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Gehaltvolles Geschenk: der Buß- und Bettag. Gehaltvolles Geschenk: der Buß- und Bettag. Karikatur: Michael HüterDownload

Buß- und Bettag

Sperriges Erbstück, gehaltvolles Geschenk

Der Buß- und Bettag ist irgendwie sperrig, unbequem, altmodisch, aber auch ein Erbstück, ein Geschenk. Das zeigt der Karikaturist Michael Hüter im ekir.de-Cartoon zum Buß- und Bettag 2018. Warum dieser kirchliche Feiertag das Zeug zum "gehaltvollen Geschenk" hat, das erläutert Pfarrerin Irene Hildenhagen im folgenden Beitrag.

Wer ein Erbe antritt, fragt sich zunächst: Kann ich das gebrauchen? Omas Küchenbuffet mit Aufsatz ist so alt und anders im Vergleich zur restlichen Ikea-Möblierung, dass es ein echter Hingucker ist. Es ist zwar sperrig, aber gerade der Kontrast im sonst modernen Ambiente spricht eine Wertschätzung für eine Zeit und Haltung aus, in der Möbelstücke aus Massivholz gearbeitet wurden und so beständig sind, dass sie über mehrere Generationen vererbt werden können.

Was machen wir nun aber mit einem Feiertag, der zum geistlichen Erbe unserer christlichen, evangelischen Tradition gehört und der auf den ersten Blick so gar nicht zu unserem modernen Lebensgefühl zu passen scheint? „Buße“ und „Beten“ - die Worte allein wirken antiquiert. Aber was steckt dahinter?

Ein Beziehungstag

Der Buß- und Bettag ist ein „Beziehungstag“. Er gibt mir Anlass zu fragen: "Wie sieht es aus mit Deinen Beziehungen? Wie stehst du zu dir selbst? Fühlst Du Dich wohl in Deiner Haut? Hast Du ein reines Gewissen?"

Beim Thema „Gewissen“ kommen dann schon sehr schnell auch andere Menschen mit ins Spiel. Wie stehe ich da im Blick auf meine Lieben - in der Familie, im Beruf, in der Freizeit, in der Nachbarschaft? Steht da nichts zwischen mir und den anderen? Kann ich allen mit aufrechtem Blick begegnen?

Wenn ich mir die Zeit nehme, diesen Fragen einmal ehrlich nachzugehen, dann rührt sich mein Gewissen wahrscheinlich auch, wenn ich mich frage: Wie ist meine Beziehung zur weiteren Umwelt, zur Schöpfung?

Schön, dass wir so einen langen und warmen Sommer 2018 genießen konnten! Aber ist das nicht auch Ausdruck einer deutlichen, bedrohlichen Klimaveränderung, an der ich durch meinen Lebensstil mit meinem Mobilsein und meinem Ressourcenverbrauch Anteil habe? Wie stehe ich zu den Prognosen, die Klimaforschende über die begrenzten Lebensperspektiven auf unserem Planeten geben?

Was ist mein Halt?

Am Buß- und Bettag habe ich Gelegenheit, mich diesen Fragen zu stellen und ich kann dazu meiner Lebenshaltung auf die Spur kommen. Meine Haltung läßt mich fragen: Was ist eigentlich mein Halt? Worauf vertraue ich?

Wie sieht es mit meiner Beziehung zu Gott aus? Bin ich da auf Sende- und Empfangspause gegangen, weil andere Dinge sich dazwischen geschoben haben? Wo bin ich mit Gott in Kontakt? Bete ich hin und wieder? Oder ist mein Gebet zu einem Stoßseufzer hin und wieder verkümmert?

„Buße“ wird biblisch auch als „Umkehr“ verstanden. So wird zum Beispiel der Prophet Jona von Gott beauftragt, den Bewohnern der Stadt Ninive eine Bußpredigt zu halten. Sie sollen erkennen, dass ihr Lebensstil sie in die Katastrophe führen wird. Es geht einfach nicht so weiter. „Umkehren vom falschen Weg und sich hinwenden zu Gott!“ Das ist das, was zählt.

Was ist wirklich wichtig?

Der Buß- und Bettag – ein prophetischer Zwischenruf auch an mich im Jahr 2018. Halt an. Denk mal über Deinen Weg nach. Wohin führt er Dich? Ich besinne mich: Was ist wirklich wichtig für mich, mein Leben, meine Liebsten, meine Umwelt und die Gesellschaft, in der ich lebe?

Gott hat mir mein Leben geschenkt, das nehme ich dankbar an. Auch die Tatsache, dass ich in eine Zeit und Gesellschaft geboren wurde, die mir so viele Lebensmöglichkeiten eröffnet, ist ein wunderbares Geschenk. Ich erkenne aber auch die Verantwortung, die mir als Erbe mitgegeben wurde. Aus meinem Halt, meiner Haltung erwächst mein Verhalten, durch das ich mitgestaltend auf die Verhältnisse einwirke. Meine Beziehungen kommen wieder in den Blick.

Gute, gehaltvolle Beziehungen

Der Buß- und Bettag macht mich aufmerksam, dass ich mit all diesen Beziehungsfragen nicht allein dastehe, sondern dass ich in eine Gemeinschaft gestellt bin. Auch wenn der Buß- und Bettag seit mehr als zwanzig Jahren kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, so laden doch viele Kirchengemeinden und christlich geprägte Einrichtungen zum Innehalten und Umkehren ein.

Wir erinnern uns an diesem Tag an unser kollektives Erbe: Durch Umkehr und Hinwendung zu Gott wird uns ein neuer Weg aufgezeigt: Er führt uns in gute und gehaltvolle Beziehungen! Was für ein Erbe!

Pfarrerin Irene Hildenhagen ist die Leiterin des Einkehr- und Meditationszentrums Haus der Stille.

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20.11.2018



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