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Rheinische Kirche und Diakonie legen Forschungsergebnisse vor:

Rund 1.200 Zwangsarbeiter in evangelischen Einrichtungen

Schätzungsweise 1.200 ausländische Arbeitskräfte arbeiteten zwischen 1939 und 1945 in der rheinischen Kirche. Diese Zahlen nennt der Historiker Dr. Uwe Kaminsky, der die Geschichte der Zwangsarbeiterinnen und –arbeiter in evangelischen Einrichtungen in Kirche und Diakonie historisch erforscht hat, in seinem Buch "Dienen unter Zwang", das Präses Manfred Kock und Diakoniedirektor Dr. Reinhard Witschke heute in Düsseldorf vorgestellt haben. 478 Männer und Frauen konnten sicher nachgewiesen werden; 250 stammten aus Osteuropa. Rund 70 evangelische Einrichtungen (Kinderheime, Krankenhäuser, landwirtschaftliche Betriebe und Pfarrhaushalte) im Bereich der damaligen Rheinprovinz lassen sich als Arbeitgeber von ausländischen Arbeitskräften nachweisen. 16 weitere sind als Unterkunftsorte für Zwangsarbeiter oder auch KZ-Häftlinge identifizierbar.

"Hinter den Zahlen, Daten und Statistiken stecken Menschen, Mit-Menschen", erklärte Präses Kock bei der Buchvorstellung im Landeskirchenamt: "Sie haben ein Gesicht, eine Geschichte und eine Würde. Auch das System von Kirche und Diakonie war im Zweiten Weltkrieg daran beteiligt, dass Menschen die Würde genommen wurde. Die historischen Forschungen haben Verstrickungen an das Tageslicht gebracht, die heute zur Verantwortung gegenüber diesen lange ,vergessenen’ Opfern des Nationalsozialismus mahnen".

Über den finanziellen Anteil von rheinischer Kirche und Diakonie an der Zustiftung zur Entschädigung der Opfer hinaus bereitet die Evangelische Kirche im Rheinland derzeit ein Besuchs- und Partnerschaftsprogramm vor, das den wenigen Überlebenden des Zwangsarbeitersystems gilt, die die Forschungsarbeit hat ausfindig machen können. "Konkret sollen Medikamente zur Gesundheitsfürsorge, Begegnungen vor Ort, wechselseitige Besuchsprogramme im Rahmen der Versöhnungsarbeit mithelfen, bürgerschaftliches Engagement auf allen Seiten zu fördern", so Präses Kock, "in Einzelfällen werden wir zusätzliche finanzielle Hilfen zur Verfügung stellen, um in konkreten Notlagen unsere bleibende Verantwortung sichtbar werden zu lassen".

Mit finanzieller Entschädigung, mit humanitärer Hilfe und der historischen Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit leiste die Kirche einen wichtigen Beitrag, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und Versöhnung möglich zu machen, unterstrich Manfred Kock: "Damit wollen wir auch vielen Unternehmen, die in ähnlicher Weise in dieses Unrecht verstrickt waren und sich heute damit mehr als schwer tun, Mut machen, diesen Weg zu gehen."

Seit August 2000 hat Dr. Uwe Kaminsky die Zwangsarbeit im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland und ihrer Diakonie erforscht. Nach seinen Erkenntnissen lagen die Arbeitsorte der Frauen und Männer, die zum überwiegenden Teil aus Osteuropa stammten, in der Landwirtschaft diakonischer Einrichtungen, in der Hauswirtschaft von Krankenhäusern bzw. Heimen und in Haushalten einzelner Pfarrerfamilien.

Über die Behandlung der Arbeitskräfte stellt der Historiker folgendes fest: "Ernährung, Versorgung und Lohn lagen im Rahmen der üblichen Diskriminierungen des nationalsozialistischen Deutschlands. Kirchliche Einrichtungen konnten sich nicht gegen den alltäglichen Rassismus absetzen. Die Verhältnisse in der Landwirtschaft und in der Hauswirtschaft waren aufgrund der sozialen Enge und des gegenseitigen Aufeinanderangewiesenseins im allgemeinen auskömmlicher als in großen Industriebetrieben." Allerdings galt die kirchliche Fürsorge den ausländischen Arbeitskräften in Deutschland im Bereich der medizinischen Versorgung und der Seelsorge.

Dazu Präses Manfred Kock: "Neben den dunklen Seiten gab es auch anderes. Einerseits die Ausbeutung der Arbeitskraft der aus ihrer Heimat verschleppten Menschen, andererseits die Sorge um ihr körperliches und seelisches Wohl. Gerade diese Ergebnisse der historischen Forschung sind für uns als Kirche heute wichtig. Wir müssen genauer wahrnehmen, wo und wie in Kirche und Diakonie Verantwortliche in das Unrecht verstrickt waren. Daraus können und müssen wir für die Zukunft lernen."

 

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Uwe Kaminsky: Dienen unter Zwang.Studien zu ausländischen Arbeitskräften in Evangelischer Kirche und Diakonie im Rheinland während des Zweiten Weltkriegs, Köln 2002 (mit einem Beitrag von Ulrike Winkler; 320 Seiten; 14 Abbildungen)

erschienen in der Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte,

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 24. April 2002. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 24. April 2002. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

Jens Peter Iven / 23.04.2002



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