Mutter-Kind-Kuren

„Eine fatale Entwicklung“

40 Kreisverbände der rheinischen Frauenhilfe bezahlen 40 Frauen und ihren Kindern eine Mutter-Kind-Kur. Über diese „Aktion Frauensolidarität“ befragte EKiR.de-Redakteurin Anna Neumann die Leitende Pfarrerin der Frauenhilfe im Rheinland, Anke Kreutz.

Damit Mütter und ihre Kinder gesünder und harmonischer zusammen leben: Anke Kreutz, die Leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland. LupeDamit Mütter und ihre Kinder gesünder und harmonischer zusammen leben: Anke Kreutz, die Leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland.

Hat die Frauenhilfe zu viel Geld, dass sie jetzt 40 Mutter-Kind-Kuren finanzieren kann?

Natürlich hat die Frauenhilfe nicht zu viel Geld und es geht in der Aktion „Frauensolidarität“ auch nicht primär ums Geld. Uns ist wichtig, die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen, dass Kuren für Mütter und ihre Kinder nach wie vor dringend gebraucht werden. Es gibt zwar seit drei Jahren einen Rechtsanspruch für Mutter-Kind-Kuren. Dennoch ist es für Mütter immer schwieriger geworden, die von Ärztin oder Arzt für medizinisch notwendig erachtete Kur auch der Krankenkasse gegenüber durchzusetzen. Wir halten das für eine fatale Entwicklung. Schließlich steht gesellschaftlich zur Zeit die Familie in vielen Erklärungen hoch im Kurs. Aber da, wo Familie Unterstützung tatsächlich brauchen würde, wird drastisch gespart. Wir wollen also ein Zeichen setzen, damit Mütter und ihre Kinder gesünder, harmonischer und damit auch erfolgreicher zusammenleben können.

Machen Sie es den Krankenkassen nicht zu einfach, indem Sie 40 Kuren finanzieren?

Unsere Aktion „Frauensolidarität“ zeigt auf, dass es für Mütter in unserer Gesellschaft eine Lobby gibt. Vor allem ältere Frauen unseres Verbandes tragen mit ihrem Geld - das im Übrigen gerade bei älteren Frauen oft auch nicht sehr viel ist - und ihrer Aktivität dazu bei, dass jüngere Frauen die notwendige Fürsorge erhalten. Jüngere Frauen, die ihre Töchter und Enkelinnen sein können. Sie erheben also ihre Stimme zugunsten dieser jüngeren Generation und leisten ihren Beitrag zur generationenübergreifenden Solidarität. Mit der zeichenhaften Größe von 40 Frauen bestärken sie zugleich den Anspruch, dass es Aufgabe der Krankenkasse ist, dafür zu sorgen, dass Mutter-Kind-Kuren, die medizinisch notwendig sind, auch bewilligt werden.

Sie möchten mit Ihrer Aktion eine größere Öffentlichkeit erreichen?

Mir scheint, dass die Krankenkassen in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen haben, dass es für Mütter in unserer Gesellschaft keine starke Lobby gibt. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sie ausgerechnet in diesem Bereich, der nur 0,25 Prozent der Gesamtausgaben der Krankenkassen betrifft, 19,5 Prozent Einsparungen vorgenommen haben und insgesamt 40 Prozent weniger Bewilligungen von Kuren ausgesprochen haben? Mit dieser Aktion wollen wir also öffentlich Druck machen, damit die Krankenkassen ihre Bewilligungspraxis verändern. Selbstverständlich brauchen wir dazu Unterstützung in der Öffentlichkeit. Unser Schwesterverband, die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen, hat schon angeboten, unsere Aktion zu unterstützen. Es fehlt allerdings gesellschaftlich ein gemeinsamer politischer Wille, Mütter und ihre Kinder nicht nur mit Worten zu stärken.

Warum der Name Frauensolidarität?

Mit dem Namen „Frauensolidarität“ wollen wir deutlich machen, worauf es uns mit dieser Aktion ankommt. Dass Frauen miteinander solidarisch sind, um sich gegenseitig ihr Leben in der Familie und in der Gesellschaft zu erleichtern und ein Zeichen zu setzen, dass sie in dieser Gesellschaft immer schon wichtige Aufgaben übernommen haben und übernehmen. Am Beispiel der Mutter-Kind-Kuren können wir deutlich machen, wie wenig diese Leistung von Frauen gewürdigt wurde und gewürdigt wird und wie anders dieser Beitrag von Frauen aus Sicht eines mehr als 100 Jahre alten Frauenverbandes ist. Wir können auch sagen: Schade, dass die Erholungsmaßnahmen für Mütter, die die Frauenhilfe seit 1908 anbietet, immer noch notwendig sind, weil Mütter und ihre Kinder immer noch über ihre Kräfte hinaus gefordert sind mit der Bewältigung ihres Alltages, dass viele von ihnen eingeschränkte finanzielle und soziale Möglichkeiten haben und dass im wesentlichen Mütter die Mehrfachbelastung von Berufs- und Familienarbeit tragen müssen.

Wird die Aktion die Einrichtungen der Frauenhilfe retten, die Mutter-Kind-Kuren ausführen?

Die Aktion „Frauensolidarität“ ist nicht dazu da, Einrichtungen der Müttergenesung, auch nicht die der Frauenhilfe zu retten. 40 Kuren ist eine symbolische Größe, weil wir 40 Kreisverbände haben und die breite Streuung der Solidarität im Rheinland deutlich machen wollen. Es ist Aufgabe der Krankenkassen, die Finanzierung der Mutter-Kind-Kuren sicherzustellen, so hat es der Gesetzgeber gewollt. Auch wenn die Summe, die die Frauen für diese Aktion zur Verfügung stellen, groß scheint, sie entspricht dem Umfang einer Kurfolge in einem größeren Mutter-Kind-Haus. Damit kann kein Verein und kein Träger seine Einrichtungen retten. Es kann also mit dieser Aktion gar nicht darum gehen, eigene oder andere Mutter-Kind-Einrichtungen zu retten. Frauen und Kinder persönlich zu unterstützen und generell Lobbyarbeit für den Rechtsanspruch von Müttern mit ihren Kindern auf Kuren zu bestärken, ist das Ziel.

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 17. Juni 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 23. Juni 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



© 2019, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.