"Die Passion Christi"

Ein Blutbad

Ohne theologische Tiefe - monieren EKD und Präses Nikolaus Schneider über den Kinofilm "Die Passion Christi". Der Mel-Gibson-Film läuft am 18. März in den Kinos an. Ein Stück über den Film, der Jesu letzte zwölf Stunden erzählen will

Auf dem Weg nach Golgatha: Jesus (Jim Caviezel) in Gibsons "Passion Christi". Auf dem Weg nach Golgatha: Jesus (Jim Caviezel) in Gibsons "Passion Christi".

 

Zerschundene Kreatur: Jesus mit der Dornenkrone. Zerschundene Kreatur: Jesus mit der Dornenkrone.

Die Peitschen knallen auf die Haut. Auf dem Rücken addieren sich die Striemen. Blanke Haut. Blankes Entsetzen. Und keine Erlösung.

Die höhnenden Römer greifen zum nächsten Folterinstrument, die so genannte neunschwänzige Katze, eine Peitsche mit Stacheln an den Spitzen. Sie zerfetzen die Haut. Blut spritzt. Und die Geißelung Jesu liegt lange vor der Kreuzigung.

Jesu letzte zwölf Stunden dauern im Kino 127 Minuten. Filmproduktion und –verleih preisen die „ergreifende Authentizität und überwältigenden Bilder“ dieses „Monumentalfilms“ an. Regisseur und Drehbuchautor Mel Gibson lässt sich im Infomaterial so zitieren: „Ich wollte die Größe dieses Opfers zum Ausdruck bringen.“

Zum Opfer dieser „größten Geschichte, die je erzählt werden kann“, gehöre auch der „damit verbundene Horror“, begründet der Oscar-Preisträger. Auch Hauptdarsteller Jim Caviezel versichert, Gibson habe die Gewalt „nicht um ihrer selbst Willen benutzt“.

 

 Ich bin doch schon da: Jesus (Caviezel) und Mutter Maria (Maia Morgenstern). Ich bin doch schon da: Jesus (Caviezel) und Mutter Maria (Maia Morgenstern).

Manche Medien kommen da mit. Die "New York Post" - in den USA in der Film bereits seit Aschermittwoch in den Kinos - schreibt an die Adresse der Menschen, die die "Passion Christi" als gewaltverherrlichend kritisieren: "Was stellen die sich vor, worum es sich bei einer Kreuzigung gehandelt hat - um ein Kaffeekränzchen?"

Trotz "ungeheurer Gewalt in der Darstellung" hat die "Welt" ein "Meisterwerk" gesehen. Der "Rheinische Merkur" testiert Gibson eine "visionäre Sicht der Leiden Jesu". Aber nicht nur: So titelte die "Süddeutsche Zeitung" über den Film: „Weiden am Leiden“. Und die "Rheinische Post" findet, Folterexzesse und Blutbäder dominieren das Opus. "Die geistige Botschaft spielt dabei kaum eine Rolle."

Mit anderen Worten: Die Kirchen stehen mit ihrer Kritik nicht allein da. Obwohl der Film Authentizität beanspruche, biete er keine "exakte Rekonstruktion des Ablaufs", heißt es in einem Schreiben des Kirchenamts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), an ihre 23 Mitgliedskirchen. Gibson bade in einer Schmerzensmann-Frömmigkeit und lege alles Gewicht auf die Äußerlichkeit des Leidens Jesu. Das Geheimnis der Erlösung werde nicht deutlich.

Dass dieser Passionsgeschichte "die theologische Tiefe" fehlt, findet auch Präses Schneider, der den Film vier Tage vor dem Kinostart in Düsseldorf ansah. Gibson verliere sich in einer ausufernden Darstellung von Blut und Gewalt, die das Leiden Jesu beinahe eindimensional auf das Körperliche reduziere. Und das Geheimnis der Erlösung liegt in einer "anderen ,Wunde'", die Christus trug - die Sünde der Gottesferne.

Der blutüberströmte, angekettete Mann windet sich, unglaublich, dass er diese Geißelung noch überlebt. Da bindet einer seiner Folterknechte Jesus eine Hand los - Ende der Marter? Nicht bei Gibson. Die Folterknechte drehen den Mann aus Nazareth auf den Rücken und zerschinden nach dem Rücken nun den Brustkorb. Und die Kreuzigung liegt noch vor ihm.

neu; Fotos: Verleih

 

16.03.2004

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 16. März 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 17. März 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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