Mikrokredite

Die Fische selbst fangen

Ihr erstes Geld war „der Durchbruch“, denn der Betrag war für die peruanische Kleinbäuerin riesig. Millionärin geworden? Keineswegs. Irene Castro Quilca erhielt 250 US-Dollar. „Heute kann ich meinen Kindern eine Zukunft bieten“, sagt die 52-Jährige.

Für sich und die Familie sorgen, um der Armut zu entrinnen: Bäuerin in Peru. Für sich und die Familie sorgen, um der Armut zu entrinnen: Bäuerin in Peru.

Ein Mikrokredit hat Irene Castro Quilca aus dem Kreislauf der Armut gerettet. Das heißt auch: Irene Castro Quilca musste die 250 Dollar später zurückzahlen. Mikrokredite sind weder Geschenk noch Almosen noch Spende. Aber für Frauen gab es in Peru keine Kredite. Wie alle Mädchen sei sie "noch nicht einmal in die Grundschule gegangen in den Anden." Längst hat Irene Castro Quilca Fortbildungen besucht, bei der Partnerorganisation von Oikocredit, der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft, die mit Mikrokrediten ihren Beitrag im Kampf gegen die Armut leistet.

Oikocredit war es auch, die das Internationale Symposium "Kleine Kredite mit großer Wirkung" im einstigen Bonner Bundestag organisiert hatte, bei dem Irene Castro Quilca ihre Geschichte erzählt. "Heute verkaufen wir die großen Kartoffeln. Die kleinen verarbeiten wir zu Fladen und bewahren sie auf. Sie sind die Reserve, die wir später verkaufen können. Das hat uns schon mehrmals gerettet."

 

 

Die Fische fangen: Phyllis Kibui. Die Fische fangen: Phyllis Kibui.

Mikrokredite sind ein wichtiges Instrument, damit Menschen "selbst Fische fangen können", sagte in Bonn Phyllis Wanjiku Kibui, die Vorstandsvorsitzende von Oikocredit International. Die Ökonomin aus Kenia war einst Managerin eines Programms zur Förderung von Kleinstunternehmen in Kenia. Heute ist sie Regionalmanagerin Afrika bei Women’s World Banking in New York.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2005 zum Jahr der Mikrokredite ausgerufen. Der Direktor der Mikrokredit-Kampagne, Sam Daley-Harris, erklärte in Bonn, es gehe um eine massive Verringerung der Armut. Mikrokredite trügen dazu bei, die Millenniumsziele zu erreichen. Sprich: die Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Schließlich sei das Versagen der Entwicklungspolitik "skandalös".

Praktiker hätten das Bankwesen auf den Kopf gestellt, formulierte Daley-Harris. Banken vergeben Kredite an reiche Männer gegen Sicherheiten. Die Innovation: Mikrokredite gehen an Arme, zu 80 Prozent an Frauen. Sie gehen an Analphabeten. Und die Kreditnehmerinnen und –nehmer müssen keine Sicherheiten bieten.

 

 

Zukunft für sich und ihre Familie: Irene Castro Quilca bei ihrer Rede in Bonn im ehemaligen Bundestag. Zukunft für sich und ihre Familie: Irene Castro Quilca bei ihrer Rede in Bonn im ehemaligen Bundestag.

Vertrauen – das ist die Basis bei der Vergabe von Mikrokrediten, jedenfalls bei Oikocredit. "Vertrauen" – so heißt auch die Partnerorganisation, bei der Irene Castro Quilca ihren Mikrokredit bekam. Was denn eigentlich ihr Mann dazu sage, wurde die Bäuerin in Bonn gefragt. Und da sprach sie davon, dass in der Tat die Rolle der Frauen durch die Mikrokredite gestärkt werde. "Wir sind noch nicht ganz auf der Höhe der Männer. Aber bis zur Schulter reichen wir schon."

 

 

neu / 10.06.2005

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 9. Juni 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Samstag, 18. Juni 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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