Kirchenmusik

Zum Abendmahl kein Happy-Pop

„Was heute als Kirchenmusik in einer Gemeinde gemacht wird, ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Theologen und Musikern. Wenn das Verhältnis stimmt, dann ist völlig egal, in welchem Stil Kirchenmusik gemacht wird.“ Da spricht der Praktiker.

Die sonntägliche Gebrauchsmusik kunstvoll und abwechslungsreich gestalten: Professor Johannes Geffert. Die sonntägliche Gebrauchsmusik kunstvoll und abwechslungsreich gestalten: Professor Johannes Geffert.

Johannes Geffert wirkte als Kirchenmusikdirektor von 1980 bis 1997 an der Kreuzkirche in Bonn und ist heute Professor an der Musikhochschule Köln. „Für die Ausbildung in Köln ist uns eine stilistische Bandbreite unglaublich wichtig ist.“ Sie reicht von Gregorianik bis zum Arrangement neue geistlicher Lieder. Geffert, selbst ein Liebhaber und Spezialist Bachscher Musik, beschreibt sein religiöses Musikempfinden so: „Wo es zu wirklich fundamentalen Aussagen kommt, da braucht es auch von der Musik her gleichwertig Starkes und Großes.“

 

 

Wo Glaube Ausdruck findet: Bläser beim ersten rheinischen Presbytertag im April in Bonn. Wo Glaube Ausdruck findet: Bläser beim ersten rheinischen Presbytertag im April in Bonn.

Die Theologie des Abendmahles mit den Sakramenten Wein und Brot sei so stark, dass man Brot und Wein nicht mit Cola und Pommes ersetzen könne. Auch wenn das den Zeitgeschmack vieler Gemeindeglieder eher treffen würde. „Genauso ist das mit der Musik, dass zum Abendmahl nicht cooler Jazz und Happy-Pop passend erscheinen.“

Für Geffert ist klar: Die Kirche braucht nicht die „Große Kunst“, um zu überleben. Die sonntägliche Gebrauchsmusik kunstvoll und abwechslungsreich zu gestalten, mit Jugendlichen und Alten, das ist für ihn die eigentliche Sensation, die sich in der Kirchenmusik ereignen kann. „Wo Glauben gemeinsam gelebt wird und Ausdruck findet.“

Deshalb sollte seiner Ansicht nach in jeder Gemeinde ein Kirchenmusiker so selbstverständlich sein wie eine Pfarrerin bzw. ein Pfarrer. Aus eigener Erfahrung weiß er: In einer gut funktionierenden Gemeindekirchenmusik laufen wöchentlich so viel Menschen in Proben, Unterricht und Aufführungen zusammen, wie an keiner anderen Stelle der Gemeinde. Die gemeinsame Arbeit an geistlichen Texten und dem Medium Musik schenke Erlebnisse, die tiefe Spuren hinterlasse.

Doch die Entwicklung geht momentan wohl in eine andere Richtung. Wird es in einer Stadt wie Bonn bald nur noch einen hauptberuflichen Kirchenmusiker geben wie Bach in Leipzig oder Telemann in Hamburg? Einen Musikdirektor, der in großer Unabhängigkeit die Musik in den verschiedenen Kirchen organisiert?

Der Nährboden einer Gemeinde, wo Menschen von klein auf über den Kinderchor, Flötengruppe, Jugendchor im kirchlichen Umfeld groß werden, sei zerstört. Viele Gemeinden hätten noch nicht die Tragweite begriffen. Die jetzigen Studierendenzahlen reichten aus, um an den zentralen Stellen weiterhin hervorragende Kirchenmusik zu haben. Geffert: „Doch die momentane Vielfalt der Kirchenmusik in den einzelnen Gemeinden wird so nicht überleben.“

 

 

 

Renate Hofmann /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 20. Juni 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 20. Juni 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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