Nes Ammim

"Wir hoffen und beten"

Die Nachrichten aus Israel sind erschreckend. Die Lage spitzt sich von Tag zu Tag zu. Und es werden verstärkt Zweifel laut an der israelischen "Sicherheitspolitik".

Im Bunker informieren sich Bewohner von Nes Ammim darüber, wo Katjuschas eingeschlagen sind. Im Bunker informieren sich Bewohner von Nes Ammim darüber, wo Katjuschas eingeschlagen sind.

Elke Wieja, Vorsitzende des deutschen Nes Ammim Vereins und Mitglied der internationalen Leitung Nes Ammims, schätzt die Lage als "höchst Besorgnis erregend" ein. Ihr Blick richtet sich dabei besonders auf Nes Ammim, die christliche Siedlung in Galiläa, und auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Deutschland, die dort im Versöhnungsprojekt ihren Dienst tun.

 

 

Erschreckende Nachrichten: Elke Wieja, Vorsitzende von Nes Ammim. Erschreckende Nachrichten: Elke Wieja, Vorsitzende von Nes Ammim.

Frau Wieja, die Nachrichten von israelischen Angriffen auf den Libanon und palästinensische Gebiete im Gaza-Streifen sind erschreckend. Sie als Kennerin Israels - wie besorgt müssen wir sein? Und wie beurteilen Sie die israelische „Sicherheitspolitik“?

Die Nachrichten über die kriegerischen Auseinandersetzungen im Süden und jetzt auch im Norden Israels sind allerdings erschreckend und höchst Besorgnis erregend. Israel hat an beiden Grenzen seine Kampfeinsätze verstärkt und im Moment ist wohl leider eine weitere Eskalation zu befürchten.

Wir dürfen aber nicht vergessen, auch wenn wir nicht jede Kampfhandlung Israels in der Vergangenheit kritiklos sehen können, dass die jüngsten Angriffe auf Gaza und auf den Libanon durch die Entführung und Ermordung israelischer Soldaten und insbesondere an der Grenze zum Gazastreifen durch regelmäßigen Raketenbeschuss israelischer Orte provoziert wurden.

Solange israelische Nachbarn Aufrufe aus dem Iran, Israel zu vernichten und von der Landkarte zu löschen, bejubeln oder sogar selbst kundtun, wird sich Israel mit allen Mitteln gegen solche Angriffe verteidigen.

Israel hat sich trotz starker Sicherheitsbedenken aus den eigenen Regierungskreisen und von Seiten der Opposition aus dem Gazastreifen und schon vor Jahren aus der "Sicherheitszone" im Süden des Libanon zurückgezogen, in der Hoffnung, so zu einer Befriedung der Region beitragen zu können. Denn die Mehrheit des israelischen Volkes sehnt sich sicher ebenso wie der  überwiegende Teil der Palästinenser nach einem Leben in friedlicher Koexistenz, aber auch in Sicherheit. Dabei wird aufgrund der Erfahrungen aus der Geschichte das Sicherheitsbedürfnis immer überwiegen.

Auch jetzt steht deshalb die Mehrheit der Israelis wohl hinter den israelischen Angriffen auf Gaza und den Libanon und der Frieden ist einmal wieder in weitere Ferne gerückt. Das ist nach meiner persönlichen Ansicht auch das Ziel, das von Hamas und Hisbollah mit den Entführungen beabsichtigt war und nun leider auch Erfolg hatte.

 

In Nes Ammin arbeiten unter anderem auch Freiwillige aus Deutschland im Versöhnungsprojekt. Wie schätzen Sie deren Sicherheitslage ein?

In Nes Ammim, das rund zehn Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt liegt, leben und arbeiten zur Zeit ca. 20 Freiwillige aus Deutschland, darunter zwei Familien mit insgesamt drei Kindern. Als Vorsitzende des deutschen Nes Ammim Vereins und Mitglied in der internationalen Leitung Nes Ammims fühle ich mich natürlich für unsere Volontäre dort verantwortlich und mache mir nach den aktuellen Nachrichten von heute morgen auch Sorgen. Ich habe deshalb sogleich mit unserer Managerin, einer Israelin, die schon seit vielen Jahren für uns arbeitet, telefoniert, um mich über die Situation in Nes Ammim  zu erkundigen.

Das erste, was ich mit goßer Erleichterung hörte, war, dass Nes Ammim zur Zeit als der sicherste Ort im Norden Israels gilt. So hat unsere Managerin Jane, die selbst in einem Ort nahe der Grenze wohnt, der heute morgen auch beschossen wurde, ihre Familienangehörigen mit nach Nes Ammim genommen. Ebenso haben es auch andere israelische Angestellte gemacht. In den israelischen Nachbarorten, besonders in Nahariya, wo es leider ein Todesopfer durch einen Raketenangriff zu beklagen gibt, gibt es die Anweisung, sich in den Sicherheitsräumen, die es in jedem israelischen Haus und Ort gibt, aufzuhalten.

Dies gilt aber nicht für Nes Ammim. Trotzdem wurde nach Auskunft eines unserer Volontäre dafür Sorge getragen, dass auch in Nes Ammim alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen im Notfall eingehalten werden können. Außerdem werden die Freiwilligen ständig über die neuesten Entwicklungen informiert und sollen Nes Ammim vorerst nicht verlassen. Die Straßen in Richtung Norden sind ohnehin gesperrt.

Die Stimmung unter den Bewohnern Nes Ammims ist angespannt, aber ruhig. Und wir tun alles dafür, für jede und jeden jeder Zeit da zu sein - für Gespräche, aber auch um zu helfen, wenn jemand doch lieber spontan abreisen möchte.

Wir möchten aber auch den Nachbarn Nes Ammims helfen, die in unserem Dorf Sicherheit suchen und stellen deshalb jeden zur Verfügung stehenden Wohnraum, auch im Gästehaus, zur Verfügung.

Wir hoffen und beten für unsere Nes Ammimer ebenso wie für Israel und seine Nachbarn, dass trotz aller aktuellen schlechten Zeichen schnell ein Weg zurück in Richtung Frieden gefunden wird und dieser Zustand schnell wieder vorübergeht.

 

 

 

jpi / mai /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 13. Juli 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 26. Juli 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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