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Huda aus Syrien mit ihrer Lesepatin Irene Plein-Elborg in der Evangelischen Öffentlichen Bücherei an der Matthäikirche in Bonn. Huda aus Syrien mit ihrer Lesepatin Irene Plein-Elborg in der Evangelischen Öffentlichen Bücherei an der Matthäikirche in Bonn.

Büchereien für Integration

Flüchtlingen unsere Welt erschließen

Evangelische Büchereien tragen zur Integration von geflüchteten Menschen bei. Sie sind öffentliche Anlaufstellen und bieten einen mehrsprachigen Medienbestand. Erfahrungen, Erkenntnisse und Tipps aus dem Pilotprojekt „Sprachräume – Büchereien für Integration“ fasst eine Handreichung zusammen, die morgen in Bonn präsentiert wird.

Abiturientin Marie hat nicht gerade wenig zu tun. Doch ganz gleich, wie voll ihr persönlicher Stundenplan auch ist – für eines nimmt sie sich immer Zeit: Lesen mit David. Und dann noch eine Runde Memory spielen. Der Fünfjährige aus Rumänien, der sich schwer tut mit den Herausforderungen der deutschen Sprache, genießt diese gemeinsame Zeit ebenso wie die junge Frau, die sich zur Lesepatin hat fortbilden lassen.

Mit Vorlesen und Lesen die Welt verstehen

 „Vorlese-Situationen sind echte Sprachlern-Situationen. Es geht um das Erfassen und Miterleben, das Nachfühlen und Weiterspinnen von Geschichten“, sagt Professorin Sandra Niebuhr-Siebert aus Potsdam. Wie Bücher Wege zur Sprache eröffnen, ist ihr Thema bei einer Präsentation, mit der die Evangelische Kirche im Rheinland morgen, 27. Juni, in Bonn den offiziellen Schlusspunkt hinter das Projekt „Sprachräume – Büchereien für Integration“ setzt.

Es hat unter Beweis gestellt, dass evangelische Gemeindebüchereien ideale Orte sind, um zugewanderte und geflüchtete Menschen beim Erwerb der deutschen Sprache zu unterstützen. „Das dokumentiert eine Handreichung, die Erfahrungssammlung wie Anleitung zugleich ist und die Lust wecken will, etwas daraus nachzumachen“, sagt Helga Schwarze, Leiterin der landeskirchlichen Büchereifachstelle in Düsseldorf.   

Unverzichtbar für den Erfolg solcher Sprachräume ist der Einsatz ehrenamtlicher Lesepatinnen und Lesepaten wie Marie. Die Arbeit mit Kindern wurde im Projekt übertragen auf die Arbeit mit Erwachsenen.  64 Lesepatinnen und Lesepaten wurden bislang qualifiziert und haben für sich unter anderem einen Weg gefunden, „behutsam unsere Welt, unsere Tradition, unser Leben weiterzugeben“, wie es eine Teilnehmerin ausdrückt.

Auch kleine Büchereien leisten Beitrag zur Integration

Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge war das beispielgebende Pilotprojekt mehr als 400.000 Euro Unterstützung aus Fördermitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union wert.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Büchereien in unserer Kirche haben frühzeitig das Integrationspotenzial ihrer  Arbeit erkannt“, betont Präses Manfred Rekowski. Nach einer zweijährigen Projektlaufzeit ist die rheinische Kirche stolz darauf, zeigen und auch belegen zu können, dass kleine, ehrenamtlich geführte Büchereien als öffentliche Anlaufstellen mit mehrsprachigem Medienbestand einen Beitrag zur Integration von neu Zugewanderten leisten.

Erfahrungen, Ergebnisse, praktische Tipps und Hinweise sind Schwarz auf Weiß nachzulesen für all diejenigen, die innerhalb und außerhalb der Kirchen, in ehrenamtlich geführten Büchereien, im Begegnungscafé ihrer Gemeinde und in anderen Initiativen der Flüchtlingsarbeit einen entsprechenden Integrationsbeitrag leisten möchten.  

Folgeprojekt fördert Integration auf dem Land

Ein wiederum aus EU-Mitteln gefördertes Folgeprojekt „Sprachtreff – für Integration auf dem Land“ beginnt bereits am kommenden Sonntag, 1. Juli. Es zielt auf die nachhaltige allgemeine und berufsbezogene Sprachförderung von Zugewanderten in strukturschwachen Räumen und soll zum Beispiel die Integration in den Beruf unterstützen.

Dafür werden in den vier Bundesländern der Evangelischen Kirche im Rheinland (NRW, Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen) „Sprachtreffs“ als Informations-, Sprachlern- und Begegnungsorte eingerichtet. Mit dabei:  Kreisstadt und Evangelische Kirchengemeinde Sankt Wendel  sowie die Gemeinde Marpingen im Saarland mit ihrem Begegnungscafé beziehungsweise Jugendbüro. Die St. Wendelner Pfarrerin Christine Unrath wird im kommenden Sonntagsgottesdienst der Gemeinde einen entsprechenden thematischen Akzent setzen. Der offizielle Startschuss mit allen Projektpartnern fällt dann am Donnerstag, 16. August, ebenfalls im Saarland.

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ekir.de / Cornelia Breuer-Iff, Foto: Barbara Voss / 26.06.2018



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