3. Europäische Ökumenische Versammlung

Zeugnis für die Lichterfeier

Barbara Rudolph, Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland

Barbara Rudolph, ursprünglich rheinische Pfarrerin, ist die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Barbara Rudolph, ursprünglich rheinische Pfarrerin, ist die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).

Religionen

Ich bin nach Hermannstadt gekommen und einem Land begegnet, in dem seit Jahrhunderten verschiedene Kulturen, kirchliche Traditionen und Religionen gemeinsam und friedlich miteinander leben. Das ist ein großes Geschenk für Europa.

Hier habe ich gehört und erlebt, dass das Miteinander verschiedener Religionen eine Bereicherung für die Menschen und Länder in Europa ist: ein junger Mann hat von den Freundschaften zwischen Muslimen und Christen in Serbien erzählt, ein Rabbi von der gegenseitigen Unterstützung von Kirchen und Synagogen in Russland, eine Muslima aus England von dem gemeinsamen Kampf mit Christinnen gegen Armut und Wohnungsnot in ihrer Stadt.

Oft hören wir von Problemen, wenn Gläubige verschiedener Religionen zusammen leben. Die jahrhunderte langen Erfahrungen in Europa sind zum größten Teil anders: Der Reichtum, den europäische Christen, Juden und Muslime teilen, ist groß: Musik jüdischer Komponisten, arabische Zahlen und Mathematik, Medizin, Architektur, Philosophie und die große Verwandtschaft unserer religiösen Tradition verbinden uns auf diesem Kontinent und weltweit.

Wir wissen um die Schuld, dass die Stimmen der Intoleranz im Namen der Religion oft laut geworden sind und schreckliche Konsequenzen hatten. In seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Versammlung hat der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I gesagt: Verbrechen im Namen der Religion sind ein Verbrechen gegen die Religion. Die 2000 Delegierten aus den Kirchen Europas haben das mit großem Applaus bestätigt. Darum hoffe ich, dass von der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung eine deutliche Bestätigung ausgehen wird von dem, was die Kirchen in ihrer gemeinsamen Charta Oecumenica aus dem Jahr 2001 gesagt haben: „Wir verpflichten uns, allen Formen von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft entgegenzutreten und allen Muslimen mit Wertschätzung zu begegnen.“

Ich habe hier in Hermannstadt in vielen Begegnungen und Gesprächen eine große Ermutigung für meinen Glauben bekommen. Ein Delegierter hat gesagt: Wo viel Raum für Christus ist, da ist viel Raum für andere Menschen, auch Menschen anderen Glaubens. Wir Christinnen und Christen wollen den Weg in Europa nicht allein gehen. Wir brauchen die Europäer jüdischen und muslimischen Glaubens für ein friedliches Zusammenleben. Davon kann ein Zeichen und eine Botschaft für die Welt ausgehen.

Zwei Fragen haben uns in einer Arbeitsgruppe beschäftigt: Was ist der Schlüssel für ein friedliches Miteinander der Religionen? Antwort: Im eigenen Glauben fest verwurzelt sein und eine gute Freundschaft mit einem Menschen anderen Glaubens haben. Und die 2. Frage: Was ist nötig, um den Weg gemeinsam zu gehen: ein langer Atem! Vertrauen entsteht langsam und im Alltag. Dann trägt es auch in schwierigen Phasen und macht wirklich Mut.


 

 

 

 

08.09.2007

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 17. September 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 17. September 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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