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Die Martinskirche Waldlaubersheim liegt an der A 61 bei Bad Kreuznach. Die Martinskirche Waldlaubersheim liegt an der A 61 bei Bad Kreuznach.

Tag der Autobahnkirchen

Gottes Häuser an der Autobahn

Autobahnkirchen sind eine deutsche Erfindung. 44 von ihnen säumen das Autobahnnetz und werden jährlich am „Tag der Autobahnkirchen“ gewürdigt, dieses Mal am 7. Juli. Das Buch „Gott to go: Das Autobahnkirchen-Buch fürs Handschuhfach“ von Ulli Tückmantel stellt einige vor, darunter auch die evangelische Martinskirche an der A61.

Weit über eine Million Menschen besuchen jährlich Gottes Häuser am Rand der Straße, wie Tückmantel schreibt. 19 von ihnen sind evangelisch, acht katholisch und 17 ökumenisch getragen. 2020 werde die 45. Autobahnkirche gebaut, ein Bauplatz für Nummer 46 sei in ersten Planungen bereits vorgesehen – als Ersatz für eine bestehende Autobahnkirche, die abgerissen werden könnte, so der Autor. Drei der Kirchen liegen im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland: St. Raphael an der A 57 bei Neuss-Nievenheim, die Autobahnkapelle Geismühle an der A57 bei Krefeld-Oppum und die Martinskirche Waldlaubersheim an der A 61 bei Bad Kreuznach.Ulli Tückmantel beschreibt die Martinskirche in seinem Buch „Gott to go: Das Autobahnkirchen-Buch fürs Handschuhfach“, so:

„Waldlaubersheim, Autobahn A61“

Seit 1991 ist die Martinskirche im rheinland-pfälzischen Waldlaubersheim (rund 800 Einwohner) Autobahnkirche. Sie ist die einzige Autobahnkirche an der A61, die vom niederländischen Venlo bis zum Autobahndreieck Hockenheim führt und so den linksrheinischen Raum an das süddeutsche Autobahnnetz anschließt.

Besonders geeignet als Autobahnkirche ist die Martinskirche trotz ihrer geografischen Nähe zum Autohof direkt an der A61 – Abfahrt Waldlaubersheim – eigentlich nicht: Um sie zu erreichen, müssen Besucher den sehr engen (und hübschen) Dorfkern des kleinen Weinbauorts durchqueren. Das macht die Anfahrt mit großen und schweren Lkw nahezu unmöglich. Für sie gibt es zudem an der Kirche keine Stellplätze; auch für normale Autos wird es dort schnell eng.

Einladende Dorfkirche

Die Kirche selbst liegt auf einer kleinen Anhöhe und ist nur über Treppenstufen zu erreichen. Für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte ist die Kirche faktisch unzugänglich. Am besten stellt man Auto oder Lkw am Autohof ab und macht sich zu Fuß auf den Weg durch den kleinen Ort. Wer es tut (was offenkundig nicht viele sind), findet eine einladende Dorfkirche, in der man wunderbar zur Ruhe kommen kann.

Die Martinskirche ist eine Chorturmkirche mit interessanter und wechselvoller Baugeschichte. Der Turm über dem Chorraum als Kern der Kirche geht auf das Jahr 1190 zurück, errichtet wurde er vermutlich als Wehrkirche. An den Turm wurde später ein Langhaus angebaut. Im 19. Jahrhundert wurde das alte Langhaus durch einen Neubau und den Anbau der Chor-Apsis ersetzt – mit Folgen. Durch die Bauarbeiten senkte sich im Lauf der folgenden 100 Jahre der Turm so stark ab, dass er 1963 weitgehend abgetragen und wieder aufgebaut werden musste.

Ein Anliegenbuch für Gedanken und Wünsche

Die seit der Reformation evangelisch-lutherische Gemeindekirche wird heute auch für katholische Gottesdienste genutzt. Besucher können in einem Nebenraum des Chors auf einem aus Bausteinen improvisierten Ständer eine Kerze anzünden und ein Anliegenbuch nutzen. Eine Besonderheit ist das Anliegenkreuz, auf das Zettel mit Bitten geheftet werden können.    

                          

Abdruck aus:
Ulli Tückmantel, „Gott to go: Das Autobahnkirchen-Buch fürs Handschuhfach“,168 Seiten, Verlag Books on Demand, Norderstedt, 2019, ISBN-13: 9783734767203, 24,99 Euro, erhältlich auch als iBook „Gottes Häuser am Rand der Strasse: Autobahnkirchen“, 14,99 Euro.

 

Tag der Autobahnkirchen
Zum Start der Sommerferien findet jedes Jahr der Tag der Autobahnkirchen statt. Am Sonntag, 7. Juli, um 14 Uhr gibt es an zahlreichen dieser geistlichen Rastplätze eine Andacht mit Reisesegen. Bereits um 9.30 Uhr überträgt das ZDF einen Fernsehgottesdienst aus der ältesten evangelischen Autobahnkirche Exter an der A2 in Vlotho-Exter.

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ekir.de / Ulli Tückmantel, red. Foto: Ulli Tückmantel / 03.07.2019



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