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15 Jugendliche zwischen zwölf und 20 Jahren können sich beim OrgelCamp an Siegburger Orgeln erproben. Voraussetzungn zur Teilnahme sind musikalische Grundkenntnisse und mindestens zwei Jahre Klavierunterricht. (Symbolbild)

15 Jugendliche zwischen zwölf und 20 Jahren können sich beim OrgelCamp an Siegburger Orgeln erproben. Voraussetzungen zur Teilnahme sind musikalische Grundkenntnisse und mindestens zwei Jahre Klavierunterricht.

Kirchenmusik

Vier Tage für junge Orgelfans

Das Beethoven-Jubiläumsjahr macht es möglich: 15 Jugendliche zwischen zwölf und 20 Jahren können in den Herbstferien am „OrgelCamp“ in Siegburg teilnehmen. Denn die Kirchenmusik braucht dringend Nachwuchs.

Glaube ohne Gesang und Musik – undenkbar. Wie sehr das Singen in den Gottesdiensten fehlt, hat die Coronakrise besonders schmerzhaft deutlich gemacht. Und das zentrale Instrument der Kirchenmusik ist nach wie vor die Orgel. Doch der Nachwuchs ist rar, bei den Organisten genauso wie bei den Chorleiterinnen und Chorleitern. „Auf der gesamten kirchenmusikalischen Baustelle herrscht Facharbeitermangel“, sagt Ulrich Cyganek, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Ausflüge zur Orgelbaufirma Klais und in den Kölner Dom

„BTHVN 2020“ hat die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft ihre Aktivitäten anlässlich des 250. Geburtstags des großen Komponisten genannt. Eines der geförderten Projekte ist das „OrgelCamp“ vom 12. bis 15. Oktober in Siegburg. Evangelische und katholische Kirche sowie weitere Institutionen haben sich zusammengetan, um 15 Jugendliche zwischen zwölf und 20 Jahren für die Orgel zu begeistern.

Die Jugendlichen erhalten einzeln und in der Gruppe Orgelunterricht und können an Siegburger Orgeln üben. Zwei Ausflüge führen sie zur Bonner Orgelbaufirma Klais und in den Kölner Dom, wo ihnen Domorganist Prof. Winfried Bönig die Domorgel vorführen wird. Zum Abschluss des Camps ist ein Konzert aller Beteiligten geplant. Von evangelischer Seite wirken Martin Bambauer, Kirchenmusikdirektor und Kreiskantor aus Trier, sowie Brigitte Rauscher, Kirchenmusikdirektorin und Kreiskantorin aus Troisdorf, an den vier Tagen mit.

Bei besonderer Eignung ist eine weitergehende Förderung möglich

Wer sich für eine Teilnahme interessiert, sollte über musikalische Grundkenntnisse verfügen und mindestens zwei Jahre Klavierunterricht haben. Ein Nachweis per MP3 oder Video ist Bestandteil der Bewerbung. Musikstudierende oder Orgelabsolventen sind nicht Zielgruppe des „OrgelCamps“. Es geht vor allem darum, Mädchen und Jungen mit der Orgel bekannt zu machen und für das Instrument zu gewinnen. Bei besonderer Eignung ist eine weitergehende Förderung durch Stipendien, etwa für Orgelunterricht und Notenmaterial, möglich. Die Teilnahme kostet 50 Euro. Für Übernachtung und Verpflegung ist gesorgt. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juli.

Wie sehr die Kirchenmusik auf ehren- und nebenamtliche Musiker angewiesen ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Allein in der Evangelischen Kirche im Rheinland sind von den rund 1600 Kirchenmusikern nur 200 hauptamtlich tätig, davon etwa ein Drittel mit einem A-Examen und zwei Drittel mit einem B-Examen. Die Zahl der Teilnehmenden an den Kursen für die C-Prüfung, mit der Menschen darauf vorbereitet werden, Orgel zu spielen, einen Chor zu leiten, mit Kindergruppen zu musizieren, einen Posaunenchor zu dirigieren oder eine Band aufzubauen, habe sich über einen Zeitraum von 20 Jahren mindestens halbiert, sagt Landeskirchenmusikdirektor Cyganek.

2021 breite Kampagne für die Kirchenmusik

Bei einmaligen punktuellen Angeboten wie dem „OrgelCamp“ in Siegburg wird es daher nicht bleiben. Im nächsten Frühjahr ist in der rheinischen Kirche eine breit angelegte Kampagne für die Kirchenmusik geplant. Eigentlich war sie schon für dieses Jahr vorgesehen, musste dann aber coronabedingt verschoben werden. Jugendliche, die möglichst noch vor dem Abitur die Kurve in Richtung Kirchenmusik bekommen sollen, sind dabei für Cyganek nur eine von drei Zielgruppen. Auch klavieraffine Menschen in der Mitte des Lebens, die nach neuen Aufgaben suchen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, können sich angesprochen fühlen, ebenso Seniorinnen und Senioren im Rentenalter. „Die Nachwuchsfrage ist ein Fass ohne Boden. Wir brauchen unbedingt Leute.“

ekir.de / Ekkehard Rüger, Foto: epd/Bild, Andrea Enderlein / 24.06.2020


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