Männerarbeit

Lauter, kraftvoller - männlich

„Mann kommt ohne Kirche aus, aber die Kirche nicht ohne Männer.“ Diese Quintessenz hat Pfarrer Hans-Georg Ulrichs gezogen, Festredner bei der Feier in Bonn zum 60-jährigen Bestehen der Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).

Den Ball aufgenommen: Hans-Georg Ulrichs, ehemals WM-Pfarrer, hielt die launige Festrede zum Jubiläum der Männerarbeit. LupeDen Ball aufgenommen: Hans-Georg Ulrichs, ehemals WM-Pfarrer, hielt die launige Festrede zum Jubiläum der Männerarbeit.

Ulrichs, der passend zu seinem Amt im vergangenen Jahr als WM-Beauftragter der EKD mit einem Fußball in seine Rede gestartet war, forderte vor den rund 150 Festgästen, Männerarbeit in der Kirche gar nicht erst kompliziert zu begründen. „Sie ist selbstverständlich.“

 

 

Presbyter und Mitglied eines Männerkreises in Lintfort am Niederrhein: Horst Keye. LupePresbyter und Mitglied eines Männerkreises in Lintfort am Niederrhein: Horst Keye.

Einer, für den Männerarbeit ganz wichtig ist, heißt Horst Keye. Er lebt in Lintfort im Kirchenkreis Moers, war beruflich als kaufmännischer Angestellter im Großhandel unterwegs und sagt über seinen Männerkreis: „Der Abend ist reserviert, da gibt es kein vertun.“

In der Konfirmandenarbeit würden die Jugendlichen ja auch phasenweise nach Jungen und Mädchen sortiert. Für Keye ist klar, in seiner Männer-Gruppe findet er den Austausch, der ihm wichtig ist. Anziehungspunkt ist für den Niederrheiner, der sich obendrein als Presbyter in seiner Gemeinde engagiert, sich unter dem Zeichen des Kreuzes zu treffen.

Handfesterer Zugang

Keye (72) ist einer von zahlreichen Männern, die im Foyer an Stellwänden ihre Arbeit erläutern. Nur ein weiteres Beispiel: Beim Stand der Väter-Kinder-Arbeit in Haan kann Mann an ein Männerhemd seine Meinung posten, was ein guter Vater braucht. „Auch mal Zeit für sich“, hat einer dran geschrieben.

Dr. Gerhard Saß (47), Gemeindepfarrer in Lank, sieht in seiner Gemeinde Studien bestätigt, dass Männer einen eigenen, „handfesteren Zugang“ zu Themen brauchen. So funktioniere beispielsweise  Pilgern gut. „Die Männer sagen, das Laufen tut gut.“

 

 

Beachtliche Chancen: Landesobmann Friedrich John begrüßt zum Fest. LupeBeachtliche Chancen: Landesobmann Friedrich John begrüßt zum Fest.

Die Männerarbeit sei eine Plattform für beachtliche Chancen, sagt der Landesobmann der rheinischen Männerarbeit, Friedrich John aus dem saarländischen Wiebelskirchen. „Es ist an uns, diese Chance beherzt zu ergreifen.“ Zum Jubiläum solle nicht Rückschau gehalten werden, so John weiter. Vielmehr soll der Blick nach vorn gerichtet werden.

Beides tat Eckart Wüster, Superintendent des Kirchenkreises Bonn und Mitglied der rheinischen Kirchenleitung. Immer noch gelinge es zu wenig, Männer in den Kirchengemeinden zu erreichen, trotz der Mehrheiten von Männern in Gremien. „Offenbar finden wir in den Gemeinden oft nicht den richtigen Ton“, das müsse sich ändern.

Glückwünsche auch von der Frauenarbeit

Glückwünsche überbrachten auch zwei Frauen: Superintendentin i.R. Hannelore Häusler als Vorsitzende der Frauenarbeit der EKiR sagte, der vor zwei Jahren begonnene Austausch von Frauen- und Männerarbeit solle fortgesetzt werden, als nächstes zum Thema Väter.

Die Glückwünsche des Düsseldorfer Landeskirchenamts richtete die Theologin Dr. Sabine Zoske aus. Sie sprach unter anderem vom Wunsch der Landessynode, auf Gendermainstreaming zu setzen. Zoske: „Das ist eine Herausforderung und Chance“, letztlich gehe es um die bestmögliche Förderung von Geschlechtergerechtigkeit.

Vier Schwerpunkte

Für den Vorstand der EKD-Männerarbeit gratulierte Pfarrer Heinz-Georg Ackermeier, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen. Kirchliche Männerarbeit habe vier Schwerpunkte, erklärte er. Glaube und Spiritualität nannte er als ersten Punkt. Denn: „Männer tun sich mit tradierten Glaubensformen schwerer.“  Zweitens „Gender“, für viele ein "Reizwort". Nun sagten ja viele, Männer seien verbal aufgeschlossen, aber verhaltensstarr. Ein Gegenbeispiel sei die Väter-Kinder-Arbeit, die behutsame Verhaltensänderung in Richtung Geschlechtergerechtigkeit bewirke.

Schließlich gehöre zur Männerarbeit bei aller Orientierung am Wort Gottes immer auch die sozialethische bzw. gesellschaftsdiakonische Dimension. Viertens und letztens sei die internationale Arbeit wesentlicher Bestandteil der Männerarbeit. Als Beispiel hob Ackermeier das Engagement der rheinischen Männerarbeit für die Menschen in Wetka in Weißrussland hervor, sprich die Hilfe im Nachgang zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

Andere Angebotsformen entwickeln

Also doch eine Menge Begründungen für Männerarbeit. Und natürlich lieferte auch Ulrichs selbst konzeptionelle Überlegungen. Zu seinen Forderungen gehörte, andere Angebotsformen zu entwickeln, Männer bei den Kasualien wie Taufe und Trauung stärker einzubinden und besondere Formen von Gottesdiensten für Männer zu entwickeln. Nur ein Beispiel: Viele mögen "Taizé", aber: "Meine Vorstellung von Gottesdiensten ist lauter, kraftvoller, eben männlicher."

 

Wachsen gegen den Trend

Die Glück- und Segenswünsche der Kirchenleitung schließlich überbrachte der leitende Geistliche selbst. Präses Nikolaus Schneider gratulierte auch einem kirchlichen Arbeitsfeld, dass vielerorts ein "Wachsen gegen den Trend" verzeichne. 

Schneider predigte im Festgottesdienst in der Bonner Lukaskirche über das Leitmotiv der Männerarbeit in diesem Jahr: "Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben" (Sprüche 12,28). Das Wort Weg bringe zum Ausdruck, dass Leben und Gerechtigkeit ständiges Bemühen bräuchten. "Als lebendige Menschen werden wir damit nie ans Ende kommen."

 

neu / 22.09.2007

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 21. September 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Samstag, 5. Januar 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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