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An ein normales Gemeindeleben ist für Pfarrer Larry Smith aus Pennsylvania bis auf Weiteres nicht zu denken. Seine Gemeinde hält das Kontaktverbot strikt ein. An ein normales Gemeindeleben ist für Pfarrer Larry Smith aus Pennsylvania bis auf Weiteres nicht zu denken. Seine Gemeinde hält das Kontaktverbot strikt ein.

Corona-Pandemie: Was die Partnerkirche UCC macht

Statt gewohntem Gemeindeleben – viele Stunden am Telefon

Pfarrer Larry Smith aus Pennsylvania/USA hat die Ostertage am Telefon verbracht, um Kontakt zu seinen Gemeindegliedern zu halten. Da seine Kirche, die United Church of Christ (UCC), die Kontaktsperre konsequent einhält, ist ein normales Gemeindeleben bis auf Weiteres nicht möglich. Eine Unsicherheit, die belastet, sagt er.

Herr Smith, wo haben Sie in diesem Jahr Ostern gefeiert?

Larry Smith: Zuhause, ohne Gemeinde, nur mit meiner Frau. Alles andere wäre mir zu gefährlich gewesen, und auch nicht gestattet.

Und wie haben Sie Gottesdienst gefeiert?

Smith: Eigentlich gar nicht, oder besser: nur privat. Einen Gottesdienst zu streamen, dazu konnte ich mich nicht entschließen. Ein Großteil der Gemeindemitglieder ist in einem höheren Alter, viele von ihnen besitzen auch keinen Computer. Ich wollte die Gemeinde nicht spalten in diejenigen, die digital unterwegs sind und die, die keinen Computer besitzen oder das auch ausdrücklich nicht wollen. Stattdessen habe ich viele Stunden am Telefon verbracht und mit möglichst vielen gesprochen. Einzig mit zwölf Personen habe ich mich zu einer Zoom-Sitzung getroffen, um uns zu unterhalten, in der Bibel zu lesen und zu beten. Das wiederholen wir zur Zeit jeden Sonntag.

Wie hat sich das Gemeindeleben in der Corona-Pandemie verändert?

Smith: Unsere Kirche hält die Kontaktsperre konsequent ein. Dadurch verändert sich viel: Wir können nicht mehr zusammenkommen. Gewohntes Gemeindeleben findet bis auf Weiteres nicht statt. Seelsorge geschieht hauptsächlich per Telefon. Überhaupt ist das Telefon zum wichtigsten Kommunikationsmittel geworden.
Viele Gemeinden streamen auch Gottesdienste, weil sie sich nicht mehr in der Kirche treffen können. Ich bin aber äußerst skeptisch, ob das Verfolgen eines Gottesdienstes am Bildschirm der Teilnahme in einer Kirche gleichkommt. Das Kontaktverbot betrifft auch die Beerdigungen. Da nur noch weniger als zehn Personen anwesend sein dürfen, sind die Bestattungen derzeit einfach gehalten. Für eine spätere Zeit denken wir über Gedächtnisgottesdienste nach. 
Um möglichst in Verbindung zu bleiben sende ich täglich eine E-Mail an denjenigen. die E-Mail empfangen können mit einer kurzen Andacht, Gebeten, Schriftlesungen, Fotos, und Musik. Manche Gemeindeglieder freuen sich darüber.

In Deutschland sind die Kirchen unter anderem mit ihren Online-Gottesdiensten in den Medien positiv präsent. Wie wird Kirche derzeit bei Ihnen medial wahrgenommen?

Smith: Das Bild von Kirche wird aktuell vor allem geprägt durch das Verhalten der Megachurches mit mehreren tausend Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmern. Sie haben zumeist eine evangelikal-konservative Prägung und lassen es sich von der Regierung nicht verbieten, sich zu versammeln – mit entsprechenden Folgen: Viele haben sich in den Gottesdiensten mit dem Corona-Virus infiziert. Entsprechend negativ wird das in den meisten Medien bewertet. Ich muss aber auch sagen, dass die große Mehrheit der Kirchen fleißig geschlossen bleibt und neue Gottesdienstformen, einschließlich Abendmahl, probiert.

Wie wird sich die Situation bei Ihnen entwickeln?

Smith: Das weiß kein Mensch. Unser Präsident ist fest entschlossen, das ganze Land schnell wieder zu öffnen. Aber vom medizinischen Standpunkt aus geht das nicht. Wie wir uns als Kirche verhalten sollen, wissen wir derzeit nicht. Alles schwebt in der Luft. Etwas genauer zu planen, ist kaum möglich.
So bin ich verantwortlich für ein UCC-UEK-Pastoralkolleg Ende Juli, auch mit Kolleginnen und Kollegen aus der rheinischen Kirche. Wir sollen uns mit dem Thema „Einen gerechten Frieden in einer ungerechten Welt bauen“ beschäftigen. Doch ob es stattfinden wird, das können wir derzeit noch nicht entscheiden. Diese weitverbreitete Unsicherheit ist eine schwere Last nicht für unsere Arbeitsgruppe, sondern für die ganze Bevölkerung.


Zur Person
Larry Smith (76) hat als Arzt praktiziert und ist nach einem Theologiestudium Pfarrer in der United Church of Christ geworden, einer Partnerkirche der Evangelischen Kirche im Rheinland in den USA. Seine Gemeinde Mount Zion United Church of Christ in Spring Grove, Pennsylvania zählt „offiziell“ 125 Gemeindeglieder. Davon nehmen im Durchschnitt 40 bis 50 am Gottesdienst teil. 2015 verbrachte Smith ein Jahr als Gemeindepfarrer in der Gemeinde Königshardt-Schmachtendorf in Oberhausen.

 

 

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ekir.de / Wolfgang Beiderwieden, Foto: Larry Smith/UCC / 17.04.2020



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