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Kirchenvater des 20. Jahrhunderts: Karl Barth (1886-1968) Kirchenvater des 20. Jahrhunderts: Karl Barth (1886-1968)

50. Todestag von Karl Barth

Der Störenfried Gottes

Er stellte sich gegen Adolf Hitler, protestierte gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik, warnte vor einer geistlosen Konsum-Gesellschaft. Der streitbare Schweizer Theologe Karl Barth (1886-1968) war jahrzehntelang die mutigste und prägnanteste Stimme des Protestantismus. Vor 50 Jahren, am 10. Dezember 1968, starb Barth.

Der "Kirchenvater des 20. Jahrhunderts", der im Alter von 82 Jahren in seinem Geburtsort Basel starb, war unter anderem Theologieprofessor in Bonn, Göttingen und Münster. Er polarisierte sein Leben lang, vielen galt er als unbequemer Störenfried. In seinen späten Jahren warf man ihm zu wenig Distanz zum Kommunismus vor. Schweizer Politiker gingen auf Abstand.

In vielen Auseinandersetzungen agierte Barth "geradezu draufgängerisch", schreibt Prof. Dr. Christiane Tietz, Professorin für Systematische Theologie in Zürich, in ihrer in diesem Jahr erschienenen Biografie "Ein Leben im Widerspruch" über den Schweizer Gelehrten: "Wenn er es für nötig hielt - und das war oft der Fall - legte er sich unerschrocken mit den politisch und kirchlich Mächtigen an."

Das wohlgeordnete Weltbild von Karl Barth zerbrach zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Der Spross einer evangelischen Theologendynastie, geboren am 10. Mai 1886, verzweifelte am Ausbruch des Nationalismus. Vor allem aber wuchs seine Skepsis gegenüber dem damals vorherrschenden Kulturprotestantismus, der die Brücken zwischen Religion und Zeitgeist schlug und zwischen Gott und Mensch vermitteln wollte.

Auslegung des Römerbriefs begründet neue Epoche der Theologie

Mit seiner 1919 erschienenen Auslegung des biblischen Römerbriefs begann eine neue Epoche der Theologie. Reformierte und lutherische Kirchen erinnern daran 2019 mit einem Karl-Barth-Jahr. Der frühe Barth habe den "unendlichen Abstand zwischen Gott und Mensch" betont und von Gott als dem ganz Anderen gesprochen, sagte der Wiener Theologieprofessor Ulrich H. J. Körtner dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Gegenüber heutigen Spielarten von Wellness-Religion bleibt diese Botschaft unvermindert aktuell."

Aus heutiger Sicht kaum verständlich, ja geradezu borniert, erscheint Barths Festhalten an einem Absolutheitsanspruch des Glaubens an Jesus Christus. In seiner Kirchlichen Dogmatik, verfasst ab 1932, bezeichnet er vor allem nichtchristliche Religionen wie den Islam als "Unglaube".

1934 von der Professur in Bonn suspendiert

Kritiker werfen Barth heute vor, den Anschluss an die Moderne verpasst zu haben. "Barths schroffes 'Nein' gegen jede Art von Religion erscheint heute maßlos", räumte der einstige Grandseigneur des deutschen Protestantismus, Heinz Zahrnt (1915-2003), ein: "Damals aber bedeutete es das energische Halt gegen alle Versuchungen, neben Jesus Christus auch noch andere Offenbarungsquellen anzuerkennen, als da waren Staat, Volk, Führer, Blut und Boden, Rasse und Nation."

1934 wird Barth von seiner Bonner Professur suspendiert, weil er sich weigert, den Eid auf Adolf Hitler ohne einschränkenden Zusatz zu leisten. Diese Haltung mündete in die "Theologische Erklärung von Barmen", als deren geistiger Vater Barth gilt. Historiker werten die Thesen, die am 31. Mai 1934 in Wuppertal-Barmen verabschiedet wurden, als moralische Legitimation für den Neuaufbau des deutschen Protestantismus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Maßgeblicher Anteil Barths an der Barmer Theologischen Erklärung

In der Barmer Erklärung grenzten sich evangelische Christinnen und Christen von der Ideologie des Nazi-Staates ab. Das zentrale Papier des Kirchenkampfes wurde weltweit auch zum Vorbild für christliche Befreiungsbewegungen in totalitären Staaten. "Der maßgebliche Anteil Karl Barths an der Barmer Theologischen Erklärung ist unbestritten", bekräftigt der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Thomas Martin Schneider (Koblenz).

Irritierend sein Privatleben: Barth heiratete seine frühere Konfirmandin Nelly Hoffmann, mit der er fünf Kinder hatte. Doch seine 13 Jahre jüngere Sekretärin Charlotte von Kirschbaum wurde der vielleicht wichtigste Mensch in seinem Leben. Gegen alle Widerstände und moralische Empörung integrierte er "Lollo" als Lebensgefährtin in die Familie.

Die Lieben wiedersehen. Die anderen auch

Eine Studie der US-amerikanischen Barth-Forscherin Suzanne Selinger zog Charlotte von Kirschbaum vor einigen Jahren aus dem Schatten des großen Theologen. Selinger beschreibt sie als Denkerin und Feministin, die das Werk Barths wesentlich mitbeeinflusste.

Wenn er je in den Himmel kommen sollte, soll Barth einmal gesagt haben, werde er sich dort zunächst nach Mozart erkundigen. Der einstige Bundespräsident Johannes Rau gab gerne eine andere Anekdote zum Besten. So soll Barth gefragt worden sein: "Herr Professor, werden wir droben unsere Lieben wiedersehen?" Seine Antwort: "Ja, aber die anderen auch."

Auftakt des Karl-Barth-Jahrs in Bonn

Am Vorabend von Barths 50. Todestag, Sonntag, 9. Dezember, wird in Bonn in der Kreuzkirche, Kaiserplatz, wo der Theologe einst auch Presbyter war, die Wanderausstellung "Karl Barth 2019. Gott trifft Mensch" eröffnet. Die Wanderausstellung hat der Reformierte Bund zum Gedenkjahr erstellt. Sie ist bis 27. Januar 2019 dort zu sehen. Die Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 9 bis 17 Uhr, sonntags 12 bis 14.30 Uhr.

Der 10-Uhr-Gottesdienst in der Kreuzkirche am 2. Adventssonntag dreht sich um Karl Barth. Die Predigt wird Pfarrer i. R. Hartmut Benner halten, einer der letzten lebenden Zeitzeugen Barths. Benner hält abends, 19 Uhr, ebenfalls in der Kreuzkirche, auch den Vortrag "Annäherungen an Karl Barth".

Auftakt des Karl-Barth-Jahrs in Köln

"Von Gott reden! kar Barths Ansatz im Widerstreit zum gesellschaftlichen Mainstream" - so lautet die Überschrift über einem Streitgespräch zum Auftakt des Karl-Barth-Jahrs am 6. Dezember, 19 Uhr, in der Trinitatiskirche in Köln, Filzengraben 4. Dazu laden die Evangelische Akademie im Rheinland und die Melanchthon-Akademie Köln ein.

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Stephan Cezanne (epd), ekir.de / neu, Foto: EKiR-Archiv, Nachlass Heinrich Lücke / 26.11.2018



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