk, das - im Sinne des Johannes-Evangeliums - Frucht bringe, sagte Präses Manfred Rekowski in seiner Begrüßung. Dabei erinnerte er daran, dass nicht nur der ÖRK, sondern auch die UN-Menschenrechtskonvention in diesem Jahr 70 wird. Der Leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland kritisierte erneut, dass die zivile Seenotrettung im Mittelmeer an die Kette gelegt wurde, drei Schiffe sind betroffen, darunter auch die Sea-Watch, die der Präses in diesem Sommer hat. Obwohl einsatzbereit, dürften die Schiffe nicht auslaufen, so ertrinken Menschen im Mittelmeer. Rekowski: "Wir brechen Rechte, verraten die Werte, von denen ich dachte, dass Europa dafür eintritt."

Hambacher Forst ist Schmerzpunkt

Zur Auseinandersetzung um den Hambacher Forst erklärte der Präses die Rodung des letzten Stücks dieses Waldes für falsch. Das sei ein "Schmerzpunkt", sagte Rekowski und bezog sich damit auf den Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit, der am Sonntag in Bonn beginnt und u. a. zum Hambacher Forst führt.

Prof. Konrad Raiser

Prof. Konrad Raiser

„Geht und widersteht – Transformationen auf dem Weg“ lautet der Titel des Vortrags von Konrad Raiser (80),  evangelischer Theologe, von 1992 bis 2003 Generalsekretär des @Oikoumene. „Geht und widersteht“, erklärte er, sind zwei wichtige Motive in Geschichte und Gegenwart des ÖRK. „Geht“ stehe fürs Unterwegs-Sein und das Ringen um Gerechtigkeit und Frieden. Aktuell präge der Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens das Profil des Weltkirchenrat.

Gehen und widerstehen

Das zweite Motiv, das des Widerstands, spielte bei Gründung des ÖRK eine wichtige Rolle: in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Im Zuge des Programms zur Bekämpfung des Rassismus wurde Widerstehen "zu einem umstrittenen Markenzeichen für den ÖRK".

Der Appell „Geht und widersteht“ spiegelt Raiser zufolge, dass die ökumenische Bewegung ein „lebendiger und unabgeschlossener Prozess“ ist. Seine Ziele: Einheit und Gemeinschaft, Mission und Dialog, Gerechtigkeit und Frieden. Das Jubiläum sei kein Anlass, "sich für Erreichtes zu beglückwünschen". Sondern Gelegenheit zu "Selbstrechenschaft über wichtige Lernerfahrungen" und zur Neuausrichtung.

Mehrfache Transformationen

Raiser legt dar, wie der 70 Jahre währende Weg des ÖRK von mehrfachen, weitreichenden Transformationen gekennzeichnet ist. Er sprcht über die Verankerung in verfassten Kirchen - inklusive Nebenwirkungen. Die zweite "tiefgreifende Transformation“ verortet er bei der Entkolonialisierung. Die Themen: Befreiung aus unterdrückerischen ungerechten Strukturen. Kampf gegen Rassismus.

Als „gegenläufige Transformation“ sieht er nach dem II. Vatikanischem Konzil die Öffnung der katholischen Kirche, die aber bis heute nicht Mitglied im ÖRK ist.

Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Grundüberzeugungen, „die das Motiv des Widerstands ins Zentrum rücken“.Ende des Kalten Kriegs. Herausforderung Globalisierung. Der  Transformationsprozess dauert an, unterstreicht Prof. Raiser.

Hanne Lamparter mit Sohn Simon

Hanne Lamparter mit Sohn Simon

Unterschiede, die nicht trennen

In einer Podiumsdiskussion wird an die Dekaden zur Überwindung der Gewalt und zur Solidarität mit den Frauen erinnert. Wird diskutiert, ob der ÖRK Bewegung und Institution ist. "Bei uns braucht man keinen Termin, wenn man eine Gemeindemitglied besuchen will", erklärt die indoneischen Pfarrer Mika Purba, die zurzeit in Geldern im Kirchenkreis Kleve arbeitet.

"Ich wünsche mir, dass mein Sohn in eine Kirche hineinwächst, wo Unterschiede nicht trennend sind", erzählt Hanne Lamparter, Vikarin im Kirchenkreis Münster, engagiert in der jungen ökumenischen Initiative MEET, ihren Nachwuchs im Arm.   

Freude auf Genf

"Kommenden Mittwoch fahre ich nach Genf", sagte der Physiker Thomas Zügge in der Abendandacht. Er sei schon aufgeregt, freue sich auf die Menschen, die er treffen wird - Menschen mit dem Gespür, dass das einzelne Teil nichts allein bewirken kann und dass das Verbindende stärker ins Gewicht fällt. Schön, denkt man und freut sich mit ihm: Gute Fahrt zur ÖRK-Zentrale.

Pustekuchen! Falsche Fährte! Er fährt ans CERN, besucht den 27 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger, hundert Meter unter der Erde. Das Metier der Teilchenphysiker und -physikerinnen am CERN seien die Quarks, erläutert Zügge. "Sie, ich, alles setzt sich zusammen aus Molekülen, diese aus Atomen." Der Atomkern ist aus Protonen und Neutronen aufgebaut - und die bestehen je aus drei Quarks.

Quarks, das sind unzuverlässige Kügelchen an der Schwelle zu Nichtsein und Bedeutungslosigkeit. Quarks, diese Grundbausteine, erzählt er auch, gibt es immer im Doppelpack, oder zu dritt, viert, fünft. "Der scheinbar logische Schluss, wir bestünden aus Quarks, ist ebenso falsch wie zu behaupten, die Ökumene bestehe aus Einzelpersonen."

Haus der Ökumene pflegen

Ökumene - das ist ein Pilgerweg durch Höhen und Tiefen, dieses Bild zeichnet Irina Krez. Berge, Täler. In den Diskussionen an diesem Tag taucht auch das Bild des gemeinsamen Hauses der Ökumene auf. Die Idee solle gern weiter gesponnen werden, sagt Prof. Raiser. "Wir haben Grund, dieses Haus zu pflegen."

ekir.de / neu / 08.09.2018


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