EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Mystik Mystik und Meditation haben eine große christliche Tradition. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Mystik

Schatz im eigenen Haus

In der Mystik gehe es um Staunen, statt um Ergreifen, sagt Annette Frickenschmidt, Vorsitzende des Arbeitskreises Meditation in der Evangelischen Kirche im Rheinland im ekir.de-Interview. Der Arbeitskreis lädt zur Tagung „Mystik im städtischen Leben“ ein.

Annette Frickenschmidt Annette Frickenschmidt

Mystik - ist das nicht etwas Fremdes, etwas Exotisches, etwas aus anderen Religionen?

Keineswegs, Mystik ist eine ureigene, christliche Tradition! Der Begriff meint eine Glaubenshaltung, die in der Geschichte des Christentums zwar in unterschiedlicher Intensität, aber in allen Jahrhunderten lebendig war. Erst in neuerer Zeit wird damit Angrenzendes und Vergleichbares auch aus anderen Religionen bezeichnet.
Mystik hat immer wieder zur Erneuerung und Vertiefung des christlichen Glaubens beigetragen. Sie führt zum Wesentlichen. Wir wissen heute, wie stark zum Beispiel Martin Luther bei seiner reformatorischen Erkenntnis aus der mystischen Tradition geschöpft hat.

Was lehrt uns die Mystik heute, was hat uns Meister Eckhart heute zu sagen?

Mystik öffnet sich für die Erfahrung Gottes, ohne seine Unverfügbarkeit preiszugeben. Sie nimmt ernst, dass wir uns kein Bild von Gott machen sollen und ihn nicht mit Vorstellungen fassen können. Im Zurücktreten aller eigenmächtigen Impulse gibt sie der Wirklichkeit Gottes, seinem Wirken, Raum. In der Mystik geht es um Staunen, statt um Ergreifen, um Zulassen, beschenkt zu werden, statt um Machen und Verzwecken. Und um ein Leben, das aus seiner tiefsten Quelle Gestalt gewinnt, statt unter dem Diktat von Moral und Über-Ich.

Eckhart von Hochheim war nicht nur mystischer Seelsorger und Prediger, sondern auch einer der bedeutendsten Theologen seiner Zeit: Magister („Meister“), das heißt Professor an theologischen Lehrstühlen in Paris und Köln. Er hat die Grundanliegen der Mystik in eine theologisch-philosophische Sprache gefasst, die auch für heutige Menschen überraschend ansprechend sein kann. Und er nahm die Impulse der Laienbewegungen in den aufstrebenden Städten auf und formulierte erstmals eine Spiritualität des tätigen Lebens, die er tiefer erachtete als ein Leben in der Weltabgeschiedenheit. Auch dieser Aspekt der mittelalterlichen Mystik ist übrigens für unseren evangelischen Glauben bedeutsam geworden.

Wir sprechen darüber, weil der Arbeitskreis Meditation in der Evangelischen Kirche im Rheinland im Oktober in Wuppertal zu diesen Fragen eine Tagung anbietet. Warum?

Im „Arbeitskreis Meditation in der Evangelischen Kirche im Rheinland“ haben sich Menschen zusammengeschlossen, die eine Praxis der Meditation üben und weitergeben, wie sie auch in der Mystik als Gebet der Ruhe beziehungsweise des Herzens, als Versenkung oder als Kontemplation praktiziert wurde. Mit unseren Tagungen erinnern wir immer wieder an die Mystik als „Schatz im eigenen Haus“ und laden ein, die Anstöße der christlichen Mystikerinnen und Mystiker auch für heute fruchtbar zu machen.

Wer kann teilnehmen?

Alle, die sich für das Thema interessieren.

Sie sagen, auch der Ort der Tagung ist ein für das Thema Mystik besonderer Ort - inwiefern?

Durch den vielleicht bedeutendsten evangelischen Mystiker, Gerhard Tersteegen. Er lebte in Mülheim, doch nach seinem Tod übernahm ein Barmer die geistliche Leitung der von Tersteegen im weiten Umkreis inspirierten Kreise: Johann Engelbert Evertsen, Presbyter an der Gemarker Kirche, ein Freund, den Tersteegen hier auch mehrfach besucht hat. Noch während der berühmten Bekenntnissynode, die 1934 dort tagte, war seine Grabstelle auf dem Boden der Kirche besonders bezeichnet. Und die wertvollste Sammlung von Handschriften Tersteegens in Deutschland befand sich bis vor wenigen Jahrzehnten ebenfalls in dieser Kirche. Sie ist also ein Erinnerungsort sowohl für das Ringen um ein verantwortliches Leben in der Welt wie dafür, sich in der eigenen Tiefe für die Wirklichkeit des gegenwärtigen Gottes zu öffnen.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 29. August 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 3. September 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 03.09.2013



© 2019, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.