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Kameeta: Von Afrika und Asien spirituelle Tiefe lernen

Er hat acht Jahre die Richtung der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) als Moderator mitbestimmt. Sein heikelstes Projekt, die Umstrukturierung der gesamten VEM, hat er pünktlich übergeben. Die Vollversammlung der VEM hat jetzt die Vorschläge gebilligt.

Wir wohnen im selben Haus: Bischof Dr. Zephania Kameeta. Foto: VEM Wir wohnen im selben Haus: Bischof Dr. Zephania Kameeta. Foto: VEM

Mit diesen Vorschlägen soll die VEM bis 2012 zehn Prozent ihres Haushaltes einsparen. Zu den Mitgliedskirchen der VEM gehört die die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR). Zum Abschied des Moderators ein ekir.de-Interview mit Bischof Dr. Zephania Kameeta.

Rückblickend: Was hätten Sie gern vor Ihrer Amtzeit gewusst?
Alles. Wissen Sie, ich kannte die alte VEM, aber die wurde 1996 internationalisiert. Ich wusste also nicht viel über die neue Organisation der VEM, obwohl ich in der Kirche und in der Kirchenleitung war. Ich musste alles von der Pike auf lernen.

Was war die größte Herausforderung Ihrer Amtszeit?
Ganz klar: Die zweite Vollversammlung im Jahr 2000, bei der ich auch als Moderator gewählt wurde. Von dort kam der Auftrag, die VEM zu restrukturieren und sie effizienter und ökonomischer zu machen. Das war die größte Herausforderung, weil ich - neben anderen - den Prozess von Anfang bis Ende mit begleiten musste. Wenn ich zurückschaue auf die acht Jahre, die hinter uns liegen, danke ich Gott, dass wir erfolgreich waren: Die Entscheidungen, die wir vorgeschlagen haben, wurden gestern mit Zweidrittelmehrheit bestätigt.

In einem Interview haben Sie kritisiert, dass Sie von Europäern immer auf Bedarfe in Afrika angesprochen werden. Sprechen wir also über Deutschland: Um was sollten sich die Kirchen in Deutschland kümmern?
Erst einmal möchte ich der deutschen Kirche für die Unterstützung vor der zweiten Amtszeit danken. Worauf sollten sich deutsche Kirchen besinnen? Menschen in Deutschland denken manchmal, dass sie diejenigen seien, die Afrika etwas geben könnten. Aber ich möchte sagen, dass die Menschen in Deutschland viel von Afrika lernen können. Es gibt viel Weisheit und spirituelle Tiefe in Afrika, die in Deutschland und in ganz Europa gebraucht wird. Also: Statt dass Sie sich darauf konzentrieren, den armen Afrikanern und den armen Asiaten zu helfen - was unzweifelhaft wichtig ist, weil wir finanzielle Hilfe brauchen - konzentrieren Sie sich doch darauf, wie Sie etwas von der spirituellen Tiefe in Afrika und Asien lernen können.

Ein zweiter Punkt betrifft den Klimawandel. Der Klimawandel ist eine Gerechtigkeitsfrage. Das meiste CO2 wird in diesem Teil der Welt produziert. Aber man darf es nicht auf die Gerechtigkeit reduzieren: Es geht auch um unsere Kinder und Enkel. Diese Woche habe ich Kinder auf den Straßen von Borkum spielen sehen und mich gefragt: In welcher Welt sollen diese Kinder später leben? In Afrika regnet es seit kurzem im Winter. Die neugeborenen Schafe und Ziegen sterben, wenn man keinen Stall bauen kann, um sie zu schützen. Die Ärmsten der Armen trifft der Klimawandel am härtesten. Aber im Endeffekt wohnen wir im selben Haus. Wenn es einstürzt, betrifft das uns alle. Klimawandel ist also nichts für nebenbei, da geht es um Leben und Tod. Die deutschen Kirchen sollten das Thema ernster nehmen.

Haben Sie schon Pläne für die nächsten vier Wochen?
Ich bin der Bischof meiner Kirche, ich bin nicht arbeitslos. Als Bischof in Namibia stehe ich mitten im Kampf gegen Ungerechtigkeit, mitten im Kampf gegen den  Klimawandel und die Armut, Malaria, TB oder HIV. Das ist mein tägliches Arbeitsumfeld. Und ich bin wirklich voll beschäftigt damit. Um ehrlich zu sein: Ich bin ziemlich nervös, eine Woche hier zu sein. Außerdem bin ich ja noch Vizepräsident des Lutherischen Weltbunds und nach wie vor bleiben wir aktive Mitglieder der VEM und ich möchte auch weiterhin an der Arbeit partizipieren. Ich habe also genug zu tun.

 

 

 

ekir.de-Interview: David Schubert /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 19. Juni 2008. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 20. Juni 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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