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Im Bus unterwegs auf der Balkanroute - nur in umgekehrter Richtung: Jugendliche aus dem Kirchenkreis Aachen fahren bis ins griechische Thessaloniki. Im Bus unterwegs auf der Balkanroute - nur in umgekehrter Richtung: Jugendliche aus dem Kirchenkreis Aachen fahren bis ins griechische Thessaloniki.

Jugendliche reisen "Bis ans Mittelmeer"

Entlang der Balkanroute - in umgekehrter Richtung

Der erste Besuch ihrer Reise galt in München dem Verein „Orienthelfer“, dessen Mitglieder unterstützen Flüchtlinge in Syrien und im Libanon. Typisch: 17 junge Menschen aus dem Kirchenkreis Aachen reisen derzeit "Bis ans Mittelmeer" - die Balkanroute entlang, nur rückwärts. Das Thema: Flüchtlinge und ihre Helferinnen und Helfer.

Los gehts: Start der Jugendreise Los gehts: Start der Jugendreise "Bis ans Mittelmeer"

"Warum verlässt ein Mensch fluchtartig, häufig nur mit den Sachen, die er am Leibe trägt, seine vertraute Heimat für ein Land, welches tausende Kilometer weit entfernt ist? In eine Zukunft, die komplett ungewiss ist, wobei er nicht einmal weiß, ob er dieses Land überhaupt jemals erreichen wird?" Diese Fragen hat Maximilian Bier, einer der Teilnehmenden der Reise, im Gepäck.

Und weiter beschreibt Maximilian Bier, warum er dabei ist: "Noch eindringlicher stelle ich mir solche Fragen, wenn ich im Internet Bilder sehe, Bilder von leblosen Körpern, die umzingelt von Schlauchbootfetzen auf dem Wasser treiben. Durch Bomben zerstörte Städte, unter deren Trümmern zahllose Menschen ihr jähes Ende finden." Weiter nachzulesen sind seine Gedanken auf der Website "Bis ans Mittelmeer" - eine Seite, die die Teilnehmenden tagtäglich füllen.

Die zweiwöchige Reise „Bis ans Mittelmeer“ wird vom Jugendreferat des Evangelischen Kirchenkreises Aachen veranstaltet. 2015 war die Balkanroute die Hauptstrecke für Hunderttausende, die vor Krieg und Verfolgung flüchteten, insbesondere aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und dem Irak. An wichtigen Stationen, unter anderem in München, Wien, Budapest und Belgrad und Skopje, kommen die jungen Leute mit Flüchtlingen, Helfern und weiteren Menschen ins Gespräch - auch über die europäische Asyl- und Migrationspolitik.

Neben Jugendlichen aus der Region Aachen nehmen daran auch junge Leute aus ganz Nordrhein-Westfalen teil, zum Beispiel aus Bonn, Münster, Hamm und Duisburg. Rund 4.800 Kilometer und neun Stationen werden sie absolvieren.

Online live mitfahren - via Blog und Social Media

Das Besondere an der Fahrt sind nicht nur die Begegnungen mit Menschen an den verschiedenen Orten, sondern auch die eigene Berichterstattung der Teilnehmenden über ihre Erfahrungen. Denn die ganze Reise über werden die Mitfahrenden auf dem Blog bisansmittelmeer.de und in Sozialen Medien (Facebook, Instagram, Youtube) unter dem Hashtag #bisansmittelmeer ihre Eindrücke posten.

Deshalb fahren im Betreuer-Team auch zwei professionelle Journalisten mit, die den jungen Leute Tipps und Impulse zu medialen Äußerungen geben. Drei der mitreisenden jungen Erwachsenen haben darüber hinaus schon das Journalismus-Programm „News4U“ der Evangelischen Kirche im Rheinland absolviert, bringen also Vorkenntnisse und Erfahrungen mit.

Frühstück am Morgen des Reisebeginns Frühstück am Morgen des Reisebeginns

"Mit den Menschen selbst reden"

„Ich finde es wichtig, sich dafür einzusetzen, dass das Thema in den Medien präsent bleibt“, sagte die 20-jährige Maike aus Aachen, beim gemeinsamen Frühstück vor der Abreise. „Wenn es gerade kein übertrieben großes Problem gibt, hört man kaum noch davon, obwohl die Lage der Flüchtlinge weiter schlecht ist.“

Der 19-jährige Felix sagte, es störe ihn, dass in den Medien oft pauschal über „die Flüchtlinge“ berichtet werde. Er finde es wichtig, mit den Menschen selbst zu reden, sie kennenzulernen und dabei auch Vorurteile über Bord zu werfen.

"Mir selbst ein Bild machen"

Felix, 16, ist der jüngste Teilnehmer der Reise. „Ich will mal die Perspektive wechseln und mir selbst ein Bild machen“, sagte er. „Ich bin besonders gespannt auf die Stationen in Budapest und in Thessaloniki. In Thessaloniki wollen wir sogar ein Flüchtlings-Camp besuchen. Da kann man bestimmt viele Eindrücke sammeln.“

Der synodale Jugendreferent Axel Büker und sein Team hatten die Reise ein Jahr lang geplant und vorbereitet. „Ans Mittelmeer fahren in den Ferien ja viele, aber wir wollen keinen Urlaub machen, sondern uns mit dem Leben von Menschen beschäftigen, die in ihrer Heimat nicht bleiben konnten, weil sie verfolgt und bedroht sind, und wir wollen sehen, wie die Leute in den Ländern, durch die die Flüchtlinge kamen, darauf reagieren.“

"Gespannt, neugierig und erwartungsvoll"

Die Reise trete er vor allem gespannt, neugierig und erwartungsvoll an, auch mit etwas Sorge vor dem Unplanbaren. „Wenn es gut läuft, werden wir viele sehr unterschiedliche Eindrücke mitnehmen, mehr Einfühlung, was der Weg bedeutet und was in den Ländern auf dem Weg passiert“, sagte der Jugendreferent am Sonntag vor der Abreise.

Er hoffe, dass die Jugendlichen und die Menschen, die die Reise online verfolgen, neue Ideen bekämen, wie man das Thema auf europäischer Ebene weiterführen könne, aber auch auf der kleineren Ebene, im Kirchenkreis oder auch privat, zum Beispiel mit Partnerschaften und Freundschaften.

Vizepräses Christoph Pistorius beim Gottesdienst zum Start der Reise Vizepräses Christoph Pistorius beim Gottesdienst zum Start der Reise

"Ehrfurcht vor dem Leben"

Im Gottesdienst vor Reisebeginn in Würselen-Broichweiden sagte Christoph Pistorius, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Das Eintreten für bedrohtes Leben ist kein Tick der Christinnen und Christen, sondern humanitäre Pflicht aus Ehrfurcht vor dem Leben.“ Der Vizepräses predigte über die biblische Geschichte von Kain und Abel und brachte diese mit der Haltung Europas  gegenüber Flüchtlingen in Verbindung.

„Wir sehen die Bilder der Schlauchboote in Seenot, deren Ankern trotz Ankerzentren nicht gewollt ist, und fragen wie Kain ‚Soll ich meines Bruders Hüter sein?‘“, erklärte Pistorius. „Und Gottes Antwort ist: ,Ja, das sollst du!'. Gott will, dass wir wie gute Geschwister zusammenleben und er will nicht, dass wir den Tod vermeintlicher Widersacher billigend in Kauf nehmen.“

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ekir.de / Caren Braun (Fotos, Text), neu / 07.08.2018



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