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Mit einer geistlichen Provianttüte im Gepäck können Spaziergängerinnen und Spaziergänger Gott bei einem Weggottesdienst durch den Wald in Altenkessel begegnen

Mit einer geistlichen Provianttüte im Gepäck können Spaziergängerinnen und Spaziergänger Gott bei einem Weggottesdienst durch den Wald in Altenkessel begegnen

Weggottesdienst

Gottesdienst-Spaziergang mit geistlichem Proviant

Die saarländische Kirchengemeinde Altenkessel hat für Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020, einen Weggottesdienst auf die Beine gestellt. Während eines Spaziergangs können Selbstentdecker „Den Himmel finden“ – gerüstet mit einer geistlichen Provianttüte. Im Interview erklärt Pfarrerin Anja Schild, was dahintersteckt.

Pfarrerin Anja Schild

Pfarrerin Anja Schild

Frau Schild, Spazierengehen und dabei Gottesdienst feiern: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Anja Schild: Die Idee kam mir, während ich in den vergangenen Wochen die Kirche für die Öffnung vorbereitet habe. Durch die offene Kirchentür habe ich viele Leute gesehen, die in den Wald gelaufen sind. Einige wollten auch in die Kirche schauen, die Sehnsucht war zu spüren. Und da dachte ich: Spazierengehen geht immer, warum kann man nicht einfach auch den Gottesdienst mit auf den Weg nehmen? Es ist eine schöne Tradition, an Christi Himmelfahrt Spazieren oder Wandern zu gehen. Diese Dinge, die der Mensch ohnehin tut, können wir als Kirche – vor allem zu Zeiten von Corona – wunderbar aufgreifen, beispielsweise mit einem solchen Weggottesdienst. So können zudem diejenigen Glaube leben und erleben, die derzeit Angst haben, in die Kirche zu gehen, da zu sitzen mit Maske und den ganzen Hygienevorschriften.

Wie kann man sich diesen Weggottesdienst vorstellen?

Schild: Das ist im Prinzip wie eine Art Schnitzeljagd. Wer mitmachen möchte, holt sich zwischen 10 und 12 Uhr vor der Lutherkirche in Altenkessel eine geistliche Provianttüte ab. Da ist alles drin, was man für den Gottesdienst braucht: Texte und Gegenstände. Dann kann es auch schon losgehen. Auf einem vorgegebenen Weg durch den Wald gibt es vier Stationen, an denen die Teilnehmenden innehalten, sich mit der Liturgie beschäftigten und beten können. An einer Station – samt Panoramablick über Altenkessel – habe ich zum Beispiel einen Spiegel aufgebaut, um den Himmel neu zu entdecken. Und an einer Hütte oben im Wald gibt es die Möglichkeit, ein Gebet zur Stille zu sprechen. Von 10 bis 12 Uhr ist übrigens auch die Kirche geöffnet. Wer will, kann dort also zum Start einen besinnlichen Moment erleben, in Ruhe ankommen, ehe es auf die Strecke geht.

Apropos Strecke. Wie lange dauert denn der Gottesdienst?

Schild: Wer stramm geht, ist in 15 Minuten durch. Angedacht ist für den Gottesdienst zirka eine halbe Stunde. Aber natürlich kann sich jeder so viel Zeit nehmen, wie er möchte, den Weg in seinem eigenen Tempo absolvieren. Ich habe auch extra eine Strecke gewählt, die für Menschen mit Rollator zu meistern ist. Das habe ich sogar testen lassen. Länger laufen geht ja immer. Hygiene sollte auch kein Problem sein. Die Wege sind breit, an den Stationen gibt es viel Platz, sodass überall genügend Abstand gehalten werden kann. Es ist natürlich möglich, die Provianttüte vormittags abzuholen und den Weg erst nachmittags zu gehen. Die Markierungen habe ich mit Kreidespray gemacht, das Wind und Wetter aushält. Der Gottesdienst ist außerdem so konzipiert, dass er auch zu Hause gefeiert werden kann. Wer möchte, bringt den geistlichen Proviant also einfachen denjenigen vorbei, die den Weg leider nicht selbst gehen können.

Haben Sie denn einen besonderen Wunsch für Christi Himmelfahrt?

Schild: Ja, ich wünsche mir schönes Wetter. Damit möglichst viele Menschen Gott und ihrem Glauben bei diesem Weggottesdienst in der Natur begegnen.

 

ZUR SACHE: Pilgern vor der Haustür

Wer nicht in oder rund um Altenkessel wohnt, von der Idee des Weggottesdienstes aber angetan ist, kann das Angebot „Pilgern vor der Haustür“ aus dem Kirchenkreis Koblenz nutzen. Entwickelt wurde das geistliche Format der besonderen Art von Pfarrerin Kerstin Laubmann aus der Evangelischen Kirchengemeinde Remagen-Sinzig. Das Konzept dahinter ist simpel: Auf der Website der Kirchengemeinde können Pilgerkarten mit Worten aus der Bibel, Anregungen zum Nachdenken und einem Gebet heruntergeladen und ausgedruckt werden. Mit diesen im Gepäck können sich Interessierte an jedem beliebigen Ort auf den Weg machen – alleine oder mit anderen, aber immer mit Gott.

 

ekir.de / Andreas Attinger, Fotos: Pixabay.com/Holger Schué, Anja Schild / 19.05.2020


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