Trauermusik

Sie ordnet und sorgt für Harmonie

Trauermarsch für Queen Mary von Henry Purcell. "Candle in the Wind" für Lady Di von Elton John. So verschieden kann Trauermusik ausfallen. Das wurde bei der Tagung über Trauermusik in Düsseldorf deutlich.

„Welche Musik soll bei Ihrer eigenen Beerdigung gespielt werden?“ Darauf haben 49 Prozent in einer kleinen Umfrage des Paderborner Musikwissenschaftlers Professor Heiner Gembris geantwortet,  sie wünschten sich klassische und geistliche Musik. Das waren überwiegend die Ältern.

Rund 43 Prozent dagegen, zumeist Jüngere, bevorzugen Pop und Rock. Nur 4 Prozent meinten, dass andere die Entscheidung treffen sollten, Pfarrer oder die Familie.

Große Einigkeit bestand jedoch bei 54 Prozent aller Befragten unabhängig vom Alter darin, dass Musik an die Verstorbenen und gemeinsame schöne Zeiten erinnern soll. Dass sie Kraft und Hoffnung gibt, meinten immerhin 18 Prozent.

Selbstbegegnung der Trauernden

Musik ist untrennbar mit Tod und Trauer verbunden, in allen Kulturen und allen Epochen. Das verdeutlichte das zweitägige Forum „Musica et Memoria. Trauermusik durch die Jahrhunderte“ am 2./3. November im Düsseldorfer FFFZ, bei der Heiner Gembris seine Umfrage präsentierte. Es wurde vom  Kuratorium Deutsche Bestattungskultur (Düsseldorf) und der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf veranstaltet .

Professor Volker Kalisch von der dortigen Forschungsstelle für Sepulkralmusik sprach von einem „tiefen Verständnis des Todes in der Musik“. Durch Trauer-, Bestattungs- und Gedenkmusik komme es zu einer „Selbstbegegnung“ der Trauernden. „Der Mensch wird tief und authentisch vor sich selbst gebracht“, so der Musikwissenschaftler.

Ausgehend von dem Sänger und Götterliebling Orpheus in der griechischen Mythologie, schrieb Kalisch der Musik eine ordnende und harmonisierende Wirkung zu. Außerdem mache sie Gefühle begreifbar und kommunizierbar. Zumindest, wenn es sich um wirkliche Trauermusik handele, die Kalisch strikt von dem abgrenzte, was er reine „Erinnerungsmusik“ nannte.

"Kirchen huldigen modischem Trend"

Wer zum Beispiel „Was machst du mit dem Knie lieber Hans“ bei der Beerdigung des Großvaters spiele, der ein großer Tänzer war, finde sich in dieser Kategorie wieder. Ausgehend von seiner Definition kritisierte Kalisch, dass in den  Kirchen einem „modischen Trend gehuldigt“ werde. Sie hätten sich als „Definitionsmacht verabschiedet“. Die allgemein gültige Trauermusik werde immer häufiger von einer zufälligen Auswahl der Hinterbliebenen abgelöst.

Wie groß die emotionale Macht der Trauermusik ist, zeigte ein Vergleich der beiden Musiken, die für die Trauerfeiern von Lady Di 1997 und - fast 300 Jahre zuvor -  für Queen Mary 1695 geschrieben wurden. Beides berühmte und beliebte Frauen, deren Tod und Trauerfeiern in Westminster Abbey viele Menschen auf die Straße brachten.

Der bei Henry Purcell offiziell in Auftrag gegebene schlichte Trauermarsch für die Queen ist in die Geschichte eingegangen und wurde noch oft gespielt. Elton Johns Pop-Komposition „Candle in the Wind“ schließlich ging um die Welt und wurde „zum intimsten Moment der ganzen Beerdigungszeremonie“ für Lady Di, wie Musikprofessorin Manuela Schwartz von der Hochschule Magdeburg/Stendal erläuterte. Damals wie heute ist Musik das Band, das alle Trauernden wortlos vereint. Und tröstet.

 

 

 

Bettina von Clausewitz /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 4. November 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 4. November 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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