Förderpreis "Gewalt überwinden"

Schirmherr Bernd Stelter im Gespräch

Bernd Stelter (42), bekannt durch die TV- Sendung „7 Tage – 7 Köpfe“, engagiert sich gegen Gewalt. Der zweifache Vater ist Schirmherr für den Förderpreis „Gewalt überwinden“ der drei Bonner Kirchenkreise. Im Gespräch mit Sven Waske erklärt er, warum.

Möchte positive Werte leben lassen: Bernd Stelter Möchte positive Werte leben lassen: Bernd Stelter

PRO: Herr Stelter, was hat Sie dazu bewegt, den Förderpreis „Gewalt überwinden“ zu unterstützen?

Stelter: Eine Aktion gegen Gewalt ist viel wichtiger als manche denken. Man muss es wirklich thematisieren. Denn Gewaltfreiheit ist nicht mehr ein so hohes Gut. Bei Kindern oder Jugendlichen wird es oft nicht mehr als etwas Besonderes angesehen. Gewalt an der Schule, Druck von Mitschülern – das scheint für manche fast normal zu sein. Ich habe die Befürchtung, dass die Gewaltbereitschaft bei Kindern viel, viel größer ist als früher. Und da muss man etwas gegen tun.

PRO: Wie setzen Sie diese Zeichen zur Überwindung von Gewalt?

Stelter: Ich rede häufig über die Kinder und die Familie. Das tue ich immer in einem positiven Zusammenhang. Das ist mein Zeichen. Ich möchte positive Werte leben lassen, was in der Comedy nicht immer der Fall ist. In meiner kleinen Serie „Bernds Hexe“ geht es um eine kleine Familie und die Probleme mit den Schwiegereltern. Wir legen ganz großen Wert darauf, dass diese kleine Zelle 'Familie' erstmal funktioniert. Das ist alles. Dann kann man zwar hinterher sagen, das ist langweilig. Aber mir ist die funktionierende Zelle Familie wichtig. Und ich denke, ich erreiche damit ein bisschen mehr, als wenn ich mich mit erhobenem Zeigefinger hinstelle und sage: „So nicht!“.

PRO: Wo hört für Sie der Spaß auf?

Stelter: Ich habe meine Tabus und ich will ganz gewiss kein Tabubrecher sein. Aber wenn man sich natürlich sagt: Okay ich mache, wenn eben möglich, keine Gags über Minderheiten – dann ist man plötzlich der Spießer unter den Comedians. Da hat man dann Pech gehabt. Ich mache zum Beispiel auch keine schmutzigen Witze über Sex. Sex ist so etwas Wunderschönes und ich will das nicht durch blöde Witze in den Schmutz ziehen lassen.

PRO: Können Kunst und Kultur dabei helfen, Gewalt zu überwinden?

Stelter: Ich denke schon. Im Moment bin ich mit meinem Programm „Pappa is 'ne Knackwurst“ unterwegs. Das ist ein Programm über Eltern und ihre Kinder. Ich lass mir nicht irgendwelche Science-Fiction-Geschichten einfallen. Sondern ich schildere, dass der Papa eifersüchtig ist, weil seine Tochter einen Freund hat. Und wenn die Leute merken, dass das ganz normale Leben lustig und interessant sein kann, dann hab ich viel erreicht.

PRO: Wie könnte ein Wettbewerbsbeitrag ihrer Meinung nach aussehen?

Stelter: Beiträge zur Überwindung von Gewalt können natürlich ein klares Statement gegen Gewalt sein. Das ist völlig okay. Aber ich denke, ein Beitrag eines positiven Bildes kann auch einer sein. Das widerspricht sich meiner Ansicht nach nicht.

PRO: Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Hintergrund: Der Förderpreis geht in die zweite Runde

Bereits zum zweiten Mal wird der Förderpreis „Gewalt überwinden“ von der evangelischen Kirche ausgeschrieben. Gesucht werden diesmal Projekte und Aktivitäten aus den Bereichen Kunst und Kultur. Musikbands, Theatergruppen, aber auch Schulklassen oder Einzelpersonen sind aufgerufen, ihr Engagement zur Überwindung der Gewalt zu dokumentieren und sich um den Förderpreis zu bewerben.
Als Schirmherr wurde der Comedian Bernd Stelter gewonnen. „Ich bin Komiker, aber irgendwo hört der Spaß auf“, betont der 42jährige  Familienvater aus Bornheim. Deshalb unterstütze er auch den Förderpreis. „In einer Zeit, in der Gewalt alltäglich bei uns und anderswo erlitten wird und viele Menschen lieber wegsehen als ihre Stimme zu erheben, bietet dieser Förderpreis eine gute Möglichkeit, 'Gewalt Überwinden' zu thematisieren.“

Anlass für die Stiftung des Förderpreises sei die ökumenische Dekade zur 'Überwindung von Gewalt', erläutert Dr. Uta Garbisch, Öffentlichkeitsreferentin aus Bad Godesberg. „Alle Mitglieder des Ökumenischen Rats der Kirchen haben sich vor zwei Jahren verpflichtet, an einer Kultur der Gewaltlosigkeit mit zu arbeiten und die Dekade in's Leben gerufen.“ In der Region Bonn, Rhein-Sieg und Voreifel habe die evangelische Kirche daher den Förderpreis initiiert.

Bewerben können sich Einzelpersonen oder Gruppen, die das Thema Gewalt und deren Überwindung in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit stellen. Dabei ist nicht wichtig, ob es sich um ein einmaliges Projekt oder um ein langjähriges Engagement aus den Bereichen „Musik“ oder „Wort“ handelt. Vielmehr wünschen sich die drei Kirchenkreise, die den Förderpreis tragen, „pfiffige, innovative und ansteckende“ Beiträge. Die Preisträger werden von einer unabhängigen Jury ermittelt und beim Sommerfest im Evangelischen Jugendzentrum Godesheim, Waldstraße 23, am Samstag, 2. Juni 2004, prämiert.

Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen gibt es ab sofort beim Evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel, Kennedyallee 113, 53175 Bonn, Telefon (0228) 307870, supturgodesberg@ekir. Der Einsendeschluss für die Projektbeschreibungen ist 1. Mai 2004.

 

 

Bad Godesberg-Voreifel / 11.12.2003

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 11. Dezember 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 20. Januar 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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