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Kulturhauptstadt Ruhr 2010

Kein gottloser Raum, kein kulturloser Ort

Die Kulturhauptstadt kommt ins Gefängnis. „Schattenkultur“ heißt das Kultur-Projekt zur „Ruhr 2010“ im Alten Hafthaus in Moers. Auf Initiative der beiden großen evangelischen Landeskirchen in NRW wird es dort vom 2. Mai bis 26. September ein Kultur- und Ausstellungsprogramm geben.

Die Hälfte der NRW-Justizvollzugsanstalten beteiligen sich an der "Schattenkultur".

Die Hälfte der NRW-Justizvollzugsanstalten beteiligen sich an der "Schattenkultur".

Kultur sei ein „Spielraum der Freiheit“, die „Schattenkultur“ dementsprechend eine interessante Variante, so der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Nikolaus Schneider, bei der Vorstellung von „Schattenkultur“. Häftlinge von 17 der 36 NRW-Justizvollzugsanstalten (JVA) präsentieren bei dem Projekt ihre kreativen Arbeiten.

NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter und Präses Nikolaus Schneider bei der Vorstellung der "Schattenkultur".

NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter und Präses Nikolaus Schneider bei der Vorstellung der "Schattenkultur".

„Hey, was ist los in deinen Leben?“ heißt es fragend in einem Song. Von Drogen ist die Rede, von „unzähligen Narben“. Unterlegt mit Videosequenzen, heißt es weiter in dem Clip: „Was ist passiert?“ Dieser Clip gehört zu den „Lyric Clips!“, eines der „Schattenkultur“-Angebote.

„Herr gibt mir ein Zeichen“, heißt ein weiterer Vers in dem Video-Clip aus der JVA Schwerte. Zur Rechtskultur gehöre auch, Täter nicht nur wegzusperren, sondern auch wieder aufzubauen und zu integrieren, erklärte Präses Schneider. Und so kommt die Idee für Schattenkultur aus der kirchlichen Gefängnisseelsorge-Arbeit. Schneider: „Ein Gefängnis ist kein gottverlassener Raum.“

Die Kulturhauptstadt verstehe sich nicht als elitäres Programm, sondern habe einen breiteren Auftrag, erklärte der Geschäftsführer der Ruhr2010, Fritz Pleitgen, bei der Pressekonferenz zur „Schattenkultur“ im Düsseldorfer Landeskirchenamt. Den sozialen Zusammenhalt zu stärken, sei ein ausdrücklicher Auftrag, und mit diesem Projekt würden reale Mauern überwunden.

Kreative Arbeit in Gefängnissen sei ein gutes Übungsfeld für soziales Verhalten, erläuterte die NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter. Das Projekt „Schattenkultur“ leiste einen „wertvollen Beitrag“, sei ein Höhepunkt der Kulturarbeit im NRW-Strafvollzug.

Die Fotoausstellung „Seele in Beton“ aus der JVA Wuppertal ist eines der weiteren Projekte. Auf den vier Etagen des Alten Hafthauses erwarten die Besucherinnen und Besucher Projektionen, Objekte, Lichtinstallationen und zum Beispiel auch Seidenmalerei.

www.schattenkultur.de
www.evangelisch2010.de

ekir.de / neu / 01.03.2010