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Landwirtschaft Es ist zu trocken, und das Gras wächst nicht mehr: Der evangelische Umweltbeauftragte und Bio-Landwirt Peter Schmidt füttert sein Rotes Höhenvieh im oberbergischen Gummersbach schon jetzt mit den geplanten Wintervorräten.

Landwirtschaft I

Dürre Zeiten für das tägliche Brot

Pflanzen wachsen nicht, Tiere werden nicht satt: Hitze und Trockenheit sind für die Landwirtschaft derzeit eine Katastrophe. „Wir haben den Blick für das Wirken der Natur verloren“, sagt Pfarrer André Beetschen vom landeskirchlichen Dienst auf dem Lande. Er setzt auf die Solidarität mit den Menschen in der Landwirtschaft.

Seinen Stier „Manfred“ füttert Peter Schmidt im Stall. Auf der Weide ist sowieso kein Gras zu finden. Seinen Stier „Manfred“ füttert Peter Schmidt im Stall. Auf der Weide ist sowieso kein Gras zu finden.

„Dat stüfft“, beschreibt es Bio-Landwirt Peter Schmidt in rheinischer Mundart. Wenn der Umweltbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger in diesem Sommer seine Rinder füttert, ist das tatsächlich eine staubige Angelegenheit: Wirft der Besitzer des „Klosterhof Bünghausen“ im oberbergischen Gummersbach das Raufutter auf die Weide, dann fliegen Pollen, Grannen und andere winzige Partikel durch die Luft.

Denn das Futter, das er derzeit noch ersteht, hat nicht die beste Qualität. Seinem Roten Höhenvieh ist das zum Glück egal: Die alte Rasse ist nicht zimperlich und kann diese Nahrung gut verdauen.

Kein zweiter Schnitt, kein Winterfutter

Eigentlich sollten die Tiere wie alle Grasfresser auf den Weiden im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland in dieser Jahreszeit von alleine satt werden. Doch grüne Stängel gibt es kaum, die Wiesen sind verbrannt und verdorrt. Ob bei Mais, Hafer, Weizen oder Gras: Die wochenlange Trockenheit sorgt in diesem Jahr für Missernten.

Für die Landwirte ist das alleine schon eine wirtschaftliche Katastrophe, doch am meisten setzt ihnen der Futtermangel zu: „Nicht nur, dass der zweite Schnitt für das Winterfutter ausfällt, wir verfüttern jetzt sogar schon das Heu, das für die kalte Jahreszeit gedacht war“, berichtet Peter Schmidt.

Natur nicht im Griff

Das tägliche Brot, die tägliche Milch, das tägliche Fleisch: „Die Nahrung ist in unserer Gesellschaft selbstverständlich verfügbar, ihre Produktionswege haben wir jedoch aus den Augen verloren“, sagt Pfarrer André Beetschen, Vorsitzender des Evangelischen Dienstes auf dem Lande der rheinischen Kirche.

Wie die Kühe in den Dörfern, sei der Blick auf die Bedingungen für das Herstellen von Nahrung verschwunden. „Wir denken, wir hätten die Natur im Griff, doch die derzeitige Dürre beweist das Gegenteil.“

Heu doppelt so teuer wie im Vorjahr

Auch im Familienbetrieb von Karin Buchmann im niederrheinischen Hamminkeln werden die Milchkühe bereits jetzt gefüttert. „Und in die zusätzliche Nahrung stecken wir das Geld, das wir eigentlich für weitere Investitionen zurückgelegt hatten“, sagt die Landwirtin, die auch im Synodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Wesel mitarbeitet.

Dieses Zufüttern ist teuer: In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kostet die Tonne Heu laut Online-Portal „topagrar“ derzeit 115 Euro und damit doppelt so viel wie im Vorjahr. Doch eigentlich sei der Markt europaweit leergefegt, und er wisse nicht, wo er noch Ballen herbekomme, erklärt Peter Schmidt.

Dürre Zeiten auch im Hühnerstall: Die Tiere vom Klosterhof legen derzeit keine Eier. Dürre Zeiten auch im Hühnerstall: Die Tiere vom Klosterhof legen derzeit keine Eier.

Beim regionalen Bauernhof einkaufen

Der Evangelische Dienst auf dem Lande will nun verstärkt Sprachrohr der Landwirtinnen und Landwirte sein, für ihre Situation sensibilisieren und ihnen bei persönlichen Gesprächen zur Seite stehen. Kirchlich eingebundene Landwirtinnen und Landwirte wie Karin Buchmann und Peter Schmidt seien heutzutage die Ausnahme, sagt Vorsitzender André Beetschen. „In den Presbyterien sind sie aus Mangel an freier Zeit so gut wie gar nicht vertreten.“

Von seiner Kirche wünscht sich Landwirt Schmidt eine Soforthilfe in Form von Spendensammlungen, wie sie bei anderen Katastrophen in der Welt geschehen. „Auch der selbstverständliche Einkauf von regionalen Produkten bei einem Landwirt in der Kirchengemeinde wäre ein wichtiger Schritt.“

Verantwortung gemeinsam tragen

Und Karin Buchmann setzt auf das Verständnis für ihre Situation: „Ich wünsche mir von den Gemeindemitgliedern, dass sie uns Landwirtinnen und Landwirte im Blick haben und mit uns noch mehr ins Gespräch kommen.“

Den Vorwurf, die Landwirtschaft trage einen großen Anteil an der derzeitigen Wetterlage, entkräftet sie: „Auch andere Menschen schaden mit Billigflügen, häufigem Autofahren und dem Verlangen nach immer preiswerteren Lebensmitteln dem Klima.“ Sie betont: „Wir sind eine Menschheit und sollten unsere Verantwortung für die Schöpfung gemeinsam tragen.“

Hilfe vom Staat ist noch nicht sicher

Ob Landwirtinnen und Landwirte in der derzeitigen Notlage eine Unterstützung vom Staat erhalten, ist noch unklar. So will das Bundeslandwirtschaftsministerium erst einmal bis Ende August die Ernte-Ergebnisse abwarten, um eine Einschätzung der Lage vorzunehmen. Wird sie als „Naturkatastrophe“ oder als „Naturkatastrophen gleichgestelltes widriges Witterungsverhältnis“ eingeordnet, können die Länder eine Hilfe in Form von Zuschüssen leisten.

Die Landesregierung NRW prüft derzeit, ob bei weiterem Mangel an Regen finanzielle Mittel zur Abwendung von Existenzgefährdungen bereitgestellt werden. Die NRW-Landwirtschaftsministerin hat laut epd aktuell eine Beteiligung an möglichen Bund-Länder-Hilfen in Aussicht gestellt.

Solche Idylle hat ihren Preis. Und der solle sich beim Einkauf bemerkbar machen, betont Landwirtin Susanne Schulte. Solche Idylle hat ihren Preis. Und der solle sich beim Einkauf bemerkbar machen, betont Landwirtin Susanne Schulte.

Regen zwischendurch hilft nicht mehr

„Doch selbst der Regen zwischendurch half uns nicht, denn die Kraftwachstumsphase der Pflanzen ist vorbei“, meint Landwirt Peter Schmidt. Vorrangig nach staatlichen Geldern rufen, das will er aber nicht. Wie Karin Buchmann wünscht er sich eher: „Der Klimaschutz sollte von der Bundesrepublik vorangetrieben und von allen Menschen umgesetzt werden.“

Denn dass sich das Klima derzeit wandele, da ist sich der evangelische Umweltbeauftragte sicher. Bestätigt wird das vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium auf dessen Internetseite: „Der Erwärmungstrend verstärkt sich, die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur in NRW hat sich zwischen 1881 und 2015 um 1,4 Grad Celsius erhöht.“

Der angemessene Preis der Lebensmittel

Im Klosterhof denken Peter Schmidt und seine Frau Susanne Schulte derweil auch ans Aufgeben. „Einen weiteren trockenen Sommer stehen wir nicht durch“, sagt die Bauernhof-Erlebnispädagogin Susanne Schulte. Wenn Menschen die Wege entlang der Weiden rund um ihren Hof schlendern, dann erfreuen sie sich am Anblick der Kühe auf der Weide.

„Sie schwärmen uns vor, wie idyllisch das sei“, erzählt Susanne Schulte. Doch diese Idylle habe eben ihren Preis, ergänzt sie. „Und der muss sich im angemessenen Kaufpreis der Lebensmittel wiederfinden.“

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ekir.de / Text und Fotos: Sabine Eisenhauer / 20.08.2018



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