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Etwa 1.000 Jahre jünger als die antiken Überbleibsel der Römer und Jahrhunderte älter als die heutige AntoniterCityKirche ist das Weihwasserbecken des Sackbrüderordens von 1260. Als Zeichen für die ungeteilte Kirche hat es einen unübersehbaren „goldenen P Als Zeichen für die ungeteilte Kirche hat das Weihwasserbecken des Sackbrüderordens von 1260 einen unübersehbaren „goldenen Platz“ am Eingang zum Innenraum bekommen.

Ausgrabungen im AntoniterQuartier

„Wir sind jetzt die römisch-evangelische Kirche“

Größere Bauvorhaben in der Kölner City sind mit Bedacht zu beginnen. Vor dem ersten Spatenstich für das neue Citykirchenzentrum AntoniterQuartier an der Einkaufsstraße Schildergasse wurden deshalb Bodenproben genommen – vorsichtshalber. Tatsächlich fand man ein bisschen mehr in der Erde als erwartet.

Ausgrabungsarbeiten im AntoniterQuartier. Ausgrabungsarbeiten im AntoniterQuartier.

Einige der Ausgrabungsstücke aus 2.000 Jahren Geschichte sind inzwischen in der AntoniterCityKirche ausgestellt, der spektakulärste Fund liegt direkt daneben: die Überreste der ältesten römischen Bibliothek nördlich der Alpen. „Ein archäologischer Sechser im Lotto“, ist CityKirchen-Pfarrer Markus Herzberg immer noch beeindruckt.

 

Jede Epoche hinterlässt eigene Spuren und die Erdschichten unter dem AntoniterQuartier spiegeln sie wider wie ein archäologisches Daumenkino. Zuoberst wurde erst eine einsame Schippe des schon lange geschlossenen Kindergartens gefunden, darunter wurde es spektakulärer: Unterstützt von der Bodendenkmalpflege der Stadt Köln entdeckte das Ausgrabungsteam des Römisch-Germanischen Museums (RGM) Köln unter anderem ein mittelalterliches Weihwasserbecken von 1260, das sehr wahrscheinlich zur Kirche der Sackbrüder gehörte, außerdem Alltagsgegenstände des römischen Forums, Münzen, Schmuck und Töpferöfen aus den Jahren des Kaisers Augustus. „Im Zweiten Weltkrieg war hier bereits Römisches gefunden worden“, erzählt Herzberg, und dass das antike römische Forum im heutigen Innenstadtbereich Kölns lag, war ebenfalls bekannt. „Bei den Probebohrungen haben wir trotzdem sehr gekonnt danebengeschossen.“

 

„Ein archäologischer Sechser im Lotto“

Einige der Ausgrabungsstücke aus 2.000 Jahren Geschichte sind in der AntoniterCityKirche ausgestellt. Einige der Ausgrabungsstücke aus 2.000 Jahren Geschichte sind in der AntoniterCityKirche ausgestellt.

„Im Regelfall liefert Archäologie keine Zufallsfunde“, erklärte Prof. Dr. Marcus Trier, Direktor des RGM und Leiter der Kölner Bodendenkmalpflege bei Ausstellungseröffnung. Als sein Team – sich vorsichtig durch die Jahrhunderte schürfend – auf einen 20 x 9 Meter messenden Mauergrundriss stieß, konnte man damit dennoch erst einmal wenig anfangen. Ausgegraben wurde das Fundament einer zweigeschossigen Bibliothek aus dem späteren zweiten Jahrhundert nach Christus, „schließlich erkennbar an den für damals typischen Nischen zur Aufbewahrung von Schriftstücken“, erklärt Pfarrer Herzberg.

 

Römische Mauer in der Tiefgarage

 

„Der Fund hat riesige Aufmerksamkeit bekommen, die Newsticker in aller Welt haben darüber berichtet“, erinnert er sich. Zur Vernissage Mitte November kamen neben den Tageszeitungen auch Radio- und TV-Sender. „Die Mauerreste in unserer Tiefgarage würde ich Ihnen auch gerne zeigen“, bedauert Herzberg. „Sie sind leider noch vollständig verpackt, werden aber bald zu sehen sein.“ Zwei Stellflächen hat die Antoniterkirche nun weniger – dafür aber ein Stück originalrömischen Bauwerks in der Garage. 

Neben der Begeisterung und öffentlichen Aufregung von Seiten der Medien, Archäologen, Kulturhistoriker und natürlich der Kölner selbst, hat das, worauf die AntoniterCityKirche fußt, für Pfarrer Markus Herzberg noch mehr Bedeutung. „Ich finde es so schön zu sehen, wieviel Geschichte in uns steckt“, sagt er. „Eigentlich unfassbar, worüber wir täglich gelaufen sind. Hier ist seit dem Mittelalter Kirche!“

„Kirche“ seit dem Mittelalter

Viele kleinteilige Funde gibt es in der Antoniterkirche zu sehen. Viele kleinteilige Funde gibt es in der Antoniterkirche zu sehen.

70 Prozent der römischen Bausubstanz bleiben erhalten, um so weite Teile der antiken Bibliothek wie möglich öffentlich präsentieren zu können, braucht es jedoch erhebliche finanzielle Mittel. Die können nicht von der Evangelischen Gemeinde alleine aufgebracht werden.

Sie hat deshalb ein Spendenprojekt ins Leben gerufen: „Schon die Nähe zum Erdbeben-Risikogebiet Eifel macht besondere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich“, erklärte Markus Herzberg. „Darüber hinaus wartet in unserem Stadtgebiet so vieles, das aufbereitet und erhalten bleiben sollte, dass die für uns zur Verfügung stehenden öffentlichen Zuschüsse einfach nicht reichen. Wir hoffen und bauen auf Unterstützung von außen!“

Geschichte bleibt

Bis das neue Gemeindezentrum im kommenden Frühjahr eröffnet wird, sind die schönsten kleinteiligeren Funde in der Antoniterkirche ausgestellt. Das Segenszeichen des katholischen Bettelordens der Sackbrüder, der noch vor den Antonitern hier ansässig war, wird den Raum nicht wieder verlassen. Die Geschichte bleibt. „Im AntoniterQuartier findet Leben statt, ,mittendrinniger‘ geht es nicht“, erklärt Herzberg.

Die Patina der Kirche macht für ihn alles aus, was hier geweint, gesagt, gefühlt und gefeiert wurde. Der Raum muss nicht perfekt sein, „die Menschen sind es ja auch nicht“, sagt er und fasst amüsiert zusammen: „Und nun stehen wir auf römischem Boden und behalten das Weihwasserbecken als Zeichen für die ungeteilte Kirche in unserem Innenraum. Wir sind jetzt die römisch-evangelische Kirche.“

 

Info:
Das Weihwasserbecken des Sackbrüder-Ordens, Säulentrommeln und Kalksteinblöcke, die Anfang des 2. Jahrhundert nach Christus als Füllmaterial für Grubenbauten verwendet wurden, Scherben, Tonkrüge, Schmuck und Würfelspiele sind bis zur Fertigstellung des Neubaus täglich in der AntoniterCityKirche zu bewundern: montags bis freitags von 11 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17.30 Uhr.

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ekir.de / Text und Fotos: Claudia Keller / 06.11.2019



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