Symposium

Mit Barmen über Barmen hinaus

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, ist 60 geworden. Grund genug, die Barmer Thesen - vor allem die 5. These - neu zu überdenken. Eine Ehrung.

Präses Nikolaus Schneider bei seinem Geburtsagssymposium in Düsseldorf Präses Nikolaus Schneider bei seinem Geburtsagssymposium in Düsseldorf

Mit einem Symposium über das Verhältnis von „Kirche, Staat und Gesellschaft in der noch nicht erlösten Welt“ (Barmen V) hat die Evangelische Kirche im Rheinland ihren Präses Nikolaus Schneider in Düsseldorf anläßlich seines 60. Geburtstages geehrt.
Vor rund 200 Gästen hielten der EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Dr. Wolfgang Huber sowie der Ministerpräsident des Landes NRW, Dr. Jürgen Rüttgers die Festvorträge zum Thema, das sich auf die 5. These der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 bezieht.

Das Bleibende mit dem sich Wandelnden verbinden

„Mit Barmen über Barmen hinaus“ – Auf diese prägnante Formel brachte es der EKD-Ratsvorsitzende. In seiner Festrede anläßlich des Geburtstages machte er deutlich, dass die fünfte These die Gesellschaft in ihrer heutigen Form noch nicht im Blick habe. Zudem müssten nicht nur Kirche, Gesellschaft und Staat in den Mittelpunkt gestellt werden, sondern auch Natur, Mitwelt und Nachwelt: „Das bleiben an dem, was uns anvertraut ist, gerade durch das Erbe der Bekennenden Kirche, verbindet sich so mit dem, was sich wandelt. Beides zusammen sehe ich auch als ein wichtiges Ziel im Handeln des rheinischen Präses Nikolaus Schneider“, so Huber. „Mit Barmen über Barmen hinaus – das scheint mir deshalb eine angemessene Perspektive zu sein, ihm zu danken, ihn zu ehren und ihn für eine nächste Wegstrecke zu ermutigen“, erläuterte der Berliner Bischof.

Huber weiter: „Nach Barmen V besteht die Aufgabe des Staates darin, für Recht und Frieden zu sorgen. Das ist zwar richtig, aber nicht genug. So ist darüber hinaus auch die Aufgabe des modernen Sozialstaats zu nennen, seine Wohlfahrtsfunktion auszuüben.“ Dabei sei nicht der „Vollverpflegungsstaat“ ohne jegliche Eigeninitiative gemeint. Aber auch dort, wo die Beteiligungsberechtigung im Zentrum der Argumentation stehe, „entlässt man den Staat im sozialen Bereich nicht aus seiner Verantwortung“, so Bischof Huber.


 

 

Gratulanten aus Kirche, Politik und Gesellschaft: Präses Schneider und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers Gratulanten aus Kirche, Politik und Gesellschaft: Präses Schneider und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers

Kirche und Staat – Verlässliche Partner

Für den Politiker Rüttgers ist auch heute noch die Trennung von Staat und Kirche, wie sie in der Barmer Erklärung beschrieben wird, „eine Säule unserer Demokratie“ - wenn ihre Trennung keine Scheidung ist. Denn Staat und Kirche müssten aufeinander bezogen bleiben: „Staat und Kirche haben es mit denselben Menschen zu tun“, so Rüttgers. Für ihn müssen Kirche und Staat „verlässliche Partner“ sein. Darüber hinaus sei es allerdings auch nötig, „auf Grundlage der Barmer Erklärung weiterzudenken“, betonte Rüttgers in Düsseldorf. Dabei seien vor allem die Globalisierung und die mit ihr verbundenen Fragen von Armut und Wohlstand im Blick zu halten. „Globalisierung ist kein unabwendbares Schicksal. Wir können sie politisch gestalten“, bekräftigte der Ministerpräsident. Nicht nur in Fragen der Bildungsreform, der sozialen Marktwirtschaft und der Gestaltung Europas seien Kirche und Staat aufeinander bezogen – „Und, so meine ich, bei uns in Nordrhein-Westfalen eben sogar Partner“, so Rüttgers.


 

 

Überbrachte Dank aus Köln: Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gratuliert Präses Schneider Überbrachte Dank aus Köln: Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gratuliert Präses Schneider

Grüße aus Köln

Ökumenische Grüße – und Dank - überbrachte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner aus Köln: „Ich bin Ihnen persönlich sehr dankbar für Ihre ökumenische Zuverlässigkeit – auf Nikolaus Schneider konnte ich mich immer verlassen“, so der Kardinal. Für ihn besteht die kostbarste Gabe des Heiligen Geistes am Pfingstfest nicht darin, dass jeder in seiner Muttersprache sprechen konnte, sondern „dass einer zum anderen sagen konnte: Ich verstehe dich. Ich wünsche uns, dass wir dies einander auch immer sagen können“, so der Kölner Erzbischof in seinem Wort an Präses Schneider.

Menschen dürfen nicht unter die Räder kommen

Nikolaus Schneider, der die Evangelische Kirche im Rheinland seit 2003 als Präses repräsentiert, knüpfte an seine Vorredner an. „Wir müssen in der Lage sein, unser Zusammenleben so zu organisieren, dass Menschen nicht unter die Räder kommen“, betonte der Theologe. In der Diskussion um Kirche und Staat, Menschen und Gesellschaft, Macht und Verantwortung „ist es unser Aufgabe als Kirche, auf Barmen zu verweisen“, so Schneider.

 

 

mai / Fotos: Sergej Lepke /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 3. September 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 4. September 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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