Zu Karfreitag und Ostern

„Gut, dass wir mal drüber geredet haben.“

Impulse und Gedankenanstöße auf EKiR.de: Was bedeutet die Botschaft von Karfreitag und Ostern für uns heute?

Ostern und Karfreitag stehen im Zentrum der christlichen Botschaft und werden durch das Kreuz symbolisiert Ostern und Karfreitag stehen im Zentrum der christlichen Botschaft und werden durch das Kreuz symbolisiert

„Gut, dass wir mal drüber geredet haben.“

Kann man wohl sagen! Hätten die beiden auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus nicht darüber geredet, dann hätte sich der Fremde nicht ungefragt eingemischt. Dann hätte er sie auch nicht eines Besseren belehrt. Dann hätten sie ihn auch nicht zum Bleiben und zum Essen eingeladen: „… denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.“ Dann hätten sie ihn auch nicht am Brotbrechen erkannt: „Jesus lebt!“

Gut, dass sie drüber geredet haben! Wo lag das Problem?

Jesus hatte kühnste Träume und schönste Hoffnungen geweckt: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“ Man hatte ihn liquidiert. Aus und vorbei.

Träume und Hoffnungen! von einer besseren Welt: Gerechtigkeit und Frieden! von einem gelingenden Leben: Gesundheit und Glück, Gedeihen, Erfolg! von der Versöhnung der Schöpfung mit ihrem Schöpfer, vom Heil der Welt!

Träume und Hoffnungen! Von Jesus geweckt, daher mit dem christlichen Glauben, mit der Kirche verknüpft. Aber auch in der Kirche gehen Hoffnungen zu Bruch, auch dem christlichen Glauben platzen oder verpuffen Träume: Wo ist Gott, der Gott des Lebens und der Liebe? Wo ist er in unserer von Schuld und Schicksal gezeichneten Welt? – und sage doch keiner, die Kirchen und die Christenmenschen trügen sie nicht, die Signatur von Sünde und Tod!

„Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“

Gut, dass die beiden darüber geredet haben! Sie haben das Platzen ihrer Träume nicht verdrängt, die große Enttäuschung ihres Lebens nicht voreinander versteckt.

Und auch nicht vor anderen! Sie redeten offen davon. Sie ließen die Einmischung des Fremden zu, ließen ihn an sich heran, ja, sogar zu sich herein. So riskierten sie, außer in ihren Träumen und Hoffnungen auch in ihrer Enttäuschung noch einmal enttäuscht zu werden.

Zwar hatten sie die Botschaft längst gehört: „Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen und haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.“ Zwar ist die Botschaft längst bekannt.

Aber erst an der eingestandenen Enttäuschung und an der im Gespräch mit dem Fremden neu aufglühenden Sehnsucht – „brannte nicht unser Herz?“ – zündete sie: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“

Gut, wenn wir über die Enttäuschungen unseres Lebens und Glaubens reden! Noch besser, geradezu osterträchtig, wenn wir uns von dem Fremden – dem unerkannten lebendigen Jesus! – in der Verstörung stören lassen!


Martin Evang
Pfarrer in der Arbeitsstelle für Gottesdienst
und Kindergottesdienst, Wuppertal

P.S. Die Geschichte steht übrigens im Lukasevangelium, Kapitel 24, Verse 13-35.



 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 24. März 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 25. März 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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