Mikrokredite

"Nötig ist das ganze Paket"

Gift in Zeiten der Globalisierung? Beruhigungspille? Über Kritikpunkte an den Mikrokrediten, den kleinen Darlehen, sprach EKiR.de-Redakteurin Anna Neumann mit der Geschäftsführerin des Westdeutschen Förderkreises von Oikokredit, Ulrike Chini.

Zugang zu Geld, um im Leben etwas zu bewerkstelligen: Oikocredit vergibt deshalb Kleinstkredite. Zugang zu Geld, um im Leben etwas zu bewerkstelligen: Oikocredit vergibt deshalb Kleinstkredite.

Kritiker sagen: Mikrokredite können die Schattenseiten der Globalisierung befördern, Kreditnehmer können schutzlose Unternehmer werden. Was sagen Sie dazu?

Das stimmt im Prinzip. Mikrokredite sind keine Alternative zur Globalisierung. Im Extremfall ist es möglich, dass Menschen in Verschuldung geraten. Andererseits brauchen alle Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Wichtig ist deshalb die Beratung und die Betreuung, die Fortbildungen, die Oikokredit und die Partnerorganisationen anbieten. Nötig ist das ganze Paket, zum Beispiel inklusive Versicherungen. Das bestätigt auch die heutige Tagung.

Banken beginnen sich für das Geschäft mit den Mikrokrediten zu interessieren. Ist das eine Chance?

Mich beängstigt das. Mikrofinanzierung ist ein Entwicklungsprogramm. Und Banken haben ein anderes Interesse und keine Qualifikation für Entwicklungsarbeit. Außerdem bedient zum Beispiel die Deutsche Bank die städtische Upper Class. Die Situation in Peru in den Anden ist anders.

Ein weiterer Punkt der Kritik: Mit dem Mikrokredit kauft sich eine Frau eine Kuh – statt gegen die Armut zu kämpfen.

Nein. Es ist umgekehrt. Mikrokredite schaffen den Freiraum für politische Aktivitäten. Natürlich: Manche ruhen sich dann in ihrem Sesselchen aus, das ist auch hier nicht anders. Und noch etwas: Mikrokredite sind etwas Praktisches – sie helfen, ohne dass man wartet, bis die Strukturen verändert sind.

Was bringt die heutige Tagung?

Zunächst ist sie unser Beitrag zum UNO-Jahr der Mikrokredite 2005. Außerdem geht es darum, Oikokredit bekannter zu machen. Und drittens tauschen wir uns darüber aus, was wir in Zukunft anders machen.

 

 

 

10.06.2005

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 13. Juni 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 13. Juni 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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